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Harburg

25.07.2020

Bekommt Harburg einen Waldkindergarten?

Viel Zeit in der Natur können die Kinder in einem Waldkindergarten verbringen.
Bild: Heike John

Plus Eine Elterninitiative wünscht sich eine solche Einrichtung. Die Stadträte informieren sich. Zwei unterschiedliche Organisationsformen sind denkbar.

Die Kindergartenlandschaft in der Stadt Harburg ist bereits recht vielschichtig. Es gibt städtische Einrichtungen in Harburg und in Heroldingen sowie kirchliche Kindergärten in Ebermergen und Großsorheim. Was nach Ansicht einer Reihe von Eltern noch fehlt, ist ein Waldkindergarten.

In einem solchen hätten die Kinder die Möglichkeit, sich häufig im Freien aufzuhalten und die Natur kennenzulernen. Das sagte in einer Sitzung des Harburger Stadtrats Matthias Hahn. Er ist Sprecher der Initiative und stellte die Idee den Kommunalpolitikern vor.

Waldkindergarten wäre „ein attraktives Zusatzangebot“

Bei diesen liegt letztlich die Entscheidung, ob ein Waldkindergarten in der Burgstadt auf die Beine gestellt wird. In der Sitzung ging es laut Bürgermeister Christoph Schmidt jetzt vor allem darum, alle Informationen auf den Tisch zu bringen.

Bekommt Harburg einen Waldkindergarten?
Matthias Hahn, Sprecher der Elterninitiative, warb im Stadtrat für das Projekt Waldkindergarten.

Mitinitiator Hahn erklärte, ein Waldkindergarten wäre „ein attraktives Zusatzangebot in Harburg“. Die Eltern, die sich dafür engagieren, wären bereit, sich ehrenamtlich einzubringen. Eines stellte der Sprecher gleich klar: „Eine Initiative gegen die Stadt macht keinen Sinn.“ Man wolle keine Konkurrenz zu den bestehenden Kindertagesstätten sein. Deshalb sei man mit der Kommune auch schon länger in Kontakt.

Positive Rückmeldungen bei einer Elternumfrage

Die Initiative startete auch eine Umfrage im Stadtgebiet unter Eltern, die Nachwuchs im Kindergartenalter haben. Von den 279 Angeschriebenen hätten sich 114 beteiligt. 45 zeigten Interesse an einem Waldkindergarten, 69 nicht. Die positiven Rückmeldungen seien sowohl aus der Kernstadt als auch aus den Ortsteilen gekommen. Der Umfrage zufolge würden 2021/22 31 Kinder eine solche Einrichtung besuchen, 2022/23 wären es 36 Kinder und 2023/24 wären es 25. Man wolle auch verhindern, dass Mädchen und Jungen aus dem Stadtgebiet in Waldkindergärten ins Umland abwandern, merkte Matthias Hahn an. Aktuell sei eine solche Einrichtung in Möttingen im Gespräch.

Grundsätzlich gebe es zwei mögliche Organisationsformen. Bei der einen würde ein Träger den Betrieb des Waldkindergartens übernehmen. Dazu wäre ein Vorlauf von einem Jahr nötig. Die andere Variante: die Integration einer „Waldgruppe“ in die städtische Kita.

Forts beim Schießhaus wäre ein geeigneter Standort

Auch über einen möglichen Standort des beheizten Bauwagens im Wald – die Investitionskosten lägen im fünfstelligen Bereich – haben sich die Eltern bereits Gedanken gemacht. „Sehr geeignet“ wäre der Forst auf der Anhöhe südöstlich des Harburger Schießhauses – der „Berger Wald“, der sich in Privateigentum befindet. Für den Betrieb bräuchte man zudem bei ganz schlechtem Wetter einen Notraum in der Nähe. Dafür böte sich beispielsweise das Schießhaus, die Kita oder die neuapostolische Kirche an. Diesbezüglich hätten aber noch keine Gespräche stattgefunden.

Allgemeine Informationen lieferte Martin Heiligbrunner vom Kreisverband des Roten Kreuzes. Dieses ist Träger der Waldkindergärten in Nördlingen, Rain und Monheim. In einer solchen Einrichtung würden Kinder nur bis 14 Uhr betreut. Eine Gruppe habe maximal 20 Plätze. Es müssten immer zwei pädagogische Mitarbeiter anwesend sein. Das jährliche Defizit pro Gruppe liege mindestens bei um die 20000 Euro. 95 Prozent davon müsste die Kommune übernehmen. Um den Bauwagen würde eine Freifläche von 1000 bis 1500 Quadratmeter benötigt.

Eltern müssen Kinder regelmäßig nach Zecken absuchen

Dieser Platz sei aus Gründen der Sicherheit „sehr sorgfältig auszuwählen“, erklärte Peter Birkholz, Bereichsleiter am Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Nördlingen, den Räten. Nach jedem Sturm seien die Bäume wieder zu begutachten. Zecken seien durchaus ein Thema, so Heiligbrunner und Birkholz. Die Eltern müssten die Kinder regelmäßig danach absuchen.

Auf die Frage, ob in der Kita Harburg eine „Waldgruppe“ vorstellbar wäre, sagte Leiterin Beate Wiedemann, dies müsste im Erzieherinnenteam besprochen werden. Unabhängig davon führe die Kita im Oktober einen sogenannten Waldtag ein, der alle 14 Tage stattfinden soll.

Es könnte auch einen Haken geben

Die Ratsmitglieder hörten sich die Fakten interessiert an. Bürgermeister Schmidt warf zwischendurch ein, der mögliche Beschluss für einen Waldkindergarten „geht nicht von heute auf morgen“. Bekanntlich liefen momentan die Vorbereitungen für die Erweiterung der Kita Harburg um zwei Gruppen: „Das kann man nicht einfach stoppen.“ Wolfgang Stolz (CSU) wies darauf hin, dass der Bedarf an Betreuungsplätzen laut Sozialraumanalyse mit den Erweiterungen in Harburg und Ebermergen eigentlich gedeckt sei.

Der Haken: Wäre die erweiterte Kita in Harburg wegen des Waldkindergartens nicht mehr ausgelastet, müsste wohl die staatliche Förderung zurückbezahlt werden, so Werner Nothofer, Geschäftsleiter im Rathaus. Das Thema Waldkindergarten soll nun im Bauausschuss des Stadtrats weiter erörtert werden. Vermutlich in der Sitzung des Gesamtstadtrats im September werde dann eine Entscheidung getroffen, kündigte Bürgermeister Schmidt an.

Zum Artikel gibt es auch einen Kommentar: Eine Waldgruppe in der Harburger Kita

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