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Tiere

25.07.2017

Wolfgang Schenk: „Verhungern muss in Lauingen kein Storch“

Landwirt Vitus Kleinle (links) und Bürgermeister Wolfgang Schenk auf Ortstermin am Schäfgraben südlich von Lauingen. Die Binsen sind eine typische Pflanze für Feuchtwiesen – ein ideales Nahrungsgebiet für Störche, so Schenk.
Bild: Siebert, Stadt Lauingen

Der Bürgermeister sagt, dass er zur Herbst-Mahd sogar selbst Hand im Biotop anlegt

Die Lauinger Störche bewegen die Menschen in der Mohrenstadt. Vor rund einer Woche hat Hildegard Zenetti, die sich seit Jahren um die Tiere kümmert, Alarm geschlagen. Sie sagt, dass es zu wenig Feuchtgebiete gebe, die Jungstörche keine Nahrung finden. Ein Vogel sei sogar verendet, weil er es nicht mehr hoch ins Nest geschafft habe. Tagelang seien die Störche bei der Fischzucht an der Bleiche in „Drecklachen“ gestanden, so Zenetti. Immer wieder habe sie gebettelt, dass Wiesen gemäht werden. Nun hat sich etwas getan. Die Horstbetreuerin schreibt in einem Brief an die Redaktion: „Großen Dank sagen muss ich Uwe Lange aus Glött, der sich sehr für ‚unsere‘ Störche eingesetzt hat und Hilfe angeboten hat. Ich danke auch Matthias Bunk, dass er doch so schnell die ‚Storchenwiese‘ gemäht hat. Ich denke, dass jetzt das Storchenjahr einen einigermaßen normalen Verlauf nehmen kann. Deo gratias!“ Zenetti betont aber auch, dass es nicht ihre Störche seien. Damit reagiert sie auf den Leserbrief von Familie Ostertag, die Besitzer der Fischzucht auf der Bleiche. Das Ehepaar schrieb, das es sich seit Jahren bemüht, die Lauinger Störche zu „füttern“. Jederzeit könnten sich die Tiere an den Teichen bedienen. Zudem habe man auf Bitten von Hildegard Zenetti auch ein Stück Wiese gemäht. Stefanie und Daniel Ostertag fragten, wer den für die Tiere verantwortlich ist.

Lauingens Bürgermeister Wolfgang Schenk sieht die Situation anders. Per E-Mail lässt er mitteilen, dass es Zeit sei, „dass seriöse Fakten zu den Lauinger Störchen und dem Storchennachwuchs auf den Tisch kommen“. Gemeinsam mit Landwirt Vitus Kleinle besichtigte er die Feuchtgebiete im Umgriff der Stadt Lauingen, die von Kleinle auch als Futterquelle für die Störche gepflegt werden, steht es in der Pressemitteilung. Schimmelturm und Leonhardikirche seien in Sichtweite, die Feuchtwiese am Schäfgraben, südlich der Lauinger Innenstadt, sei ein artenreiches Biotop. Hier seien Grashüpfer, kleine Kröten, Libellen, Nacktschnecken und Regenwürmer zu finden. Im Auftrag der Stadt pflegt Kleinle die Fläche, teilt Schenk mit. Und Kleinle sagt: „Hier ist wenig Bewuchs, damit der Storch landen kann und artenreiches Futter findet.“ Dazu seien wasserführende Graben aufgeweitet, Humus abgetragen, Flachmulden geschaffen worden. Der Landwirt sagt, er habe die stadtnahe Magerwiese Mitte Juni gemäht und bei der Mahd auf die Brutzeit der Feldvögel Rücksicht genommen. Die Wiese am Schäfgraben sei nur eines der Projekte, das die Stadt gemeinsam mit der Direktion für Ländliche Entwicklung und Donautal-Aktiv im vergangenen Jahr für das Projekt Bayerns UrEinwohner gestartet habe. Das bestätigte Susanne Kling von Donautal-Aktiv im Interview vergangene Woche. Sie sagte aber auch: „Der große Coup ist uns nicht gelungen.“ Man habe ein Pflegekonzept ausgearbeitet, das bei der Stadt liege.

In Pressemitteilung der Stadt Lauingen steht weiter, dass insgesamt sieben Projektgebiete von der Bleiche über das Kreiselbiotop am Auwaldsee bis in Lauingens Süden zum Schäf-, Nachtweid-, Land- und Heidgraben zum Futterplatz der Störche und ihrer Jungen zählen würden. Bürgermeister Schenk sagt: „Für mich ist es nicht nachvollziehbar, warum jetzt gegenüber der Presse geäußert wird, es sei nicht viel passiert. Das Gegenteil ist der Fall, die Stadt Lauingen hat gemeinsam mit den Landwirten Vitus Kleinle und Anton Kimmerle eine engagierte Landschaftspflege für die Störche und deren Nachwuchs betrieben.“ Der Storch sei zudem ein Nahrungsopportunist, während längerer Trockenperioden stelle er seine Speisekarte um. Schenk: „Verhungern muss in Lauingen kein Storch, ob Alt- oder Jungvogel.“

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Auch mit Anton Burnhauser, dem Storchenexperten der Regierung von Schwaben, habe er aktuell gesprochen, betont der Rathauschef. Ein Storchenbiotop am Kreisel zwischen Lauingen und Dillingen gebe es nicht. Das ein Hektar große Biotop befinde sich am Kreisverkehr zwischen Lauingen und Weisingen. Hier unterhalte die Stadt seit 2005 eine Pflegevereinbarung mit dem Bund Naturschutz zum Schutz von Kröten, Lurchen und Co., deshalb dürfe nicht zu häufig gemäht werden. „Das ist ein Interessenskonflikt zwischen Amphibien und Störchen. In der Vereinbarung wurde damals geregelt, dass im Juli und im Herbst gemäht werden soll. Um die Nahrungssituation für den Storch zu verbessern, müsste die erste Mahd Ende Mai/Anfang Juni vorgezogen werden“, erläutert Schenk. Er wisse, wovon er rede, denn zur Herbst-Mahd lege er selbst im Biotop mit Hand an.

Warum ist einer der vier Jungstörche verendet? Schenk und Kleinle vermuten, dass er Flugversuche unternommen habe. Anschließend habe er in einem engen Hinterhof nicht mehr starten können. Schenk sagt: „Ein Storch ist kein Haustier, sondern ein Wildvogel, da kann gerade während der ersten Flugversuche der Jungstörche schon einmal ein Unfall passieren.“ Dass das Storchenpaar vier Jungtiere hervorgebracht habe, sei ungewöhnlich. Dass nun drei Störche flügge werden, spreche „klar für Lauingen als Storchenstandort mit stadtnahen Futterplätzen und einer intakten Natur“. (mit pm)

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