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Wemding

13.02.2021

Der Schnee-Mann von Wemding

Passend zur Faschingszeit: Martin Rappenegger aus Wemding baute einen Kasper mit Narrenkappe aus Schnee.
Foto: Viktoria Gerg

Plus Martin Rappenegger baut ganz besondere Figuren aus Schnee. Damit begeistert er die Menschen in Wemding und im Internet. Was es mit seiner Schneekunst auf sich hat.

Mit einer Schubkarre bewaffnet stapft Martin Rappenegger aus Wemding los, um neues Baumaterial von den großen Wiesen vor seinem Haus zu holen. Mit einem Ruck schüttet er den Inhalt auf den eh schon großen Schneeberg vor seinem Haus und lächelt zufrieden; Endlich genug Material für sein Hobby. Rappenegger ist Schneekünstler.

Er schaut kurz auf seine Bildvorlage, kniet sich vor den Schneeberg und beginnt zu modellieren: Mit den bloßen Händen und einem Metallstab, sodass grobe Umrisse zu erkennen sind. „So, das muss jetzt zwei bis drei Stunden stehen bleiben, damit alles gefrieren kann“, sagt er und rückt seine Brille zurecht. Erst danach können die Details ausgearbeitet werden.

Der Schnee-Mann aus Wemding baute schon mehrere Figuren

Rappenegger erschuf in den letzten vier Wochen bereits zehn bis 15 Figuren, die seine Nachbarn und das Netz begeistern. Er baute Delfine, einen Frosch, eine Schildkröte und Micky Mouse. Sein neuestes Projekt ist ein VW-Bus mit Wohnwagen. „Manche Kinder kommen und fragen, was denn der Schnee-Mann schon wieder bastelt.“ So nennen sie ihn hier in Wemding bereits: den Schnee-Mann. 40 bis 50 Neugierige kommen jeden Tag bei ihm vorbei. Die Kinder schauen sich etwas ab und bauen selber schon einfachere Figuren wie Schnecken.

Mittlerweile bemalt er seine Kunstwerke auch – mit Wasserfarbe. Nicht nur, weil sie dann noch schöner aussehen, sondern damit sie besser gesehen werden: „Der Paketfahrer hat schon drei Figuren umgefahren“, verrät Rappenegger. Abends erstrahlen die Skulpturen dann in bunten Lichtern. Inspiriert habe ihn die beleuchteten Figuren des Kunstmuseums.

Sogar in der Schweiz ist der Wemdinger Schneekünstler bekannt

Während der Wemdinger an seinem VW-Bus arbeitet, kommen immer wieder Menschen vorbei, bleiben stehen und strahlen. Die meisten vermuten, dass es sich bei dem Umriss des VW-Busses um eine Schneebar handele. Rappenegger klärt sie auf, sie plaudern noch ein bisschen, schießen ein Foto für die Familie daheim und rufen ihm zu, dass sie morgen wieder kommen würden, um sich das bis dahin fertige Kunstwerk anzusehen.

Eine Skulptur, die große Aufmerksamkeit bekommen habe, ist ein Kasper mit Narrenkappe, der in einem Auto sitzt. Daran habe er circa sieben bis acht Stunden gearbeitet, doch damit soll noch nicht Schluss sein: „Ich will einen ganzen Rosenmontagsumzug bauen, solange es genug Schnee gibt und es kalt genug bleibt.“

Sogar ein schweizer Faschingsverein sei auf sein Kasperbild auf Facebook aufmerksam geworden, erzählt der 46-Jährige stolz. Normalerweise würde er jetzt mit seiner Band „Riesgaudi“ jeden Tag auf einem anderen Faschingsball spielen, aber dazu hat er eine pragmatische Einstellung: „Wir sind nicht bei ’Wünsch dir was’ sondern ’Mach was daraus’“. Natürlich könne er Trübsal blasen und schimpfen, aber er würde dadurch nichts ändern. „Ich gehe lieber raus, erschaffe mit meinen Figuren etwas Positives und mache das Beste aus der Situation.“

Das Tolle an den Schneefiguren sei nämlich, dass es jeder daheim ohne spezielles Werkzeug machen kann.

Die Skulpturen aus Schnee von Martin Rappennegger sind ein kleiner Internet-Hit geworden. Sogar in der Schweiz wurde man darauf aufmerksam.
20 Bilder
Bildergalerie: Ein Wemdinger Schnee-Künstler mit seinen Skulpturen
Foto: Martin Rappenegger

Die Idee zu seinem neuesten Projekt kam von seiner Schwester, die sich einen VW-Bulli-Oldtimer gekauft hatte. Ansonsten baue Rappenegger spontan, was ihm einfalle, je nachdem, wie viel Schnee er zur Verfügung hat. „Eigentlich ist alles denkbar, nur zum Thema Corona mache ich nichts, denn damit wird man sowieso jeden Tag konfrontiert.“

Lieblingsfiguren habe er zwar keine, aber eine habe ihm besonders gefallen: Ein auf dem Rücken liegender Hase, der aus einer Bierflasche trinkt. Auf Facebook bekam er für das Foto schnell negative Rückmeldungen, da die Menschen statt der Bierflasche einen zweiten Hasen sahen und daher ein Liebespaar in flagranti vermuteten. „Die Leute schimpfen schnell, bevor sie genau hinschauen. Als ich sie aufklärte, fanden sie es doch toll.“

Der Wemdinger baut seine Skulpturen, solange es Schnee gibt

Seine Vorliebe, Figuren zu erschaffen, begann eigentlich mit einem ganz anderen Werkstoff: mit Kürbissen. Zur Halloweenzeit schnitze er daraus die verschiedensten Figuren. Das gleiche habe er diesen Winter zum ersten Mal mit Schnee versucht. „Ich mache das vor allem zur Belustigung der Kinder“, erzählt der gelernte Elektriker. Im Sommer wolle er ein neues Material ausprobieren: Sand. Besonders gut eigne sich dafür feiner Meeressand.

Mittlerweile probiert der Wemdinger, der in seiner Freizeit gerne zeichnet, wie er Dinge ohne viel Aufwand erschaffen kann: „Man braucht nicht immer das teuerste Werkzeug oder Material, um das bestmögliche Ergebnis rauszuholen.“

Und das tut er solange ihm die Natur seinen Baustoff schenkt und die Temperaturen die erschaffenen Skulpturen wenigstens ein paar Stunden erhalten. Denn Rappenegger ist sich bewusst, dass seine Kunst vergänglich ist. Enttäuscht sei er nicht, sondern froh, etwas Sehenswertes erschaffen zu haben. Fotos erinnern ihn daran. „Außerdem komme ich dann auf die nächsten Ideen. Irgendwas fällt mir immer ein.“

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