Vor etwa einer Woche erreichte der Spritpreis laut ADAC seinen bis dato gemessenen Höhepunkt. Das war auch an Tankstellen im Kreis Dillingen zu spüren. Doch nicht nur für Autofahrerinnen und Autofahrer wird es teurer, denn die höheren Energie- und Kraftstoffpreise haben auch dafür gesorgt, dass Lebensmittel teurer werden. Laut Statistischem Bundesamt waren Brot und Semmeln im November 2021 um mehr als fünf Prozent teurer als im Vorjahresmonat, Milchprodukte und Eier kosteten über sechs Prozent mehr. Insgesamt stieg die Inflation im November auf 5,2 Prozent, angepeilt sind um die zwei Prozent.
Doch nicht nur Sprit ist zum großen Kostenfaktor geworden, auch Versicherungen werden teurer. Wie gehen Geringverdiener und Hartz-IV-Empfänger damit um, gibt es nun eine höhere Nachfrage bei der Tafel?
Bei der Tafel gibt es noch nicht mehr Kunden
Kathrin Broda, die bei der Caritas im Kreis Dillingen für die Tafel zuständig ist, kann in dieser Hinsicht noch keinen Trend ausmachen. Sie erwartet, dass neue Klientinnen und Klienten eher mit Verzögerung hinzukommen. Bei den Anträgen auf Tafel-Ausweise habe es in der Pandemie sogar einen leichten Rückgang gegeben. Das sei aber wohl auf die coronabedingte Schließung zurückzuführen sowie auf die Tatsache, dass es jeden Überwindung koste, sich bei der Tafel zu melden.
Auch bei der Sozialberatung der Caritas in Dillingen spüre man die Auswirkungen der Teuerung noch nicht. „Wir rechnen mit einem Anstieg der Beratungsfälle“, sagt Broda. Sie vermutet, dass sich dieser aber zeitverzögert einstellen wird, denn viele Nebenkostenabrechnungen sind noch gar nicht bei den Mieterinnen und Mietern angekommen. Und neue Vorauszahlungsvereinbarungen würden wohl angesichts gestiegener Energiepreise auch erst noch ins Haus stehen. Hinzu kommen diejenigen, die nicht mehr von ihrem Billig-Stromanbieter beliefert werden und nun als Neukunden in die Grundversorgung fallen.
Finanzielle Probleme: Am besten frühzeitig beraten lassen
„Viele unserer Klienten haben eine schlechte Schufa, so leicht kann man dann auch den Anbieter nicht wechseln“, sagt Broda. Stehen etwa für Hartz-IV-Empfänger hohe Nebenkostennachzahlungen im Raum, so könne man beim Jobcenter ein Darlehen bekommen. „Wenn die Kosten im Rahmen sind“, sagt Broda. Doch was „im Rahmen“ in heutigen Zeiten bedeutet, liegt im Ermessen des Amtes.
Wichtig ist für Broda jedoch: Wenn es Schwierigkeiten gibt, dann am besten frühzeitig beraten lassen. Dann könnten am ehesten Lösungen gefunden werden. Eine Gefahr sieht die Beraterin aber auch für Geringverdiener. Denn diese bekommen keine Zuwendungen vom Amt, weil sie über einer gewissen Grenze verdienen. Doch gerade dann schmerzen Mehrkosten für Lebensmittel und Sprit besonders, weil dann immer weniger vom ohnehin schon geringen Einkommen übrig bleibt.
Wie geht es Unternehmen mit großem Fuhrpark?
Doch nicht nur Privatleute müssen enger kalkulieren. Auch für Unternehmen mit großem Fuhrpark wird es teuer. Roman Galonska führt das gleichnamige Dillinger Taxi- und Busunternehmen seit 2018. Die hohen Spritpreise belasten die Firma, die momentan vor allem vom Taxigeschäft lebt. Die Busse stehen coronabedingt nahezu still. „Oktoberfest, Fasching, Klassenfahrten, das ist ja alles weggefallen“, so Galonska. Immerhin brauchten die Fahrzeuge dann keinen teuren Sprit, sagt der Unternehmer. Ein bisschen Galgenhumor ist noch da.
Doch wenn die Reisen wieder losgingen, dann werde er dort die gestiegenen Preise natürlich weitergeben. Beim Taxigeschäft gehe das aber nicht so einfach. „Die Taxi-Preise kommen nicht von uns, sondern sind vom Landratsamt vorgegeben.“ Wenn er erhöhen will, muss er das beantragen, und das Amt muss zustimmen. „Das kann schon mal sechs Monate dauern.“ In der Zwischenzeit muss er die gestiegenen Kosten für den Diesel selbst zahlen.
E-Autos sind für das Taxi-Unternehmen noch uninteressant
Umsteigen auf Elektroautos geht aber für Galonska auch nicht so einfach. Denn für sein Geschäft gebe es schlicht kein geeignetes Elektroauto, das genug Reichweite zusammen mit ausreichend Komfort biete.
„Wir haben schon 2013 das Dach voller Solaranlagen gemacht“, sagt Galonska. Schließlich sei die Entwicklung weg vom Verbrenner absehbar gewesen. Die Dachanlage wollte er nutzen, um E-Autos zu tanken. Doch bislang steht noch kein strombetriebenes Gefährt bei ihm auf dem Hof.
Beim ambulanten Pflegedienst ist das Auto ein Muss
Ähnlich geht es Philip Schaal von der Ökumenischen Sozialstation Dillingen. Der ambulante Pflegedienst hat einen Fuhrpark mit etwa 50 Autos, die permanent im Einsatz sind. „Etwa 410.000 Kilometer kommen da pro Jahr zusammen“, sagt Schaal. Zu den hohen Energiepreisen sagt er: „Das tut weh.“ Denn auch Schaal kann die Preise für die Pflegeleistungen nicht einfach erhöhen. „Die Tarife für die Krankenkasse und die Pflegekasse sind fix und werden auf eine bestimmte Zeit vorher festgelegt.“
Die nächste Tarifanpassung komme Ende des Jahres. So lange bleibt die Sozialstation, die als gemeinnütziger Verein ohne Gewinnabsichten firmiert, auf den Kosten sitzen. Die Autos sind für Schaal dabei nicht nur wichtig, damit die Pflegekräfte zu den Pflegebedürftigen nach Hause kommen. Sie sind auch ein Faktor, der ihm bei der Personalgewinnung zugutekommt. Denn die Kräfte könnten mit den Autos nach Hause fahren und von dort morgens zu den ersten Patientinnen und Patienten fahren. Sie müssten nicht extra zur Zentrale. Für manche seiner Angestellten sei das der entscheidende Grund, um noch in Teilzeit in der Pflege arbeiten zu können. „Wenn ich ein E-Auto anschaffe, ginge das nicht, weil nicht jeder zu Hause eine Ladesäule hat.“
Auch manche Versicherungen werden teurer
Doch nicht nur das Tanken verteuert die Mobilität, auch die Kosten für Versicherungen erhöhen sich, teilt Karl Aumiller mit. Er ist Sprecher des Bezirksverbands Augsburg im Bundesverband Deutscher Versicherungskaufleute (BVK). „Das trifft insbesondere auf zwei Versicherungen zu: die Kfz-Versicherungen und die Berufsunfähigkeitsversicherung.“ Doch woran liegt das? „Weil die Ersatzteile für Autos in den letzten Jahren um rund 35 Prozent teurer wurden, wirkt sich dies auf die Kfz-Versicherungen aus“, informiert Aumiller. „Schließlich haben dann die Versicherer höhere Kosten bei Reparaturen zu ersetzen.“
So wurden laut Angaben der Versicherungswirtschaft Kofferraumklappen seit 2013 fast 50 Prozent teurer, Rückleuchten sogar um 56 Prozent. „Zudem wird bei neueren Auto-Modellen der Ersatz beziehungsweise der Einbau von Windschutzscheiben, Kotflügeln und Scheinwerfern immer aufwendiger, weil sie zusätzlich mit Sensoren und Kameras ausgestattet sind. Und das geht ins Geld“, so Aumiller.
Teure Ersatzteile und Niedrigzinsen
Bei der Berechnung der Prämien für Berufsunfähigkeitsversicherungen wird in der Regel der sogenannte Überschussanteil, den die Versicherungen jährlich erwirtschaften, gleich abgezogen. Das führt dazu, dass die Prämienhöhe sinkt. Da nun seit Jahren Niedrigzinsen vorherrschen, können die Versicherungen immer weniger Überschüsse erwirtschaften. Dies führt zu einer Absenkung der Überschüsse und mithin zur einer Erhöhung der Prämien für die Berufsunfähigkeitsversicherungen.
„Für diese Kostensteigerungen sind also schlussendlich nicht die Versicherer verantwortlich, sondern externe Faktoren wie teurere Ersatzteile und die Niedrigzinsen“, sagt Aumiller.