Newsticker

Rund 150.000 Corona-Infizierte und fast 3000 Tote in den USA
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Zum Valentinstag: eine Lauingerin und ihre Liebe zur Zeitung

Lauingen

14.02.2020

Zum Valentinstag: eine Lauingerin und ihre Liebe zur Zeitung

Aloisia Reich und ihr zweiter Enkel Alexander. Er hatte die Idee für den Bericht, weil seine Oma so eine begeisterte Zeitungsleserin ist. Seit 1954 gehört die Lektüre für die 86-Jährige morgens zum Frühstück.
Bild: Cordula Homann

Plus Zum Valentinstag freuen wir uns über eine Liebeserklärung aus Lauingen. Aloisia Reich sagt: "Die Zeitung will ich nicht missen."

Na, verschenken Sie heute eine Rose? Oder rechnen Sie mit einer? Es ist Valentinstag, der Tag der Verliebten. Wenn heute keine Liebeserklärung erfolgt – wann dann? Und warum nicht mal für die Zeitung selbst? Schließlich feiert die Donau-Zeitung in diesem Jahr ihr 70-jähriges Bestehen. Wenn das mal kein Anlass ist.

Aloisia Reich aus Lauingen sagt: „Meine Zeitung will ich nicht missen – egal, wie teuer sie wird“, und lacht. Jeden Morgen um 7.30 Uhr liest die 86-Jährige die Zeitung. Die hat ihr Enkel Achim Reich auf dem Weg zur Arbeit schon zuvor aus dem Briefkasten geholt. „Ich lese und frühstücke nebenzu bis 9.30 Uhr – dann geht mein Alltag los“, sagt Aloisia Reich. Todesanzeigen, Leserbriefe, Lokales, das interessiert sie am meisten. Im Sportteil überfliegt sie die Überschriften – „wenn ich jemand kenne, lese ich die Artikel auch, sonst eher nicht. Fußball verstehe ich nicht.“

Sie fängt die Zeitung von vorne an, ihr Mann las von hinten rein

Abends nach der Arbeit schaue dann der Enkel oft noch vorbei und werfe einen Blick in die Zeitung. 65 Jahre lang war Aloisia Reich im vergangenen Jahr verheiratet, so lange hat sie die Zeitung. Sie liest von vorne, ihr Mann Josef dagegen fing immer hinten an. „So saßen wir miteinander da“, erzählt die gebürtige Dillingerin. Doch im April vergangenen Jahres starb der Ehemann.

Zum Valentinstag: eine Lauingerin und ihre Liebe zur Zeitung

Als die Zeitungsfrau noch den Schülern die Zeitung mit gab

Dessen Eltern hatten 1933/34 das Haus in Lauingen bezogen – „der Schlüssel war fertig, das Haus aber nicht“, erinnert sich die 86-Jährige und schmunzelt. Auch damals kam die Zeitung schon ins Haus, jedoch ganz anders: „Die Zeitungsfrau hat da beim Hitzler-Baugeschäft auf die Kinder gewartet, die von der Schule kamen. Wenn deren Eltern die Zeitung bekommen sollten, gab sie sie ihnen direkt mit auf den Heimweg. Die Zeitungsfrau war ein altes Weib, und der Weg von der Stadt hierher ist weit“, schiebt sie als Erklärung nach.

Ein Blick in die Donau-Zeitung. Damals fiel der 14. Februar auf einen Sonntag. In der Wochenendausgabe wurde neue Mode vorgestellt: rechts unten der Kragen mit dem Namen „Vatermörder“, darüber eine Batistbluse mit Plisseestreifen und einem schwarzen, bauschigen Rock. Links unten ein Paar beim Münchner Chrysanthemenball, „die vornehmste Tanzveranstaltung des Münchner Faschings“.
Bild: Cordula Homann (Repro)

1954 heiratete Aloisia in die Reich-Familie ein und las die Zeitung seitdem immer nach den Schwiegereltern. „Es gab keine Zeit ohne Zeitung – die hieß nur früher anders.“

Manche Berichte, etwa über die Therme Wörishofen, oder Gutscheine, schneidet sich die Seniorin aus. Sie geht regelmäßig schwimmen, trainiert auf dem Crosstrainer im Wohnzimmer, trifft sich einmal in der Woche mit ihren Strickdamen und alle 14 Tage mit Bekannten im Café der Gärtnerei Wohlhüter in Gundelfingen. „Da reden wir auch von der Zeitung, freilich“, sagt Aloisia Reich und lacht. Verbessern würde sie an dem Produkt nichts. „Ich nehme es, wie es kommt. Und solange ich lebe, hab ich auch die Zeitung!“

Diese Themen könnten Sie auch interessieren:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren