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Landwirtschaft

12.07.2016

„Zweimal brach mir eine Kuh den Arm“

Landwirt Franz Bürger weist die Kritik des Bündnisses „Stoppt den Saustall“ entschieden zurück. Hier zeigt er die Situation im Stall. Die Tiere koten auf die Gummimatte oder auch den Eisenrost. In der Gesamtschau scheint ihm das weniger dramatisch als auf den eng gewählten Bildausschnitten seiner Gegner.
Bild: Erich Wandschneider

Der vom Bündnis „Stoppt den Saustall“ kritisierte Wertinger Landwirt Franz Bürger stellt die Anbindehaltung aus seiner Sicht dar. Warum Fußfesseln mitunter sinnvoll seien

Gestern berichtete unsere Zeitung im Artikel „Missstände im Kuhstall – Tierschützer prangern Anbindehaltung an“ über die Beschwerden des Bündnisses „Stoppt den Saustall“ gegen einen namentlich nicht genannten Landwirt aus dem Zusamtal. Es wurde allgemein von „desaströsen Haltungsbedingungen“ bei der Haltung von Kühen gesprochen, Fotos zeigen verdreckte Rinder im Kot, bei einem im Dreck liegenden Tier sind deutlich Fußfesseln zu erkennen. Unsere Zeitung sprach gestern mit dem kritisierten Landwirt und gab ihm Gelegenheit, seine Argumente vorzubringen. Es handelt sich um den 58-jährigen Wertinger Bauern Franz Bürger. Seit 2002 ist er Stadtrat. .

Geben Sie Ihren Namen für die Berichterstattung frei?

Ja! Weil ich diese Sache ins ehrliche und richtige Licht rücken will.

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Wie viele Tiere in wie vielen Ställen haben Sie?

Wir haben an die 95 Tiere in vier Ställen. Es sind an die 50 Milchkühe. Der Rest ist Jungvieh.

Warum sind die Tiere verdreckt, wie das auf den Fotos zu sehen ist?

Eines der Fotos vom Montag zeigt eine ganz normale Situation: Ein Kalb mit einem Wasserkübel. Da gibt es nicht ein Tier, das seinen Urin trinken muss, wie behauptet.

Aber die Fußfessel?

Eines der Bilder zeigt eine Kuh mit einer Fußfessel. Bis zu drei Wochen nach dem Kalben darf man einer Kuh Fußfesseln anlegen, so eine Fußfessel bei einem anderen Tier hatte übrigens das Veterinäramt Dillingen im Oktober 2015 beanstandet.

Warum überhaupt Fußfesseln?

Bei Jungkühen benötigt man nach dem Kalben Fußfesseln aus Sicherheitsgründen für Tier und Landwirt. Nach der Geburt sind die Bänder des Tiers gedehnt. Die Fußfesseln an den Hinterbeinen verhindern, dass sie ausgrätschen und sich dabei verletzen. Und die Fesseln geben auch dem Landwirt Sicherheit. Ich weiß, von was ich rede. Bereits zweimal hat mir eine Kuh den Unterarm gebrochen.

Aber der Dreck und der Kot auf den Fotos?

Der angebliche Dreck kommt von der Aufstallung. Es handelt sich um einen alten Stall. Aufstallung bedeutet hier, dass unter der Kuh eine Gummimatte ist und hinter ihr ein Eisenrost. Der Kot wird am Morgen und am Abend entfernt. Aber natürlich kann schon zehn Minuten danach wieder Kot auf Matte oder Rost fallen. Dann kann es so aussehen wie auf dem Foto.

Wie wird von Ihnen in so einem Stall die Reinheit der Milch gewährleistet? Kommt da nicht Dreck in oder an die Behälter?

Das Euter wird zweimal am Tag vor dem Melken gereinigt. Dann erst wird die Melkmaschine angesteckt. Und die Milch wird natürlich tagtäglich auf ihre Qualität geprüft!

Von wem?

Vom Milchprüfring. Jeden Tag wird eine Probe geprüft.

Wie viele Mitarbeiter beschäftigen Sie?

Derzeit beschäftige ich saisonal einen Mitarbeiter über den Sommer. Und die ganze Familie arbeitet natürlich mit.

Was ist Ihre Stellungnahme zu den Vorwürfen des Aktionsbündnisses „Stoppt den Saustall“? Man wirft Ihnén vor, dass Sie Ihre Tiere nicht ordnungsgemäß behandeln und sie knöcheltief im Schlamm stehen lassen.

Aus meiner Sicht haben sich die Tierschützer auf die Fahne geschrieben, dass auch noch der letzte Anbindestall durch Kontrollieren, Schikanieren und Ruinieren geschlossen wird. Des Weiteren sehe ich es als totalen Straftatbestand, wenn man in verschlossene Ställe einbricht, sobald die Besitzer nicht zu Hause sind, und wenn man manipulierte Bilder schießt. Bilder, die aus dem Zusammenhang gerissen sind. Auch dieser Vorwurf, dass die Kälber aus Wassermangel ihren eigenen Urin trinken müssen, ist absurd. Alle Kälber haben ihren Wasserkübel. Jede Kuh hat ein Tränkebecken. Nach Rücksprache mit meinem Fachanwalt vom Bauernverband habe ich erfahren, dass solche Vorwürfe mittlerweile eine gängige Masche sind und er bereits viele solcher Fälle abgewickelt hat.

Ihre Stellungnahme zu den Maßnahmen des Landratsamts, die Peter Hurler mitteilte?

Das Landratsamt macht laufend Kontrollen und Nachkontrollen. Im Jahr 2015 beanstandeten sie, dass mein Freistall nicht überdacht war und Fußfesseln benützt wurden. Bei der Nachkontrolle im Mai 2016 ging es um sechs Fußfesseln – natürlich bei anderen Tieren als im Oktober. Drei Kühe mit Fußfesseln waren im erlaubten Zeitraum nach dem Kalben. Ein Tier war „vergrätscht“ – aber ich hatte mir das nicht vom Tierarzt bestätigen lassen. Kühe tragen Fußfesseln, weil sie nach dem Kalben mitunter ausschlagen. Ich bin schon zweimal mit gebrochenem Arm ins Krankenhaus. Für die beanstandeten Fußfesseln sandte man mir übrigens einen Bußgeldbescheid über 250 Euro und 63 Euro Bearbeitungsgebühr. Ich fürchte, dass derzeit der Tierschutz höher angesiedelt wird als der Schutz des Menschen.

Ihre Antwort an den BBV-Geschäftsführer Eugen Bayer, der angesichts der Bilder sagte: „So praktiziert kein ordentlicher Nutztierhalter“?

Ich habe mit Herrn Bayer gesprochen. Der musste halt eine Stellungnahme abgeben. Ich sage es noch einmal: Die Bilder sind aus dem Zusammenhang gerissen. "Kommentar

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