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Ärztemangel: Versäumnisse schlagen sich jetzt nieder

Ärztemangel: Versäumnisse schlagen sich jetzt nieder
Kommentar Von Thomas Hilgendorf
06.02.2020

Dass die Zahl der Medizin-Studienplätze in den 90er Jahren abgebaut wurde rächt sich jetzt.

Der Ärztemangel auf dem Land kommt nicht einfach aus heiterem Himmel. Er wurde ganz offensichtlich in den 1990er-Jahren bewusst so in Kauf genommen. Die Zahl der Studienplätze wurde, wie Hausärztesprecher Dr. Michael Mertin aus Donauwörth erklärt, nach der Wende 1989/90 massiv abgebaut. Grund damals: Eine erwartete und willkommene „Schwemme“ von „günstigen“ Medizinern aus Osteuropa – günstig deshalb, weil man sie hierzulande nicht mehr für teuer Geld an staatlichen Unis ausbilden musste. Nun hat sich die Lage jedoch über die Jahre verschärft – wie immer, wenn man nicht kontinuierlich und auch mal mutig gegen den Zeitgeist oder die reine Welt der Zahlen am Nachwuchs arbeitet und ihn stetig ausbildet. Interessierten jungen Menschen hat man so teils über Jahre mit Verweis auf einen gesättigten Arbeitsmarkt und mittels enormer Anforderungen beim Numerus clausus die Aufnahme des Medizinstudiums vergrätzt.

Und nun dürfen die Regionen und Landkreise, die nun mal wirklich nichts für diesen Mangel können, einander ausstechen im Wettbewerb um jene (zu) wenigen jungen Mediziner, die bereit sind, als Allgemeinmediziner auf dem Land tätig zu sein. Sicher, es mag müßig sein, sich über Fehler und Überheblichkeiten der Vergangenheit aufzuregen – aber es ist ein berechtigter Fingerzeig für die Zukunft, dass so etwas nicht mehr passieren darf.

Das Projekt „Landarztquote“, an dem sich der Landkreis Donau-Ries lobenswerterweise mit Engagement beteiligt, ist ein kleiner Baustein, der hoffentlich dazu beiträgt, den einen oder anderen Arzt hierherzulocken – weitere, umfangreichere Bausteine müssen folgen. Sie zu produzieren, liegt jedoch allem voran in den Händen der Bundes- und Landespolitik sowie der Universitäten. Es kann nicht sein, dass Kommunen und Kreise untereinander in Konkurrenz um die medizinische Grundversorgung stehen – und dies von der übergeordneten Politik so hingenommen oder sogar vorangetrieben wird.

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Indessen ist es anständig, dass dieser Landkreis zu seinen Kliniken steht und deren Zukunft im Hinblick auf mögliche Stellungen als Lehrkrankenhäuser der noch jungen Uniklinik Augsburg verbessern möchte. Auch das würde neue gute Chancen für die Rekrutierung junger Ärzte bergen.

Lesen Sie hierzu auch: Landkreis Donau-Ries sucht händeringend Ärzte

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