Newsticker

Putin: Weltweit erster Corona-Impfstoff in Russland zugelassen
  1. Startseite
  2. Lokales (Dillingen)
  3. Lokalsport
  4. Fußball: „Und mit der Nummer 17: Sandrooooo Santamariaaaaa!“

Höchstädt

24.07.2020

Fußball: „Und mit der Nummer 17: Sandrooooo Santamariaaaaa!“

Hobbyfußballer und Gastronom. Gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Lebensgefährtin betreibt Sandro Santamaria in Höchstädt das Restaurant „Lanzino“. Ein Glas Rotwein muss er in diesen lauen Sommertagen des Öfteren einschenken.
2 Bilder
Hobbyfußballer und Gastronom. Gemeinsam mit seiner Mutter und seiner Lebensgefährtin betreibt Sandro Santamaria in Höchstädt das Restaurant „Lanzino“. Ein Glas Rotwein muss er in diesen lauen Sommertagen des Öfteren einschenken.
Bild: Herdin

Plus Sandro Santamaria ist Rekord-Torjäger der Bezirksliga Nord und hat bei vier höherklassigen Landkreis-Vereinen Fußball gespielt Beruflich sitzt er halbtags und steht abends hinter einem Tresen.

Gar mancher Stadionsprecher tut sich beim Vorlesen einiger Namen vor dem Anpfiff einer Fußballbegegnung mitunter schwer. Vor allem bei ausländischen Spielern mit vielen aneinandergereihten Konsonanten kann es sein, dass es bei der Aussprache etwas holprig klingt. Ganz anders die Situation, wenn ein Kicker angekündigt wird, der es mit seinen inzwischen 41 Jahren zum Rekord-Torjäger der Bezirksliga Nord gebracht hat und nun seine Karriere in der Kreisliga West bei der SSV Glött ausklingen lassen möchte: Die Rede ist von Sandro Santamaria. Einige Stadionsprecher zelebrierten es förmlich, wenn sie den Namen des Deutsch-Italieners mit einem lang gezogenen „o“ am Ende des Vornamens und einem ebenso langen „a“ zum Schluss des Nachnamens extra betonen können. Oft heißt es dann „Und mit der Nummer 17: Sandrooooo Santamariaaaaa!“

Sandro Santamaria aus Höchstädt: "Ein Heiliger bin ich ganz sicherlich nicht"

Das alles klingt dann fast so, als ob der in Dillingen aufgewachsene und seit Jahren in Höchstädt wohnende Dribbelkünstler gar einen „göttlichen Namen“ tragen würde. „Ein Heiliger bin ich ganz sicherlich nicht“, lehnt Sandro Santamaria diesen Vergleich schmunzelnd ab. Und auch als Sänger sieht er sich keineswegs. Dabei hat die deutsche Schlager-Ikone Roland Kaiser einst mit „Santa Maria“ einen Titel kreiert und gesungen, der perfekt auf seinen Namen zugeschnitten wäre und es längst zum Ohrwurm gebracht hat. Darin heißt es im Text unter anderem: „... Insel, die aus Träumen geboren. Ich habe meine Sinne verloren. In dem Fieber, das wie Feuer brennt. Santa Maria.“

Während seiner langjährigen Karriere ist Sandro Santamaria in die Trikots von fast allen höherklassigen Vereinen im Landkreis Dillingen geschlüpft.
Bild: Brugger

Der Fußballer Santamaria hat noch nicht genug

Ja, ein Feuer brennt in ihm allemal noch, wie Sandro eingesteht. Doch dabei handelt es sich aber ganz eindeutig um das Fußballfieber. „Ich habe noch nicht genug“, hofft Santamaria, dass er nach der Corona-Krise beim Re-Start noch einige Spiele für seinen neuen Verein, die SSV Glött, absolvieren kann. „Es müssen ja nicht immer 90 Minuten sein“, wäre der 41-Jährige auch mit Einsätzen bis zur einer Stunde pro Spiel schon zufrieden. In seiner Glanzzeit war das freilich noch ganz anders. Da fühlte sich der Offensivspieler eher gekränkt, wenn er ausgewechselt wurde. Was aber nicht so oft vorkam. Seit 1997 spielt Santamaria im Seniorenbereich. Bereits im letzten Jugendjahr durfte er beim FC Gundelfingen in der Rückrunde in der Landesliga mitspielen, den Abstieg konnte aber nicht verhindern. Postwendend stieg er aber mit den Grün-Weißen dann wieder auf. In der Saison 2000/2001 führte ihn der sportliche Weg zur SSV Höchstädt. Dort kickte Santamaria in einer „geilen Mannschaft“, wie er betont, neun Jahre lang. Ehe es ihn 2008 für zwei Jahre zurück nach Gundelfingen zog. Die meisten Spiele bestritt er aber beim TSV Wertingen. Für die Zusamtaler lief er allein in der Bezirksliga 129 mal auf. Auch mit den Wertingern ist Santamaria wie mit Gundelfingen und Höchstädt auf- und abgestiegen. „Auf Hochs folgen auch Tiefs“, stellt Sandro im Rückblick nüchtern fest. Seine letzte komplette Bezirksligasaison absolvierte er beim FC Lauingen 2018/2019.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Den Abstieg mit den Gelb-Schwarzen konnte er freilich nicht verhindern. Gefallen hat es ihm beim FCL dennoch. Wenngleich es einige Male nach dem Training vorgekommen sei, dass kalt geduscht werden musste. „Vielleicht aus Gründen der Sparsamkeit“, sinniert Santamaria, „aber ich weiß es nicht.“ Dass er bei allen höherklassigen Klubs im Landkreis gespielt hat, kommt nicht von ungefähr. „Er war schon immer eine schillernde Figur“, sagt sein ehemaliger Mitspieler bei der SSV Höchstädt und letzter Wertinger Trainer, Christoph Kehrle. Nicht nur seine Technik und Schlitzohrigkeit auf dem Platz haben den Mann mit der Nummer 17 ausgezeichnet, „er stand nach dem Training oft noch auf dem Platz, als die meisten anderen schon geduscht hatten und übte Freistöße und Elfmeter“, lobt Kehrle den besonderen Fleiß des gelernten Bürokaufmanns.

Kaum Zeit für Extraschichten

Dabei hat Santamaria eigentlich gar keine Zeit für Extraschichten. Seit 2007 betreibt er gemeinsam mit seiner Mutter Ursula und Lebensgefährtin Silke in Höchstädt das Restaurant „Lanzino“ und sollte am Abend wieder rechtzeitig hinter dem Tresen stehen, wenn die Gäste verstärkt ins Lokal kommen. Zur Mittagszeit tut er es ohnehin. Da hat Sandro meist schon einen anstrengenden halben Arbeitstag hinter sich. Als Mitarbeiter des Maschinenring Deutschland fährt er jeden Morgen bereits um 5 Uhr ins Büro in das 51 Kilometer entfernte Neuburg an der Donau.

Um Job, Management und Mitarbeit im eigenen Restaurant sowie das Hobby Fußball alles unter einen Hut zu bringen, kann sich der Deutsche mit italienischen Wurzeln – der Vater wurde in Sizilien geboren, die 98-jährige Großmutter wohnt noch dort – allenfalls fünf Stunden Schlaf pro Nacht leisten. „Noch halte ich es aus“, freut sich der mit 155 Treffern erfolgreichste Spieler in der „Ewigen Torschützenliste“ der Bezirksliga Nord. Mit 256 Einsätzen steht Santamaria in seiner „Lieblingsliga“ auch in der Statistik der absolvierten Spiele mit ganz oben. Ein unvergessliches Match“ hat er aber am 25. März 2007 in der damaligen Bezirksoberliga mit der SSV Höchstädt beim 5:5 gegen den FC Gundelfingen bestritten. Zwei Treffer hat Santamaria damals erzielt. „In diesem Jahr waren wir das beste Team im Landkreis“, schwärmt der Rechtsfuß von Mitspielern wie Stefan Kerle, Carlos Cunha oder Bernd Lipp. Und auch der Stadionsprecher dürfte seine Freude an dieser SSV-Truppe gehabt haben. Insbesondere wenn er Tore von „Sandrooooo Santamariaaaaa“ ansagen durfte ...

Lesen Sie auch:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren