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Landkreis Dillingen

08.05.2020

Nach neun Jahren Flaute raus aus dem Unterhaus

Mit dieser Mannschaft schaffte der TSV Unterthürheim im Juni 1990 den Aufstieg in die B-Klasse Donau.
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Mit dieser Mannschaft schaffte der TSV Unterthürheim im Juni 1990 den Aufstieg in die B-Klasse Donau.
Bild: Repro Herdin

Fußball-Rückblick: Mit einem neuen Spielertrainer und einer Portion Dusel im Entscheidungsspiel gegen den FC Unterbechingen beendete der TSV Unterthürheim im Sommer 1990 ein lange sportliche Durststrecke.

Dreimal sind die Fußballer des TSV Unterthürheim in der 100-jährigen Geschichte ihres Vereins in die A-Klasse oder Kreisliga aufgestiegen. Dreimal dabei war Johann Mattes. 1977 beim Aufstieg in die damalige A-Klasse Nord (jetzt Kreisliga) als Spieler. 2004 und 2015 jeweils als Erster Vorsitzender des Traditionsklubs aus dem unteren Zusamtal, als dem TSV erneut der Sprung in die höchste Liga im Kreis Donau gelang. „Alle drei Meisterschaften waren sehr emotional“, blickt der heute 65-Jährige auf diese Zeiten zurück. Ganz besondere Gefühle und Erinnerungen hat bei Johann Mattes jedoch ein Aufstieg hinterlassen, bei dem eine neunjährige sportliche Flaute beendet wurde: Seit 1981 spielte sein TSV Unterthürheim nämlich „nur“ in der C-Klasse Donau II, dem damaligen Fußball-Unterhaus. Diese Talfahrt wurde am 17. Juni 1990 beendet.

Vizemeister Unterthürheim

Als Vizemeister qualifizierten sich die Schwarz-Roten für die Relegation zur B-Klasse Donau. Dabei traf der TSV Unterthürheim in Kicklingen auf den Zweiten der C-Klasse Donau I, den FC Unterbechingen. Der Gegner hatte wenige Tage zuvor das Entscheidungsspiel um den Titel gegen den punktgleichen TSV Haunsheim mit 5:6 nach Verlängerung und Elfmeterschießen verloren.

Ihre zweite Chance wollten die Unterbechinger unbedingt nutzen. Es entwickelte sich von Beginn an ein offener Schlagabtausch – die 600 Zuschauer am Spielfeldrand brauchten ihr Kommen nicht bereuen. „Beide Teams waren offensiv ausgerichtet“, erinnert sich Stefan Mayershofer. Der 25-Jährige war damals mit der Jüngste in seiner Mannschaft, die durch Roland Ruf nach 22 Minuten 0:1 in Rückstand geriet. Doch dank ihrer Routiniers konnten die Unterthürheimer das Spiel drehen. Immer mehr rückten beim TSV die über 30-Jährigen in den Blickpunkt. Angefangen von Torwart Dieter Rauscher, über Walter Steiner und Martin Meitinger bis hin zu Libero Johann Mattes. Mit seinen 35 Lenzen war er der älteste Akteur in seinem Team. „Er hat hinten den Laden zusammengehalten“, erinnert sich Mayershofer. Mattes war damals nicht nur Abwehrchef, sondern auch Abteilungsleiter.

In dieser Funktion hatte er vor Saisonbeginn den ehemaligen schwäbischen Auswahlspieler Helmut Gumpp vom Nachbarklub TSV Wertingen nach Unterthürheim geholt. Es war Gumpps erstes Jahr als Coach. Dass es für ihn ein besonders erfolgreiches wurde, dafür sorgte der 33-Jährige im Spiel gegen Unterbechingen höchstpersönlich: In der 32. Minute erzielte er den verdienten 1:1-Ausgleich. Mit diesem Ergebnis ging es in die Pause.

Diese jungen Schlachtenbummler feuerten die Kicker des TSV Unterthürheim im Relegationsspiel gegen den FC Unterbechingen vor 30 Jahren immer wieder lautstark an.
Bild: Reiser

An Spannung kaum noch zu überbieten waren die zweiten 45 Minuten in Kicklingen. Die Unterthürheim gingen durch einen verwandelten Handelfmeter von Walter Steiner (50.) und ein Tor von Martin Meitinger (58.) mit 3:1 in Führung, ehe den FCU durch Roland Ruf der schnelle 2:3-Anschlusstreffer gelang (58.). Die letzte halbe Stunde entwickelte sich zu einer Unterthürheimer Abwehrschlacht. Zunächst parierte Torwart Dieter Rauscher einen Foulelfmeter von Bernhard Wiedemann (65.), und mit der letzten Aktion des Spiels war viel Dusel dabei, als ein Schuss der Unterbechinger von der Unterkannte des TSV-Kastens knapp vor die Torlinie sprang. „Ja, da haben wir schon eine gehörige Portion Glück gehabt“, können Johann Mattes und Stefan Mayershofer auch 30 Jahre nach diesen aufregenden Szenen noch immer genüsslich schmunzeln.

Dem Fußball-Unterhaus hatte der TSV Unterthürheim an jenem warmen Sonntagabend in Kicklingen endlich „ade“ gesagt. Der Aufstieg wurde zunächst an Ort und Stelle begossen, bei der Rückkehr ins eigene Sportheim wurde die ganze Nacht hindurch gefeiert. Einige Tage danach wurde das Aufstiegsteam von Bürgermeister Leo Schrell zu einem Empfang ins Buttenwiesener Rathaus eingeladen. Auch an dieses Ereignis erinnern sich Johann Mattes und Stefan Mayershofer noch heute. Im Jahr 2003 wurde Mattes zum Ersten Vorsitzenden des Vereins gewählt, Mayershofer wurde dessen Nachfolger als Abteilungsleiter. In diesen Funktionen erlebten sie bisher gemeinsam zwei weitere Aufstiege ihrer TSV-Kicker. Weitere könnten durchaus noch folgen. Doch der Triumph vor drei Jahrzehnten beim Krimi gegen den FC Unterbechingen bleibt für sie im Rückblick vielleicht für immer das „Spiel der Spiele“ in der bewegten Unterthürheimer Vereinshistorie.

So haben sie gespielt

TSV Unterthürheim – FC Unterbechingen 3:2

TSV Unterthürheim: Dieter Rauscher, Mathias Wenger, Hubert Höchstötter, Franz Lechner, Martin Hitzler, Johann Mattes, Helmut Gumpp (72. Jürgen Ganz), Stefan Mayershofer, Günter Friedel, Martin Meitinger (64. Anton Storr), Walter Steiner.

FC Unterbechingen: Kress, O. Wiedenmann, Schilling, Seitz, Wengenmayer, Steppich, R. Ruf, Deißler, B. Wiedenmann, M. Ruf, Leim (35. H. Ruf).

Tore: 0:1 (22.) Roland Ruf, 1:1 (32. Gumpp, 2:1 (50.) Steiner (Handelfmeter), 3:1 (54.) Meitinger, 3:2 (58.) Roland Ruf

Schiedsrichter: Wind (Mönstetten)

Zuschauer: 600 in Kicklingen

Besondere Vorkommnisse: Zeitstrafen gegen O. Wiedenmann (FC Unterbechingen) und Steiner (TSV Unterthürheim); Rauscher hält Foulelfmeter von B. Wiedenmann (65.)

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