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Buchdorf

08.11.2019

Bleibt Georg Vellinger im Buchdorfer Rathaus?

Das Rathaus in Buchdorf entspricht schon längst nicht mehr der Zeit. Kalt und eng ist es in der Amtsstube. Hier regiert Georg Vellinger (CSU) seit fast 30 Jahren. Und es sollen weitere sechs Jahre sein. Doch dafür muss der bisher hauptamtliche Bürgermeister den Bürgerentscheid am Sonntag überstehen.
Bild: Barbara Wild

Plus Am Sonntag entscheiden die Bewohner der Gemeinde Buchdorf in einem Bürgerentscheid über ihren Bürgermeister. Ein Stimmungsbild aus dem Dorf.

Mittags, 11.30 Uhr, Metzgerei Leinfelder in Buchdorf. Hier, in dem kleinen Lebensmittelgeschäft, ist um diese Zeit viel los. Eine schnelle Leberkässemmel, ein paar Einkäufe und ein kleiner Ratsch über dies und das. Dieser Tage aber gibt es in dem Geschäft in der Hauptstraße eigentlich nur ein beherrschendes Thema: den Bürgermeister.

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Denn am Sonntag sind die Buchdorfer gefragt. Sie stimmen in einem Bürgerentscheid faktisch darüber ab, ob Bürgermeister Georg Vellinger (CSU) weiterhin die Geschicke ihres Dorfes lenken wird oder nicht. Zwar lautet die Frage des Entscheides: „Sind sie dafür, dass der Bürgermeister in Buchdorf weiterhin Beamter auf Zeit bleibt?“ Doch wenn die Mehrheit der Wähler diese Frage mit „Ja“ beantwortet, muss Vellinger nach der Kommunalwahl am 15. März 2020 das Rathaus räumen. Nur, wenn er sein Amt zum „ehrenamtlichen Bürgermeister“ umwidmen lässt, umgeht er die Altersbegrenzung von 67 Jahren. Und das möchte er unbedingt.

Rasantes Wachstum gefällt nicht jedem

„Unser Dorf ist gespalten“, sagt eine Frau, die gerade die Einkäufe von dem kleinen Kassenband sammelt. Die Stimmung sei „nicht so toll“ und überhaupt: „Egal, wen ich treffe, früher oder später geht es um das Thema Vellinger.“ Sie macht keinen Hehl daraus, dass sie am Sonntag nicht für ihn stimmen wird. Nicht aus persönlichen Gründen, sondern weil ihr die Politik der vergangenen Jahre missfällt. „Mir gefällt es nicht, wie schnell unser Dorf wächst. Was da die letzten Jahre passiert ist, war einfach zu viel“, sagt sie. Tatsächlich hat das Dorf an der B2 ein rasantes Wachstum hingelegt. Seit 2017 sind allein über hundert neue Bauplätze erschlossen worden. Zwischen Römerstraße und der alten Bundesstraße stehen reiheweise Neubauten. Ein Stück weiter werden die nächsten Häuser hochgezogen. Der Bürgermeister war immer stolz darauf, den jungen Familien Bauplätze anbieten zu können, die anderswo unbezahlbar oder einfach nicht vorhanden waren.

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„Ich habe das Gefühl, das Dorf ist gespalten“

An der Kasse geht es zügig weiter. Eine Buchdorferin, die das Gespräch gehört hat, macht gleich klar. dass sie sich „zu diesem leidigen Thema“ nicht äußern will. Als sie vorbei ist, findet aber die Kassiererin Zeit für einen Plausch. „Ich kann schon verstehen, dass der Schorsch sein neues Rathaus noch beziehen will“, sagt sie und zeigt aus dem Fenster. Direkt gegenüber wächst die Neue Mitte in die Höhe. Die Fensterbauer montieren gerade die ersten Rahmen, Richtfest ist schon gefeiert. „Soll er doch das noch fertig machen“, sagt die Angestellte. Täglich hört sie die Buchdorfer über den Bürgerentscheid und den Bürgermeister in dem Laden diskutieren. Wie der Trend ist? „Ich kann es nicht sagen. Ich habe das Gefühl, das Dorf ist gespalten.“

Ihre Kollegin, deutlich jünger und hinter der Wursttheke beschäftigt, will nur eines in Buchdorf: „Ich möchte einen Bürgermeister, der nicht in dem ganzen Klüngel steckt, sondern einen ganz neuen Anfang macht.“ Sie spielt auf die Politik des Bürgermeisters an, der bei der Größe des Bauplatzes seine Tochter begünstigen wollte, oder auch die Tatsache, dass die Ehefrau die Pläne für das Dorfzentrum überarbeitet und damit dem ausgewählten Architekten in die Quere gekommen ist. Während sie die Fleischwurst aufschneidet, berichtet sie, dass das in ihrem Freundeskreis alle so sehen. „Vor allem die jungen Einheimischen wollen, dass eine neue Generation im Rathaus das sagen hat“, ist sie fest überzeugt.

Nur gute Erfahrungen mit dem Bürgermeister

Ortswechsel: In der Kirchgasse warten die Mamis auf ihre Kinder, die aus der Volksschule kommen und über den Friedhof zum Elterntaxi laufen. Eine junge Mutter hat ihren Sohn gerade auf der Rücksitzbank angeschnallt und ist überrascht, dass eine Reporterin extra nach Buchdorf kommt. „Klar gehe ich wählen, aber das ist für mich kein großes Thema“, sagt sie. Sie habe bisher nur gute Erfahrungen mit Bürgermeister Vellinger gemacht und habe nichts dagegen, wenn er weitermacht. Die Mutter, die eine Parkbucht weiter wartet, wird am Sonntag gar nicht abstimmen. „Das ist mir eigentlich alles egal.“

Ein paar Häuser weiter holt eine Seniorin gerade die Post aus ihrem Briefkasten. Im Vorgarten des großen Bauernhofes wächst der letzte Salat der Saison. Das restliche Beet ist schon winterfest gemacht. „Ich bin jetzt 80 Jahre geworden, aber den Bürgermeister habe ich an meinem Geburtstag ausgeladen“, macht sie ihrem Ärger Luft. Ihr gefällt nicht, wie schnell Buchdorf wächst,, dass sich „die Fremden“ nicht integrieren. „Das spaltet die Dorfgemeinschaft“, sagt sie. Die Stimmung sei nicht gut. Unweit davon wird in der Garage gewerkelt. Der Familienvater sieht die Sache weniger emotional. „Vellinger hat einen guten Job gemacht. Aber Buchdorf ist so groß, das schafft keiner im Ehrenamt“, ist er überzeugt. Er findet, es gehe um viel mehr als nur die Frage, ob Georg Vellinger nach 30 Jahren als Bürgermeister weitermachen soll. „Es geht darum, wie sich Buchdorf für die Zukunft aufstellt.“

Lesen Sie dazu den Kommentar von Barbara Wild:

Buchdorf: Das Amt nicht zurechtschustern


Dazu lesen Sie auch: Vellinger weiter in „Vollzeit“? Vellinger will wieder als Bürgermeister antreten Macht Bürgermeister Georg Vellinger weiter? Vellinger: Verbotene Wahl-Werbung? Buchdorf: PWG darf im Amtsblatt kontern

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