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Donau-Ries

21.01.2021

Bestatter im Donau-Ries: Wie Corona bis in den Tod reicht

Die Zahl der Corona-Toten ist weiterhin auf einem hohen Niveau in Deutschland.
Foto: Julian Stratenschulte/dpa

Plus Wie wirkt sich Covid-19 auf die aktuelle Sterblichkeitsrate aus? Und wie erleben Bestatter in diesen Zeiten den Umgang mit dem Tod?

Gibt es mehr Sterbefälle durch Corona als üblich? – Beim städtischen Bestattungsunternehmen in Donauwörth wird ein „Anstieg der Sterbefälle über das übliche Maß hinaus“ registriert, teilt Pressesprecherin Annegret Feist auf Anfrage mit. Die Anforderungen könnten aber personell noch gut bewältig werden.

Sie weist explizit auf die hohe Sterbezahl von 36 Personen im Dezember hin. Im November und Oktober waren es 15 beziehungsweise 28. Im Jahresschnitt zeigt sich allerdings, dass 2020 keine auffällige Todesrate zu verzeichnen war, denn 2018 bestattete das Unternehmen 310 Verstorbene – das sind 19 Personen oder 6,5 Prozent mehr als 2020. 2019 waren es allerdings mit 238 Sterbefällen deutlich weniger.

Nördlinger Bestatter sieht keine veränderte Lage

„Bei mir gibt es nicht mehr Sterbefälle als sonst“, stellt Alexander Wendel, Chef des Bestattungsunternehmens Stumpf in Nördlingen, klar. Es gebe wohl Hotspots, doch in seinem Einzugsgebiet, das auch Wemding, Oettingen und Feuchtwangen einschließt und bis ins badenwürttembergische Neresheim reicht, sei das Aufkommen vergleichbar mit früheren Jahren.

Ein Prozent Sterblichkeit pro Jahr bezogen auf die Gesamtbevölkerung sei normal, und hier pendelten sich die Zahlen auch heuer ein. Auch ohne Corona habe es früher bereits immer mal phasenweise für kurze Zeit eine höhere Sterblichkeit gegeben. „Die Frage ist für mich, wer hat wirklich Corona und wer nicht – das wird häufig nicht unterschieden“, sagt er, oft werde einfach bei Verdacht „Corona“ auf dem Totenschein notiert.

Um auch mit infektiösen Verstorbenen sicher zu arbeiten, verwendet der Wertinger Bestatter Maik König einen Mund-Nasen-Schutz. Das war schon vor der Corona-Pandemie so. Trotzdem hat sich in der Branche zuletzt einiges verändert, sagt er.

Was dann zur Folge hat, dass Paragraf 7 des Infektionsschutzgesetzes greift und der Verstorbene als „infektiös“ behandelt wird. Er muss dann „unverändert“ mit Desinfektionslösung in eine gut verschließbare, flüssigkeitsdichte Leichenhülle aus Kunststoff verbracht und versiegelt werden, die Hülle wird dann noch einmal von außen desinfiziert.

Die Bestatter arbeiten unter Komplettschutz, was sich in zusätzlichen Kosten niederschlägt. Sie dürfen den Verstorbenen nicht würdevoll einkleiden und herrichten, wie es Tradition ist, Angehörigen wird es verwehrt, Abschied zu nehmen. „Das ist nur am geschlossenen Sarg möglich“, sagt Wendel, „das ist ganz schwer und trauerpsychologisch sehr schlecht.“ Der Tod sei erst begreiflich, sobald die Angehörigen den Verstorbenen gesehen haben. So stelle sich beispielsweise bei stark entstellten Unfallopfern für Angehörige oft die Frage, ob es sich wirklich um ihren geliebten Menschen handele. „Der Mensch begreift durch Sehen“, betont Wendel, daher sei der Abschied so wichtig für den Trauerprozess, der mit dem Gefühl des „Nicht-Wahrhaben-Wollens“ beginnt.

Bäumenheimer Bestatterin: Sterbefälle auf vergleichbarem Niveau

Wie die Angehörigen, so würden auch die Bestatter im Stich gelassen, meint Wendel. Anders als in Baden-Württemberg etwa zählen sie in Bayern nicht zu den systemrelevanten Berufen.

„Ich weiß nicht, woher das Gerücht kommt“, antwortet Bianca Uhl vom gleichnamigen Bestattungsunternehmen in Asbach-Bäumenheim auf die Frage, ob es stimmt, dass sie aufgrund der Corona-Pandemie so viel Arbeit hätten, dass dringend Mitarbeiter gesucht würden. „Es ist immer so, dass Bestatter Mitarbeiter suchen, das hat nichts mit der aktuellen Situation zu tun“, sagt sie, das Unternehmen habe zwar derzeit geballt zu tun, aber das sei in den Wintermonaten generell so, vor allem im Dezember und Januar. „Man muss das übers ganze Jahr oder eigentlich sogar über zwei Jahre hinweg betrachten“, betont sie. Zahlen einzelner Monate seien nicht aussagekräftig. Im Vergleich zum Vorjahr 2019 gab es zwar mehr Sterbefälle, doch bewegten sich die Zahlen auf vergleichbarem Niveau zum Jahr 2018. Jeder Todesfall sei schlimm für die Angehörigen, für die es zunächst einmal keine Rolle spiele, woran der geliebte Mensch verstorben ist.

Eine große Rolle spielt es allerdings für die Bestattungspraxis, wie auch sie bestätigt. „Mir blutet das Herz, wenn wir Angehörigen verwehren müssen, ihren Verstorbenen noch einmal zu sehen“, sagt die Chefin des Bäumenheimer Bestattungsunternehmens, „das ist für uns auch nicht leicht, denn natürlich haben wir Empathie für die Angehörigen und fühlen mit ihnen“. Ein würdevoller Abschied gehöre zur Trauerarbeit, sagt sie, doch sobald auf dem Totenschein „Corona“ oder manchmal auch nur „infektiös“ steht, greife das Infektionsschutzgesetz mit dem bereits beschriebenen Vorgehen.

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