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Lauingen

23.12.2020

Von einer Spitzenruderin und ihrer Liebe zu Hund und Hühner

Ulrike Stadelmayr Ende der 90er-Jahre im Ruderboot (links) und auf unserem rechten Bild im Kreise ihres Federviehs.
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Ulrike Stadelmayr Ende der 90er-Jahre im Ruderboot (links) und auf unserem rechten Bild im Kreise ihres Federviehs.
Bild: Käufer

Plus Die Lauinger Ruderin Ulrike Stadlmayr saß schon bei Weltmeisterschaften im deutschen Boot. Heute verbringt sie weniger Zeit im Wasser, dafür mit ihren Tieren.

Dreimal wurde Ulrike Stadlmayr zur „Sportlerin des Jahres“ im Landkreis Dillingen gewählt. Im Jahr ihres dritten Erfolgs stand die damals 23-Jährige im Kader des Deutschland-Achters der Frauen für die Olympischen Spiele in Sydney. Dem deutschen Flaggschiff fehlten im Juli 2000 bei der Regatta auf dem Rotsee in Luzern aber fünf Hundertstelsekunden zur Olympia-Qualifikation. „Im Fotofinish haben die Britinnen das Ticket für Olympia gelöst – und wir mussten zuschauen“, blickt Ulrike Stadlmayr auf diese knappe Entscheidung und ihre aktive Zeit als Topruderin zurück.

Zum Kraft- und Ausdauersport Rudern kam die heute 43-Jährige über den Schulsport der Berufsschule Lauingen – im Alter von 16 Jahren. „Dort hat mich mein damaliger Sportlehrer Kurt Fischer entdeckt und sehr viel Potenzial in mir gesehen – viel mehr, als ich je gedacht hätte. Er hat von Anfang an an mich geglaubt, von großen Siegen geträumt, mir den Weg geebnet und mit viel Idealismus alle überzeugt“, erinnert sich die ehemalige Leistungsruderin.

Ulrike Stadlmayr: Kleiner Verein, großes Talent

„Es ist auch nicht selbstverständlich, dass ein so kleiner Verein sowohl die nötigen Trainingsgeräte wie auch Trainer organisiert, um einen unbekannten Neuling auf Leistungssport-Niveau zu bringen“, berichtet Stadlmayr über den Lauinger Ruder- und Surfclub. Auf dem Höhepunkt ihrer Karriere wählten sie die Leserinnen und Leser gleich dreimal zur Landkreis-Sportlerin (1997, 1999 und 2000).

Neben etlichen deutschen Meisterschaftstiteln und World-Cup-Erfolgen sind ihr drei Ergebnisse besonders wichtig: „Mit 19 Jahren ruderte ich auf Platz zwei im Einer bei der deutschen Meisterschaft 1996 in Duisburg, das traute mir nur mein damaliger Trainer zu. 1999 holte ich in Hamburg mit dem Doppelvierer bei der U23-Meisterschaft den ersten Platz, hier durfte ich zum ersten Mal im Deutschlandtrikot starten.“ In Mailand gewann sie die Bronzemedaille im Vierer ohne Steuerfrau. „Zu diesem Wettkampf kamen extra meine Familie und viele Vereinsmitglieder nach Mailand, um mich zu sehen“, blickt die heutige Konstrukteurin bei der Firma John Deere (Mannheim) zurück.

Für den Arbeiter-Samariter-Bund ist Ulrike Stadelmayr ehrenamtlich aktiv.
Bild: us

Während der heißen Phasen ihrer Karriere spulte die gebürtige Mörslingerin neun Trainingseinheiten in der Woche ab, davon waren zwei Stunden reines Training auf dem Wasser, plus Aufwärmen und Dehnen. Um sich für die unterschiedlichen Bootsklassen zu qualifizieren, musste sich die Rudersportlerin immer wieder aufs Neue jedes Jahr im Einer beweisen. Nach den Qualifikationen beratschlagten die Trainer dann. Es wurden wahlweise Sportler in unterschiedliche Bootsklassen gesetzt, um Wettkämpfe gegeneinander zu absolvieren und anschließend wieder aussortiert. „Wer es verletzungsfrei durch das ganze Jahr geschafft hat und mit konstant guten Einzelleistungen überzeugen konnte, wurde am Ende dem Bundestrainer vorgestellt, welcher aus lauter Einzelkämpfern Mannschaften bildete. Ich saß bereits in jedem Boot und habe auch in allen schon Wettkämpfe absolviert. Mal mehr, mal weniger erfolgreich“, erinnert sich Stadlmayr.

Stadlmayr ist verheiratet und wohnt in Rheinland-Pfalz

Die 43-Jährige ist seit sechs Jahren mit ihrer Frau Cora verheiratet und wohnt heute im kleinen Dorf Bechtheim ( Rheinland-Pfalz) – idyllisch in den Weinbergen zwischen Mannheim und Mainz gelegen. Wettkämpfe wie früher bestreitet sie nicht mehr, aber immer mal wieder: „Wenn sich ein kleiner Kanuwettkampf oder ein Halbmarathon anbietet, versuche ich den Jungen wenigstens ein wenig Respekt abzugewinnen“, sagt Ulrike Stadlmayr nicht ohne zu schmunzeln. Kürzlich kaufte sie sich ein Ruderergometer und spielt mit dem Gedanken, an der deutschen Ergometer-Meisterschaft Anfang Februar teilzunehmen. Allerdings ist sie der Meinung, dass diese wegen Corona wohl ausfallen wird.

Zwei Hunde, acht Hühner

In ihrer Wahlheimat Bechtheim verbringt die erfolgreiche Sportlerin etliche Stunden statt auf dem Wasser nun im Garten und in der Natur. Zu ihren „Hobbys“ zählen zwei Hunde und acht Hühner. „Viel Zeit steckt aktuell – und auch noch die nächsten dreieinhalb Jahre – in meiner nebenberuflichen Ausbildung zur Maschinenbau-Technikerin“, berichtet Stadlmayr, die sich zudem ehrenamtlich beim Arbeiter-Samariter-Bund engagiert.

Zu Corona-Zeiten verpasst Ulrike Stadlmayr im sportlichen Bereich nichts, da sie alleine Ausdauersport betreibt. Allerdings: „Privat vermisse ich den Kontakt mit Freunden und der Familie. Ich vermisse es, Menschen zu umarmen. Und die Unbeschwertheit, sich auch ohne Maske sicher zu fühlen“, erzählt die Ex-Ruderin.

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