1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Auto prallt gegen Schülerin: Prozess

Donauwörth

18.10.2019

Auto prallt gegen Schülerin: Prozess

Eine unerfreuliche Begegnung zwischen einem Auto und einer Fußgängerin hat es im Januar dieses Jahres auf dem großen Parkplatz am Schulzentrum und Stauferpark in Donauwörth gegeben. Nun kam es in dieser Sache zum Prozess.
Bild: Foto: Manuel Wenzel

Ein junger Mann muss sich wegen eines Unfalls in Donauwörth verantworten. Er soll eine 22-Jährige absichtlich angefahren haben – und zwar mehrmals.

Auf dem großen Parkplatz am Schulzentrum und Stauferpark an der Neudegger Allee in Donauwörth ist kurz nach 13 Uhr mächtig was los. Viele Schüler strömen nach dem Ende des Vormittagsunterrichts praktisch gleichzeitig zu ihren Autos. Entsprechend kommt es zu Wartezeiten, bis der Verkehr auf die Westspange abfließen kann. Genau in dieser Situation kam es im Januar auf dem Areal zu einer unerfreulichen Begegnung zwischen einem Auto und einer Fußgängerin. Der Pkw-Fahrer musste sich jetzt vor dem Jugendgericht in Nördlingen verantworten.

Die Anklage hatte es in sich: Staatsanwalt Marius Lindig warf dem 20-Jährigen einen gefährlichen Eingriff in den Straßenverkehr in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und unerlaubtem Entfernen vom Unfallort vor. Demnach soll der junge Mann mit seinem Wagen eine 22-Jährige absichtlich leicht angefahren haben: „Er fuhr direkt auf sie zu, damit sie den Weg freimacht.“ Beim Wegfahren soll er sie dann noch einmal gestreift haben – ohne sich weiter um die Sache zu kümmern.

Mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren

Die Geschädigte und ein Schulkamerad, der an jenem Tag neben der 22-Jährigen lief, bestätigten dies vor Gericht. Sie sei durch den ersten Aufprall seitlich auf der Motorhaube zum Sitzen gekommen. „Ich hatte den Eindruck, er hat es mit Absicht gemacht“, sagte die Schülerin, die diverse Prellungen erlitt. Ihr Begleiter erklärte, aus seiner Sicht sei der 20-Jährige erst mit überhöhter Geschwindigkeit gefahren und habe dann zu spät gebremst.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Der Angeklagte ließ seinen Verteidiger Bernd Scharinger erklären, dass der Unfall keinesfalls absichtlich geschen sei. Der junge Mann habe weder jemanden nötigen, noch verletzen wollen. Er sei erkältet gewesen und habe nach Hause gewollt. Wegen eines technischen Problems am Pkw habe er vor dem Schalten jedes Mal Zwischengas geben müssen. In dem Moment, in dem er an der 22-Jährigen vorbeifahren habe wollen, habe diese einen Schritt gemacht und sich auf die Haube gesetzt.

Der Angeklagte sei nicht davon ausgegangen, dass er die junge Frau verletzt hat: „Dass es sich um einen Unfall handelt, kam ihm nicht in den Sinn.“ Der Fahrer äußerte sich in dem Prozess dann auch selbst. Zehn Minuten nach dem Vorfall sei ihm der Gedanke gekommen: „Warum habe ich nicht angehalten?“ Ein Zeuge, 22, der den Unfall beobachtet hatte, sagte aus, der Pkw habe die Schülerin sogar dreimal berührt.

Staatsanwalt hält an den Vorwürfen fest

Staatsanwalt Lindig hielt in seinem Plädoyer an den Vorwürfen fest und ging davon aus, dass der Angeklagte das Opfer bewusst angefahren habe: „Es gab keinen Anlass, außer dass er möglichst schnell vom Parkplatz kommen wollte.“ Als Strafe forderte Lindig unter anderem einen Freizeitarrest und einen Führerscheinentzug für weitere acht Monate. Verteidiger Scharinger sprach von einem „bedauerlichen Ereignis“, jedoch sei die Frau nur einmal angefahren worden – und das ohne Absicht. Sein Mandant habe keine kriminellen Neigungen und sei höchstens wegen fahrlässiger Körperverletzung zu verurteilen.

Zu diesem Ergebnis kam auch Richter Andreas Krug. Von einem vorsätzlichen Handeln könne keine Rede sein. An der fahrlässigen Körperverletzung und an der Unfallflucht sei jedoch nicht zu rütteln: „Da muss man einfach stehen bleiben und aussteigen. Sich nicht zu kümmern, geht gar nicht.“

Weil die Folgen verhältnismäßig geringfügig seien, beließ es der Richter bei einer Strafe von 56 gemeinnützigen Stunden, die der 20-Jährige abzuleisten hat. Hinzu kam ein Fahrverbot von drei Monaten. Weil dem jungen Mann schon im April die Fahrerlaubnis entzogen worden war, ist dies aber schon quasi abgegolten und er darf sich ab sofort wieder ans Steuer setzen.

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren