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Landkreis Donau-Ries

11.09.2019

Der Feind der Laubbäume rückt näher

Gar nicht nett, jedenfalls nicht zu unseren Laubbäumen: Weibchen mit Eigelege des Schwammspinner (Lymantria dispar).

Plus Der Schwammspinner frisst sich an den Landkreis Donau-Ries heran. Was der Schädling anrichten kann und was gegen ihn helfen könnte.

Der Feind steht schon bei Gunzenhausen und er rückt zusehends näher. So martialisch wie es sich anhört ist die Situation tatsächlich. Der Feind, der hier gemeint ist, sieht erst mal recht harmlos aus, hat es aber in sich.

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Fachleute kennen unter dem Namen Lymantria dispar, für Otto Normalbürger ist es schlichtweg der Schwammspinner. Mancherorts haben die Raupen, der inerster Linie Laubbäume angreift, rasant ausgebreitet. Förster und Waldbesitzer im Landkreis blicken mit Argusaugen darauf, was im Nachbarkreis passiert.

Rasante Vermehrung

Helmut Weixler ist Forstbetriebsleiter der Bayerischen Staatsforsten in Kaisheim. Seit einiger Zeit beobachte man, so berichtet Weixler, das Treiben des Schwammspinners gut 30 Kilometer weiter nördlich.

Der Feind der Laubbäume rückt näher

Die Raupe, um die es geht, bereitet den Förstern besonders heuer Kopfschmerzen: „Der Schwammspinner geht in erster Linie auf Laubbäume – im zweifel greift er aber alles an.“ Das Tier, eine äußerlich „unscheinbare Schmetterlingsart“ gebe es zwar schon lange in diesen breiten, jedoch längst nicht in jenen Massen wie dieses Jahr. Weixler führt die rasante Vermehrung dieser Art auf die Trockenheit der vergangenen Jahre zurück. Jene Insekten verlangen nach Wärme, Licht und Sonne – und die haben sie zuletzt reichlich bekommen.

Die Raupen des Nachtfalters finden besonders Geschmack an Laubbäumen, für den Menschen sind sie ungefährlich, im gegensatz zum Eichenprozessionsspienner, der in den letzten Jahren ebenfalls für ihn gute Bedingungen in der Region gefunden hat.

Was ist nun so schlimm an den Raupen? Schlicht und ergreifend drohe, so Weixler vom Kaisheimer Forstbetrieb, Kahlfraß: „Einen Kahlfraß vertragen die Bäume in der Regel, nach dem zweiten Mal sterben die Bäume aber in der Regel ab.“

Hubschrauber im Einsatz

Deswegen will Weixlern das Spritzen – als letztes Mittel – nicht generell verteufeln. Weixlers Kollege Manfred Faber vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Nördlingen, pflichtet dem bei: Anders sei ihnen bei einer Massenivasion kaum beizukommen. In einem vom Eichenprozessionsspinner befallenen Waldstück bei Wallerstein musste man im vergangenen per Hubschrauber spritzen. Dieses Jahr in Fremdingen und Auhausen. Freilich gebe es da stets Bedenken und teils Widerstand bei Umweltschützern, doch es handle sich nicht um eine Schwarz-weiß-Debatte, sondern immer um einen schwierigen Abwägungsprozess der Behörden, sagt Faber.

Beide Schädlinge, Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner, seien ähnlich zu bewerten. Auch Faber führt die Ausbreitung der Tiere allem voran zurück auf zuletzt gestiegene Temperaturen: „Diese Schädlinge hat man früher hier gar nicht gekannt.“ Lediglich in Gebieten mit milden Temperaturen, wie etwa der Rheinebene seien sie schon länger am Fressen. In erster Linie hülfe eine gewisse Kühle sowie Regen gegen die enorme Ausbreitung. Ansonsten wohl „leider nur die Spritze“.

Rechtlich kompliziert

Die rechtliche Situation hierfür sei indessen „kompliziert“. Denn, wie gesagt, die Behörden müssten in Sachen Pestiziden stets abwägen zwischen Waldschutz und Gesundheitsschutz. Zudem seien mitunter die direkten Zuständigkeiten nicht immer leicht durchschaubar, nämlich ob das Land, der Kreis, die Kommune, das Gesundheitsamt und das Forstamt letztlich entscheiden.

Und: Auch die politischen Entscheidungsträger sind sich hinsichtlich der Pestizide nicht ganz eins – im Umweltministerium wird nicht immer die gleiche Ansicht geteilt wie etwa im Gesundheitsministerium. Denn natürlich bedeutet ein Pestizideinsatz negative Auswirkungen auf andere, nicht-schädliche Arten, auf Biotope. Man Merkt: Die Entscheidungswege sind oftmals langwierig. Das hat den Vorteil überlegter Entscheidungen, kostet aber wertvolle Zeit, in der Wald vernichtet werden könnte.

Monitoring läuft

Aktuell finde, wie Faber erklärt, ein „Monitoring“ in den bayerischen Regionen statt. Will heißen, es wird genau beobachtet, wo die Schädlinge aktiv sind, wo Biotope sind – und wie man den Schädlingen mit welchem Mittel am besten entgegenwirken kann.

Derweil müsse zügig und gewissenhaft gearbeitet werden, denn der Wald leidet. Nicht weit von Helmut Weixlers Büro, im Daitinger Forst, sei ein Bestand zu 80 Prozent kahlgefressen worden. Was heuer eine noch schlimmere Lage verhindert habe, das sei der Schneefall gewesen. In Nordbayern hatte man weniger Glück – und nun mehr Schädlinge.

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12.09.2019

Die Quittung für den Jahrelangen Pestizideinsatz und damit die Reduzierung der Vögel die sich um die Raupen gekümmert haben .

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