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Badminton

16.11.2020

Ein Dillinger bleibt seinem Weltrekord-Sport Badminton treu

Der damalige BLSV-Kreischef Toni Kuster (links) gratuliert Helmut Hofweber (rechts) zum Titel „Landkreis-Sportler des Jahres 1987“.
Bild: dz

Plus Serie: Einst fegte Thomas Hofweber die meisten seiner Badminton-Gegner aus der Halle, heute ist er immer noch Zuschauer bei den Heimspielen des TV Dillingen. Was der „Landkreis-Sportler des Jahres 1987“ im Ruhestand unternimmt - und was er vermisst.

Dass er einst die schnellste Rückschlagsportart der Welt betrieben hat, möchte Helmut Hofweber nicht so richtig glauben. Er schätzt, dass es bei Pelota und Squash noch schneller zugeht. Doch da täuscht sich der 65-Jährige: Tatsächlich wurde bei einem Badmintonspiel vor wenigen Jahren eine Geschwindigkeit von unglaublichen 421 Stundenkilometern gemessen. Weltrekord!

Seinen eigenen Geschwindigkeitsrekord beim Spiel mit dem weißen Federball kennt Hofweber freilich nicht. Aber er weiß, dass er zu seiner aktiven Zeit beim TV Dillingen einer der besten Spieler in der Bayernliga war. Auf dem Höhepunkt seiner Karriere wählten ihn die Leserinnen und Leser unserer Zeitung zum „Landkreis-Sportler des Jahres 1987“. Gleichzeitig holte er mit dem TVD-Team den Titel „Mannschaft des Jahres.“

An Position eins des TV Dillingen aufgeschlagen

„Lang ist´s her“, blickt der gelernte Notargehilfe, der später 43 Jahre lang im Büro einer im Dillinger Stadtteil Hausen ansässigen Haustechnik-Firma arbeitete, auf diese Zeit zurück. Viermal die Woche ging Hofweber zu seiner aktiven Zeit ins Training, an den Wochenenden folgten dann in der Regel zwei Spiele. Für andere Hobbys blieb damals wenig Zeit. Um in der Bayernliga erfolgreich zu sein, sei dieser Aufwand unumgänglich gewesen, erzählt der heutige Rentner. An Position eins seiner Mannschaft gesetzt, war Hofweber kaum zu schlagen. Zweimal stieg er mit dem TV Dillingen in die Oberliga, die damals zweithöchste Klasse im Land, auf. Zweimals erfolgte jedoch der prompte Abstieg.

1988 beendete Helmut Hofweber seine Karriere als Badmintonspieler. Auf das sportliche Altenteil hat sich der im schmucken Eigenheim in Donaualtheim wohnende Vater eines erwachsenen Sohnes jedoch nicht gelegt. Mit seinen ehemaligen Teamkollegen traf er sich lange Zeit einmal die Woche zum Fußballspielen auf dem Auwaldsportplatz in Dillingen. Ebenso zog es ihn mit einigen alten Weggefährten auf die Kegelbahnen. „Wir haben sogar an der Punktrunde teilgenommen“, erinnert er sich an viele gesellige Stunden auf den heimischen Bahnen im Gasthaus Dillinger Hof. Doch all dies war einmal. Inzwischen beschränken sich Hofwebers sportliche Betätigungen auf Radtouren mit dem E-Bike durchs Donautal und in die angrenzenden Regionen. „Viel mehr geht derzeit nicht“, klagt Hofweber leise über manches Wehwechen im Rücken und im Knie.

Froh ist der ehemalige Sportler des Jahres, dass er sich im Ruhestand um das eigene Haus und den dazugehörenden Garten kümmern kann: „Auch wenn ich dafür etwas länger brauche, machen diese Arbeiten Spaß“. Unterstützung erhält er dabei von seiner Ehefrau Heidi. Zur Bedingung für die Hochzeit hatte er sich im Alter von 20 Jahren auserkoren, dass er sie nur heiraten werde, wenn er auch in der Ehe weiterhin Sport betreiben darf. Die bessere Hälfte, die beim TSV Wertingen in der Handball-Frauenmannschaft spielte, war einverstanden – und begleitete ihren Ehemann dann gemeinsam mit Sohn Christian immer wieder zu vielen Auswärtsspielen und Turnieren.

Bei den Heimspielen, wenn nicht "Corona" ist

Dem Badmintonsport ist Helmut Hofweber im fortgeschrittenen Alter insofern verbunden, als er sich in aller Regel die Heimspiele der ersten Mannschaft in der Sebastian-Kneipp-Halle in Dillingen anschaut. Der aktuellen Mannschaft bescheinigt er ein höheres Niveau als zu seiner aktiven Zeit. Durch die Corona-Krise und der damit verbundenen Saisonunterbrechung kann Hofweber Livesport in der Halle sehr zu seinem Leidwesen aktuell aber nicht verfolgen.

Was bleibt, ist der Sport im Fernsehen. Natürlich interessiere ihn auch das Geschehen rund um den Fußball, seine Informationen holt er sich aber nicht im Bezahl-TV. „Sportschau und Sportstudio genügen“, lächelt der Ruheständler, der sich im kommenden Jahr auf die Übertragungen von den Olympischen Spielen in Tokio freut, aber schon eine Vorahnung hat, dass Badminton wohl nicht die Abendprogramme füllen wird. „Wer sich im Badminton nicht so richtig auskennt, für den ist es schwer, Spiele im Fernsehen zu verfolgen.“ Deshalb, so Hofweber, werden wohl auch nicht viele Ausschnitte zu sehen sein.

Karriere vor 33 Jahren beendet

Groß Jammern möchte der Donaualtheimer darüber freilich nicht. 33 Jahre nach Beendigung seiner Karriere ist der ehemalige Badmintonspieler mit sich und der Welt durchaus zufrieden. Was er jedoch bei all seinen Freizeitaktivitäten vermisst, ist ein geöffnetes größeres Kaufhaus wie es einst das Paul in Dillingen war. Dort beim Shoppen Freunde und Bekannte zu treffen, gemeinsam einen Kaffee oder ein Bierchen zu trinken, das hat er gerne genossen.

Und manchmal wurde auch über seine erfolgreiche Zeit als Badmintonspieler gesprochen. Jene Sportart also, die den Geschwindigkeitsweltrekord vorweisen kann …

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