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Leben

10.04.2019

Anselm Grün in Wemding: Er zieht die Zuhörer in seinen Bann

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Anselm Grün

Pater Anselm Grün spricht in Wemding über Zorn, Neid und Angst und wie man richtig damit umgehen kann.

„Gefühle gehören zu uns. Nur mit Emotionen kann ich begeistern.“ Emotionen, die verdrängt werden, seien wie ein Kaffeesatz: Alles werde dunkel. Es gelte, Emotionen verstehen zu lernen als eine Chance, persönlich angenommen zu werden, für die Anderen zur Lebensquelle zu werden. Das sagte Pater Anselm Grün den rund 400 in der Gaststätte Zur Wallfahrt versammelten Menschen. Der bekannte Kirchenmann appellierte an die Zuhörer: „Nicht verurteilen, sondern den Sinn erkennen, dann werden Sie ein Segen für die Anderen.“

Das Publikum lauschte in andächtiger Stille dem gut einstündigen Vortrag. Der hatte das Thema „Wege der Verwandlung. Emotionen als Kraftquelle entdecken und seelische Verletzungen heilen“.

Organisiert hatte den Redner der Verein für ambulante Krankenpflege Wemding. Dessen Vorsitzender Gottfried Hänsel betonte, das Ziel des Vereins sei, den Menschen ein gesundes und glückliches Leben zu eröffnen. Hänsel informierte, dass Anselm Grün mit 19 Jahren in den Orden der Benediktiner in der Abtei Münster Schwarzach eintrat. Von seinen Bücher wurden über 18 Millionen Exemplare verkauft. Die Werke sind in 27 Sprachen erschienen.

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Emotionen als Kraftquelle

Anselm Grün stellte fest, dass Emotionen die Menschen bewegen und es wichtig sei, Emotionen zuzulassen und diese positiv zu sehen. Ebenso wichtig ist es aber auch, die Emotionen abzugrenzen und mit ihnen richtig umzugehen. So können Emotionen zu Kraftquellen werden. Grün ging auf verschiedene Gefühle ein und veranschaulichte mit Beispielen aus seinem Leben beziehungsweise Begegnungen mit Menschen, wie dieser Umgang mit den Emotionen gestaltet werden kann.

Aggressive Gefühle wie Ärger und Zorn könnten auch als Impuls verstanden werden, bei sich selbst anzufangen, sich einen Spiegel vorzuhalten und selbst etwas besser zu machen. Den Zorn bezeichnete der Pater als „das harte Herz“ des Anderen. Er empfahl, den Zorn beim Anderen zuzulassen, sich aber von der Macht des Anderen zu befreien: „Aggressionen müssen verwandelt werden, sonst wirken sie sich negativ aus.“ Wenn Menschen jähzornig werden, dann „schützen sie sich und das Heilige in ihnen“. Dies verdeutlichte Grün mit einer kurzen Erzählung, bei der ein Junge über viele Jahre hinweg ganz unterschiedliche Steine sammelte, diese liebevoll reinigte und aufbewahrte. Als diese von der Mutter weggeworfen wurde, wurde der sonst so liebevolle Junge zornig.

Neid begegnet uns in vielen Formen. Oft schon unter den Geschwistern, am Arbeitsplatz oder unter Nachbarn. „Wir sind neidisch auf Menschen, die etwas haben, was wir nicht haben.“ Es gelte, den Neid nicht zu verurteilen, sondern zu lernen mit ihm umzugehen. Pater Anselm Grün empfahl, „beim Neid zu Ende zu denken: Bin ich glücklich, wenn ich das alles habe?“ Man sollte auch dankbar sein für das eigene Leben. Weiter betonte er, „der schnellste Weg zum Unglück ist, sich immer mit den falschen Menschen zu vergleichen“. Im Gegensatz dazu beziehe sich die Eifersucht auf die persönliche Ebene. Sie sei ein Zeichen der Liebe.

Angst kann lähmen und Panikattacken auslösen

Wer keine Angst habe, habe kein Maß. Dabei könne Angst lähmen und zu Panikattacken führen. Bei Angst sollte man seine Grundannahme, die zu Angst führe, in Frage stellen. So zum Beispiel der Umgang mit Fehlern: „Ich darf auch Fehler machen und bin trotzdem wertvoll.“ Perfektionisten hätten Angst, Fehler zu machen. Ein Wandlung beziehungsweise Heilung gelinge nur, wenn der Betreffende selbst vom Perfektionismus loslasse. Bei manchen Menschen steigere sich die Angst vor der Angst zur lähmenden Panik. Der Pater sprach die Einladung aus, sich an Gott zu halten und so Kraft zu bekommen, sich in Gottes Hand geborgen fühlen, um Gottes Segen bitten. Es helfe auch, „jetzt – in diesem Augenblick“ zu leben. Bei Depression oder Traurigkeit komme das „Selbstmitleid“ vor. Dabei zeige sich, „das eigene Bild von sich stimmt mit der Wirklichkeit nicht überein und die Seele rebelliert dagegen“. Traurigkeit könne, so Anselm Grün, eine „Quelle der Kreativität“ werden. Man muss durch diese hindurch gehen und kann so Kraft schöpfen.

Depression sei eine Krankheit und müsse mit Medikamenten behandelt werden. Bei der „Wurzellosigkeit“ habe man nichts mehr, um etwas dagegen zu setzen. Eine andere Form sei die „Schöpfungsdepression“, bei der das Gefühl vorherrsche, die Erwartungen zerreißen mich. Man sollte „aus der eigenen Mitte heraus arbeiten und die Energie bewusst einsetzen“.

Mit kräftigem Beifall dankten die Zuhörer für den Vortrag. Mit einem Abendgebet schloss Anselm Grün die Veranstaltung.

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