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Otting

25.11.2015

Das Schlosstor wird zum Nadelöhr

Das Schlosstor in Otting ist einsturzgefährdet. Deshalb mussten die Besitzer diese Gebäudeteils im Dezember 2014 eine Notsicherung vornehmen.
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Das Schlosstor in Otting ist einsturzgefährdet. Deshalb mussten die Besitzer diese Gebäudeteils im Dezember 2014 eine Notsicherung vornehmen.
Bild: Wolfgang Widemann

In Otting muss das Torhaus dringend saniert werden. Eine Notsicherung verengt die Durchfahrt. Das nervt die Anwohner gewaltig.

Otting Am westlichen Ortsrand von Otting liegt abseits der Verkehrswege idyllisch an einem Weiher das gut 400 Jahre alte Schloss. In das Anwesen gelangt man über einen schmalen Weg, der durch den Torbogen führt. Der Durchgang ist seit fast einem Jahr durch eine massive Konstruktion aus Holzbalken eingeengt. Es handelt sich um eine Notsicherung, denn das Bauwerk ist einsturzgefährdet.

Dieser Zustand sorgt in Verbindung mit einer ungewöhnlichen Konstellation für Ärger: Auf dem Areal befinden sich – sozusagen vom Schloss eingerahmt – sechs Wohnhäuser. Die sind seit Dezember 2014 nur noch eingeschränkt erreichbar. Die Anwohner wollen das nicht länger hinnehmen. Behörden sind eingeschaltet. Die Lage ist verzwickt.

Das Landesdenkmalamt stellte vor einem Jahr gravierende Mängel an dem Torhaus fest. Die Behörde kam zu dem Schluss, dass die marode Decke über dem Torbogen unverzüglich gesichert werden muss. Dies ordnete das Landratsamt in Donauwörth denn auch umgehend an. Die Eigentümer des Bauwerks – dieser Teil des Schlosses gehört Dominique und Jury von Herzogenberg – beauftragten eine Firma. Die baute die Holzbalken ein.

Das Schlosstor wird zum Nadelöhr

Dadurch ist jedoch die Durchfahrt so schmal geworden, dass die Stelle zwar Autos und Klein-Lkw, jedoch keine größeren Lastwagen mehr passieren können. Die Anwohner gingen laut Karl Wachtler, dem eines der Wohnhäuser neben dem Schloss gehört, zunächst davon aus, dass die Sanierung gleich im Frühjahr angegangen und das Tor rasch wieder frei wird. Doch es sei nichts passiert und eine vernünftige Antwort habe man auch nicht bekommen.

Inzwischen sei der Zustand richtig ärgerlich, erklärt Wachtler: „Unsere Grundversorgung ist nicht mehr gewährleistet.“ Er habe sich an die Behörden gewendet, doch es passiere nichts. Per Anwalt setzte der Hausbesitzer den Schlossherren eine Frist. Die verstrich am 1. Oktober.

Durch das Tor führe die einzige richtige Zufahrt, so Wachtler. Die verläuft über den privaten Grund der Herzogenbergs. Seit vielen Jahren ist aber notariell festgelegt, dass die Anwohner im Schloss-Umfeld diesen Weg benutzen dürfen. Es handelt sich um die Besitzer von sechs Häusern, von denen laut Wachtler momentan vier bewohnt sind.

Ein Lastwagen könnte nur auf Umwegen über ein Privatgrundstück zu den Gebäuden gelangen – ein unhaltbarer Zustand, wie der 60-Jährige findet. Er würde sein Haus gerne umbauen, kann aber mit den Arbeiten nicht beginnen. Ein weiteres Problem: Es könne kein Heizöl zu den Häusern transportiert werden: „Ich habe noch genügend Öl für den Winter, andere nicht.“ Am gravierendsten sei, dass die Feuerwehr nicht mehr durch das Tor komme.

Deshalb war auch schon Kreisbrandrat Rudolf Mieling vor Ort. Der gibt in diesem Punkt – wie auch Bürgermeister Johann Bernreuther – aber Entwarnung: „Die Leute müssen keine Angst haben, dass der Brandschutz nicht gewährleistet ist.“ Über einen Feldweg und einen Garten gebe es eine Notzufahrt. Die Ottinger Wehr komme mit ihrem Fahrzeug im Ernstfall auch durch das Tor, müsse allerdings genau zielen und die Außenspiegel einklappen.

Dominique und Jury von Herzogenberg zeigen – wie sie im Gespräch mit unserer Zeitung betonen – durchaus Verständnis für die Anwohner: „Wir können den Groll der Leute verstehen.“ Allerdings lasse sich die Situation nicht so leicht lösen. „Für die Sanierung des Torhauses müssen Anträge gestellt werden und wir müssen mit Ämtern zusammenarbeiten“, erklärt Dominique von Herzogenberg, „das geht leider nicht von heute auf morgen“.

Die Herzogenbergs leben seit 2006 im Ostflügel des Schlosses, das insgesamt auf drei Eigentümer aufgeteilt ist. „Wir müssen Sorge tragen, dass dieses Kulturgut erhalten wird“, sagt Dominique von Herzogenberg. Dabei sei es grundsätzlich problematisch, wenn vor allem schwere Fahrzeug durch das Tor rollen. Eine Reihe von Schrammen am Gebäude zeugt davon, dass immer wieder mal Lastwagen am Mauerwerk hängen bleiben oder dieses streifen.

Man spüre im Inneren des Gebäudes die Vibrationen, wenn ein Lkw durchfahre. Ein Schild weist darauf hin, dass die Durchfahrt nur mit Schrittgeschwindigkeit erfolgen soll. Dass der Weg direkt vor dem Torbogen eine Kurve macht, sei ein zusätzlicher Knackpunkt. Aus Sicht des Denkmalschutzes wäre es den Herzogenbergs zufolge sinnvoll, „eine neue Wegführung zu finden“. Der Haken: Eine alternative Zufahrt würde viel Geld kosten.

Die Gemeinde sieht sich laut Bürgermeister Bernreuther derzeit außerstande, etwas zur Lösung des Konflikts beizutragen: „Wir können da nichts regeln.“ Weil der Weg durch das Schloss nicht öffentlich gewidmet ist, habe die Kommune noch nicht einmal das Recht, ein Schild aufzustellen. Die Situation sei auch deshalb verfahren, „weil leider nicht mehr miteinander gesprochen wird“.

Die Angelegenheit könne nur privat beziehungsweise zivilrechtlich geklärt werden.

Aus dem Landratsamt ist von Pressesprecherin Gabriele Hoidn Folgendes zu hören: „Wir sind dran und schauen, wie man die Situation verbessern kann, damit auch größere Fahrzeuge durchkommen.“

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