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Landkreis Dillingen

05.07.2020

Jubiläum: Wie Boris Becker auch im Kreis Dillingen einen Tennis-Boom auslöste

Der 17-jährige Boris Becker hechtet während des Turniers in Wimbledon im Juli 1985 hinter einem Ball her (Archivfoto vom Juli 1985). Als jüngster Spieler und erster Deutscher überhaupt gewann der ungesetzte Boris Becker am 7. Juli 1985 spektakulär in vier Sätzen das Wimbledon-Finale gegen den Südafrikaner Kevin Curren.
Bild: dpa (Archiv)

Plus Vor 35 Jahren löste Boris Becker mit seinem ersten Sieg im Wimbledon auch im Landkreis Dillingen einen Tennis-Boom aus. Zeitzeugen erinnern sich an spektakuläre Spiele des damals 17-Jährigen.

Mit dem ersten Sieg von Boris Becker beim berühmtesten Tennisturnier der Welt fing alles an. Am 7. Juli 1985 sicherte sich der damals 17-Jährige nach einem unglaublichen Turnierverlauf den Eintrag in die Geschichtsbücher: Becker gewann im Südwesten Londons das Wimbledon- Finale gegen den Südafrikaner Kevin Curren in vier Sätzen (6:3, 6:7, 7:6, 6:4). Morgen jährt sich dieses besonderen Ereignis zum 35. Mal. Es war der Beginn eines Tennis-Booms, der auch im Landkreis Dillingen nicht aufzuhalten war.

Landkreis Dillingen: Boris Becker löst Tennis-Boom aus

Das Drittrundenmatch gegen den Schweden Joakim Nyström wurde für den Rotschopf aus Leimen richtungsweisend auf dem Weg zum späteren Titelgewinn. Nach einer Regenunterbrechung hatte er bei der Fortsetzung des Duells am nächsten Tag gleich drei Matchbälle gegen sich. Seinem unbändigen Willen war es schließlich zu verdanken, dass er alle wichtigen Punkte für sich einfuhr und nach vier Assen am Ende den fünften Satz mit 9:7 gewann.

Ob Boris in diesem Match seinen berühmten „Becker-Hecht“ zum Besten gab, daran kann sich im Detail Wolfgang Trittner nicht mehr erinnern. Der heute 60-Jährige verfolgte im Sommer vor 35 Jahren fast jedes Match des Deutschen in Wimbledon vor dem Fernseher und war fasziniert: „Ich habe bis zum letzten Ballwechsel mitgefiebert“, erzählt Trittner, der im Dillinger Stadtteil Hausen beim dortigen TC aktuell das Amt des Jugendwarts bekleidet. Der damals 26-Jährige wurde durch Beckers Siegeszug in Wimbledon vom Tennisfieber gepackt und wollte diese Sportart einfach selbst ausprobieren.

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Aber nicht nur er. Das Interesse in Hausen und Umgebung nahm immer mehr zu, zumal wenige Jahre später mit Steffi Graf auch eine deutsche Frau kometenhaft in die Weltspitze aufgestiegen ist. So gründeten die Hausener drei Jahre nach dem ersten Erfolg von Boris Becker auf dem heiligen Rasen von Wimbledon ihren eigenen Verein und weihten 1988 vier Plätze ein. Zehn Jahre später kamen zwei weitere hinzu. „Der Tennis-Boom“, so Trittner, „war damals gewaltig.“ In seiner besten Zeit hatte der TC Hausen 320 Mitglieder. Inzwischen sind es gerade noch die Hälfte.

Tennis-Plätze sind stark frequentiert

Einen Rückgang der Mitglieder hat der TC Wertingen hingegen nicht zu verzeichnen, wie Ulrich Bacher, Beisitzer im Vorstand, zu berichten weiß. Die neun Plätze auf der Sportanlage auf dem Judenberg seien gerade zu Corona-Zeiten stark frequentiert wie noch nie. Dabei ist aktuell weit und breit kein Boris Becker und keine Steffi Graf in Sicht. Auch Michael Stich und Anke Huber hätten, so Bacher, vor drei Jahrzehnten durch ihre Erfolge bewirkt, dass Tennis in Deutschland so populär geworden ist. Nicht nur bei seinem ersten Triumph in Wimbledon hat der heute 57-jährige Ulrich Bacher zahlreiche Stunden wegen Boris Becker vor der Glotze verbracht: „Da waren auch viele andere Turniere dabei, bei denen ich teilweise bis 5 Uhr morgens aufgeblieben bin, um mich von dieser Sportart fesseln zu lassen.“ Ob er den meist unbekümmert aufspielenden Schützling von Trainer Günther Bosch und Manager Ion Tiriac auch mal mit Anfeuerungsrufen wie „Flieg Boris, flieg!“ angefeuert hat, weiß Bacher nicht mehr.

Eines aber hat er nicht vergessen: „Beckers Auftritte haben mich motiviert, Tennis zu spielen.“ Angefangen hat er damit beim TSV Unterthürheim, 1992 wechselte er zum TC Wertingen. Der Nachbarverein hatte damals schon insgesamt neun Plätze. „Zwei der Plätze“, so Bacher, „wurden allerdings erst gebaut, als Boris Becker Wimbledon gewonnen hatte.“ Da hatte der Tennis-Boom auch in Wertingen entscheidende Auswirkungen gehabt.

Es wurden etliche Tennis-Plätze im Landkreis Dillingen gebaut

Spieler wie einst Boris Becker, Michael Stich oder Steffi Graf würde sich der Vorsitzende des Bayerischen Landessport-Verbandes (BLSV), Alfons Strasser, in diesen Zeiten auch wieder wünschen. „Die haben damals dem Tennissport einfach nur gutgetan“, betont der 68-jährige Schretzheimer. Im Landkreis Dillingen seien gerade in den 1980er-Jahren viele neue Tennisplätze entstanden. Doch nicht nur wegen der Erfolge der genannten Wimbledon-Sieger aus Deutschland hätten die Vereine ihr Angebot erweitert: „Die Idee war, dass man vor allem die Fußballer nach ihrer aktiven Zeit mit einer anderen Sportart länger bei der Stange halten kann“, so Strasser gegenüber unserer Zeitung. Einige Jahre sei diese Rechnung durchaus aufgegangen. „Durch den Becker-Boom wurden etliche Plätze im Landkreis gebaut“, kann sich der BLSV-Kreischef erinnern. Inzwischen sei alles etwas rückläufig, so werden Plätze wie zum Beispiel beim SSV Steinheim, wo Strasser einst selbst das Rackett schwang, fremd genutzt.

Wie Wolfgang Trittner und Ulrich Bacher war Alfons Strasser vor 35 Jahren vom körperlichen Einsatz Boris Beckers beim Wimbledon-Turnier begeistert. „Der hat sich reingehaut und hat keine Angst vor großen Namen gehabt.“ Becker besiegte 1985 in London nicht nur Keven Curren im Finale oder Joakim Nyström in Runde drei, unter anderem mussten auch der Franzose Henri Leconte und der US-Amerikaner Hank Pfister gegen ihn die Segel streichen.

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