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Krieg in der Ukraine: Die Folgen im Landkreis Dillingen.

Landkreis Dillingen

Das wird teuer: Der Krieg in der Ukraine und die Folgen im Landkreis Dillingen

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    Heizöl, Benzin und Lebensmittel: Die Folgen des Ukraine-Krieges spüren Menschen auch im Landkreis Dillingen in nahezu allen Lebensbereichen.
    Heizöl, Benzin und Lebensmittel: Die Folgen des Ukraine-Krieges spüren Menschen auch im Landkreis Dillingen in nahezu allen Lebensbereichen. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild (Symbolbild)

    Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine lässt ein ganzes Land im Chaos versinken. Und die Auswirkungen sind auch bei uns im Landkreis Dillingen deutlich zu spüren. "Alles wird teurer, es ist heftig", stellt Müllermeister Josef Vogt fest. Die Vogt-Hofmühle im Dillinger Stadtteil Steinheim bezieht ihr Getreide zwar von Landwirten aus der Region. Der Preis richte sich aber nach dem Weltmarkt. Und der sei, seitdem Putin die Ukraine angegriffen habe, regelrecht explodiert, erläutert Vogt.

    Nach der jüngsten Ernte sei die Dezitonne Weizen im Sommer des vergangenen Jahres an der Börse in Paris mit etwa 22 Euro gehandelt worden. Danach habe der Preis etwas angezogen. Mit dem Beginn des Kriegs in der Ukraine, laut Vogt „die Kornkammer Europas“, sei er nun aber durch die Decke gegangen. Am Freitag mussten für die gleiche Menge 38 Euro bezahlt werden, informiert Vogt. Und ein Ende der Preissteigerungen sei nicht in Sicht. „Es geht weiter nach oben“, sagt der Steinheimer voraus.

    Bei der Vogt-Hofmühle in Steinheim sind die Silos mit Getreide noch voll

    Wie in einem Fernsehbeitrag berichtet wurde, stehen wegen des mangelnden Getreide-Nachschubs bereits an manchen Orten die Mühlen still. Einige Landwirte warten Vogts Worten zufolge mit dem Verkauf von Getreide noch ab, weil sie bei einem späteren Verkauf vermutlich noch bessere Preise erzielen können. Die Vogt-Mühle in Steinheim werde aber so schnell nicht stillstehen, versichert der Müllermeister. "Wir haben noch einiges an Getreide in den Silos", teilt Josef Vogt mit. "Wirtschaftlicher wäre es, die Mühle abzuschalten und das Getreide zu verkaufen", erläutert der Firmenchef. Das wird Vogt aber nicht tun. "Das wäre unseriös, wir haben auch einen Versorgungsauftrag", betont auch Juniorchef Christian Vogt.

    Die Preissteigerungen machten sich nicht nur beim Rohstoff Getreide, sondern auch bei den Papiertüten zur Verpackung und beim Strom bemerkbar. Die Mühle nutze zwar die Wasserkraft der Egau, aber darüber hinaus lägen die Stromkosten bei etwa 20.000 Euro im Jahr, erklärt Josef Vogt. Da könne man sich leicht ausrechnen, wie der Anstieg des Strompreises zu Buche schlage. Dennoch: Bei einem 25-Kilo-Sack-Mehl liege der Preisanstieg derzeit vielleicht bei zwei Euro. "Das macht das Kraut nicht fett", sagt Vogt.

    DSDL-Chef: "Gundremmingen muss wieder anlaufen"

    Noch dramatischer schildert Wolfgang Behringer, Chef der Donau-Stadtwerke Dillingen-Lauingen (DSDL), die Lage. Er sagt: "Wir sind schockiert. Der Strompreis hat am Montag eine Höhe angenommen, die er noch nie hatte. Wir dachten nicht, dass es so hoch gehen kann." Die Stadtwerke kaufen nicht direkt an der Börse ein, sondern über eine Einkaufsgemeinschaft. Stand Montag kostete die Megawatt-Stunde 415 Euro. Das sind 41,5 Cent für Strom, "und das ohne Steuer, ohne nichts", so Behringer weiter.

    Als Strombezieher seien die DSDL für das Jahr 2022 dank eines laufenden Stromliefervertrages abgesichert. Der Preis für die Stadtwerke als Versorger sei gesichert. Aber: "Als Verkäufer haben wir richtig Probleme. Die Börse stellt den Handel teilweise schon ein." Zwar müssten sich auch die Kundinnen und Kunden der DSDL aktuell keine Sorgen machen, auch deren Verträge seien für das laufende Jahr gesichert. "Wenn aber momentan jemand zu uns wechseln will, muss er derzeit deutlich mehr zahlen", sagt der Werkleiter. Kein andere Anbieter könne laut Behringer in der momentanen Situation kurzfristig und gar günstig Strom anbieten, "selbst die sogenannten Billiganbieter nicht".

    Sorge, dass Stromnetz zusammenbricht

    Der DSDL-Chef befürchtet, dass die Spitze noch nicht erreicht ist. Er sagt: "Aktuell kann man keine Prognosen abgeben. Aber was man weiß: Gas, Strom, Kohle... Wir sind in allen Bereichen von Russland abhängig." Das treibe die Marktpreise in die Höhe, es sei nicht gesichert, was nachkomme. "Das ist beängstigend", so Behringer weiter. Er betont, dass er kein Atomkraft-Freund sei, die Zukunft erneuerbare Energien sein müssten. "Aber für den Moment gibt es nichts anderes, als alle Hebel in Bewegung zu setzen und das Atomkraftwerk in Gundremmingen wieder hochfahren. Wenn das Stromnetz zusammenbricht, haben wir echt was zu tun."

    LEW kann Neukunden im Bereich Gas nichts anbieten

    Bei den Lechwerken, so teilt es der Pressesprecher Ingo Butters mit, herrsche Fassungslosigkeit. „Bei Beginn der russischen Invasion war bei einem bereits sehr hohen Niveau ein weiterer Anstieg der Preise an den Großhandelsmärkten für Strom und Gas zu beobachten. Die Preise liegen aktuell um ein Vielfaches über dem Niveau der Vorjahre“, so Butters. Die LEW hat insgesamt rund 500.000 Privat- und Gewerbekunden. Man setze auf Langfristigkeit und Stabilität. So hätten zum Jahreswechsel die Preise der bestehenden Angebote für Strom stabil gehalten beziehungsweise bei einigen Angebote auch gesenkt werden können. Auch bei den Gasangeboten von LEW für Privatkunden habe es keine Änderung beim Preis gegeben.

    Aber zum 1. März wurden bei einem Teil der LEW-Gasprodukte die Preise erhöht, dies betreffe jedoch einen kleineren Teil der Gaskunden, heißt es. Diese Preisanpassung sei nicht im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine gestanden. Butters: „Gleichwohl können uns den aktuellen Marktbedingungen nicht entziehen, auch uns betreffen die extrem gestiegenen Beschaffungskosten. Aufgrund der aktuellen Verwerfungen an den Energiemärkten haben wir im Bereich Strom für Neukunden derzeit nur ein eingeschränktes Angebot, im Gas derzeit kein Produkt für Neukunden.“

    Täglich aufwärts gehen in den vergangenen sieben Tagen auch die Benzin- und Ölpreise. Lukas Bischofsberger arbeitet im Vertrieb des Energieversorgers Stärkere Stoffe Georg Wagner KG in Wertingen, der zudem die Tankstelle am Kreisverkehr an der Wertinger Umgehungsstraße betreibt. Bischofsberger spricht von Preissteigerungen von 50 bis 60 Cent. Sie als Händler kauften von den großen Gesellschaften, die wiederum die Preise festsetzen. „Das Öl kommt aus der ganzen Welt, der Anteil aus Russland fällt allerdings derzeit weg“, erklärt Bischofsberger. Im Vergleich zum Staat profitierten sie als Händler nicht von den höheren Preisen. Nach einem Tiefpunkt während der Lockdowns 2020 mit Dieselpreisen von rund einem Euro, liege der Preis jetzt mehr als doppelt so hoch. Die Heizölpreise hätten sich verdreifacht. Bischofsberger: „Die Ungewissheit über die weitere Situation regt momentan einige Kunden zum Kauf an.“

    Lieferengpässe seien bereits vor dem Ukraine-Krieg eine Herausforderung gewesen, bestätigt der Chef der Höchstädter Firma Nosta, Gregor Ludley. Jetzt befürchtet der Firmenchef, der auch Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Dillingen ist, aber "massive Versorgungsengpässe". Weil Kabelbäume fehlten, stünden bereits jetzt bei Automobilzulieferern Bänder still. "Rohmaterial wie Eisenerz, das bisher für die Stahlproduktion aus Russland und der Ukraine bezogen wurde, ist aktuell nicht lieferbar", erklärt Ludley. Er mache sich deshalb große Sorgen, dass die gesamte Lieferkette für die Stahlproduktion abreißen könnte. "Die Preise für Stahl sind durch die Decke gegangen", sagt Ludley. Er sei momentan schon froh, wenn die Mengen, die im Jahr 2023 benötigt werden, bestellt werden können. Viele Lieferanten reagierten gar nicht mehr auf die Anfragen. "Der Preis wird uns dann mitgeteilt", stellt der Sprecher der Industrie- und Handelskammer in der Region fest.

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