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Donauwörth/Nördlingen

10.08.2020

Als es im Landkreis Donau-Ries zwei Landwirtschaftsschulen gab

Zahlreiche Hofeinfahrten und Wege in den Dörfern in der Region waren bis ins 20. Jahrhundert hinein unbefestigt. Die Arbeit war mitunter sehr hart, viele Menschen in Nordschwaben lebten direkt von der Landwirtschaft. Diese sollte sich stetig verbessern und mehr Erträge bringen – auch ein wichtiger Grund für die Errichtung der Landwirtschaftsschulen in Nördlingen und Donauwörth.

Plus Vor 100 Jahren wurde in Nördlingen die Landwirtschaftsschule gegründet. Einige Jahre später eine weitere in Donauwörth – beide sind inzwischen Geschichte. Warum eigentlich?

Landwirtschaft, das war einmal der vorherrschende Wirtschaftszweig in der Region. Die Menschen haben geackert, im wahrsten Sinne des Wortes. Und so war es eine Errungenschaft, als vor fast 100 Jahren die Landwirtschaftsschule in Nördlingen gegründet wurde – und einige Zeit später auch eine in Donauwörth.

Exakt am 10. November 1920 wurde die Landwirtschaftsschule Nördlingen aufgrund einer Regierungsentschließung vom 6. September 1920 feierlich eröffnet. Der erste Kurs startete mit 46 Schülern, und das Interesse war so groß, dass einige Bewerber abgewiesen werden mussten. Träger der Schule war die Stadt Nördlingen und der Bezirkstag von Nördlingen/ Oettingen, die sich damals schon zu einem „Zweckverband Landwirtschaftsschule Nördlingen“ zusammen-schlossen.

Insgesamt sechs Direktoren der Landwirtschaftsschule

Das Einzugsgebiet umfasste die Stadt, den damaligen Landkreis Nördlingen und 21 Gemeinden des damaligen Landkreises Donauwörth (nördlich der Donau und westlich der Bahnlinie Donauwörth–Treuchtlingen).

Landwirtschaftsdirektor Wilhelm Zeller leitete die Landwirtschaftsschule von 1920 bis 1950, ihm folgten Hermann von Valta (bis 1965), danach kamen Theodor Schmolze, Erhard Hartel, Josef Fischer und Georg Stark.

Die behelfsmäßige Unterbringung im Saal des Sixenbräus endete im folgenden Jahr, nachdem der Zweckverband im ehemaligen Hotel Krone am Weinmarkt für den Unterricht geeignete Räume erworben hatte. Im Jahr 1925 wurde der Neubau in der Oskar-Mayer-Straße beschlossen, am 8. Januar 1927 konnte das neue Gebäude in Anwesenheit hoher Persönlichkeiten aus Politik und Verwaltung eingeweiht werden. Acht Jahre nach Gründung der Landwirtschaftsschule wurde in Nördlingen erstmals eine Klasse in Hauswirtschaft unterrichtet. Die Zahl der Studierenden schwankte über den Zeitraum von 100 Jahren immer wieder sehr stark. Waren anfangs die Teilnehmerzahlen an der Landwirtschaftsschule extrem hoch (1931/32: 90 Bewerber), gingen sie bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg deutlich zurück – unter anderem wegen der Verpflichtungen zum Reichsarbeitsdienst.

Teilweise kein Unterricht während des Kriegs

Während des Krieges fand dann auch teilweise kein Unterricht statt, das Gebäude wurde für den Unterricht der ausgebombten Maria-Theresia-Schule aus Augsburg genutzt. Im Jahr 1945 wurde sogar ein Reservelazarett eingerichtet.

Nach Kriegsende, am 1. April 1946, konnte der Schulbetrieb wieder aufgenommen werden, ab 1947/48 herrschte ein besonders großer Bewerberandrang, in den 1960er-Jahren ließ das Interesse allerdings wieder nach. 1964 wurde ein Neubau für den Hauswirtschaftsunterricht erstellt.

In den Jahren 1982 und 1983 wurde das Gebäude der Landwirtschaftsschule erweitert, 1984 in der Hauswirtschaft eine neue Küche eingerichtet. 1990 wurde das Amtsgebäude sodann gründlich renoviert. Mit der Verwaltungsreform vom 1. Juli 2005 wurde ein Teil der Aufgaben der damaligen Forstämter auf die Ämter für Landwirtschaft und Forsten übertragen, die Untergliederung in die zwei Bereiche Land- und Forstwirtschaft kennzeichnet auch heute noch die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF).

Landwirtschaftsschule fiel Reform zum Opfer

Im Zuge der Verwaltungsreform 2005 wurde auch über die verbleibenden Schulstandorte entschieden. Leider fiel die Landwirtschaftsschule Nördlingen dieser Reform zum Opfer, mit Ablauf des letzten Semesters musste der Schulbetrieb 2009 eingestellt werden.

In der Hauswirtschaftsschule fand der letzte Kurs in Vollzeitschule 1992 statt, seitdem wird der Unterricht in Teilzeit als einsemestrige Fachschule für Ernährung und Haushaltsführung fortgeführt.

1946 erhielt Donauwörth eine Landwirtschaftsschule. Wurde das Einzugsgebiet des ehemaligen Landkreises Donauwörth vor 1946 von den Schulen in Nördlingen und Neuburg abgedeckt, kam es nach dem Krieg zur Gründung einer staatlichen Landwirtschaftsstelle und damit einer eigenen Landwirtschaftsschule auch in Donauwörth. Im ersten Jahr wurde der Unterricht behelfsmäßig in der umgebauten St.-Veits-Kapelle des Cassianeums erteilt, bereits 1947 konnte man aber das wesentlich geräumigere Rückgebäude des Stadtkommandantenhauses nutzen. Leiter der Einrichtung war Dr. Wiesner (bis 1967).

Landkreis Donau-Ries übernahm Trägerschaft

Mit der Gebietsreform 1972 wurde auch eine Reform der allgemeinen Verwaltung und damit auch der bayerischen Landwirtschaftsverwaltung vollzogen. Da Donauwörth das Landratsamt und andere Behörden bekam, erhielt Nördlingen das Amt für Landwirtschaft mit einer Dienststelle in Donauwörth. Bereits im Frühjahr 1974 wurde diese aber samt Landwirtschaftsschule endgültig geschlossen.

Am 30. Juni 1983 löste sich zudem der Zweckverband der Landwirtschaftsschule Nördlingen auf, die Trägerschaft übernahm danach der Landkreis Donau-Ries.

Wie im allgemeinen Schulbetrieb erkannte man auch im landwirtschaftlichen Sektor die Bedeutung der Wissensvermittlung für den Fortschritt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts stand die Gründung der landwirtschaftlichen Akademien im Vordergrund (zum Beispiel Weihenstephan), die vor allem von den Söhnen der „gebildeten“ Schicht besucht wurden. Sehr bald erkannte man, dass mit dieser Bildungsform der Fortschritt nicht schnell genug in das breite Land getragen werden konnte.

Bereits 1838 Gründung der Nördlinger Landwirtschafts- und Gewerbeschule

Auch mit den Ackerbauschulen wurde das Ziel nicht erreicht, da die Absolventen mit dem Abschluss oft in andere Berufe abwanderten. Für die praktizierenden Landwirte in den Dörfern gab es Vorträge, „Belehrungen“ durch freiwillige Mitarbeiter wie Gutsbesitzer, Geistliche, Lehrer, Tierärzte und Obstbaumsachverständige. Im Jahr 1836 wurde in Nördlingen die Landwirtschafts- und Gewerbeschule gegründet, die aber von den Landwirten nicht angenommen wurde.

Mit den sogenannten Sonntagsschulen als Vorläufer entstanden ab 1867 die landwirtschaftlichen Fortbildungsschulen mit fest angestellten Lehrkräften. Daraus entwickelten sich die Landwirtschaftsschulen, die wegen der Unterrichtszeit vor allem während des Winters auch Winterschulen genannt wurden.

Die älteste bayerische Winterschule wurde 1861 in Würzburg als Wiesenbauschule für Unterfranken und Aschaffenburg gegründet.

Rolle der Landwirtschaft bleibt tragend

Im Bezirk Schwaben entstand 1868 die erste Landwirtschaftsschule in Augsburg, es folgten Kaufbeuren, Nördlingen, Babenhausen, Mindelheim, Weißenhorn, Günzburg, Kempten und Memmingen. Heute gibt es in Schwaben noch Landwirtschaftsschulen in Kempten, Mindelheim, Augsburg und Wertingen. Landwirtschaftsschulen wurden besonders ab 1896 gefördert, sogenannte „Wanderlehrer“ wurden im Unterricht der neu gegründeten Schulen eingesetzt. Diese Schulform war „für die breite Masse der Bauern die beste Fachschule, da sie bei bester Fachbildung äußerst billig sind, und außerdem wird der völlige Ausfall an Arbeitskraft auf dem Bauernhof vermieden“, so ein Chronist aus der damaligen Zeit.

Die Rolle der Landwirtschaft bleibt eine tragende – wenngleich die Zahl der Beschäftigten auf einen Bruchteil gesunken ist. DZ, hilg

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