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28.12.2007

Der tiefe Fall der SPD in Tagmersheim

Tagmersheim (wwi) - 1998 erlebte die Sozialdemokratie in der kleinen, traditionell eher konservativ geprägten Gemeinde Tagmersheim eine wahre Blüte. Da war der damalige niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder leutseliger Gast beim Sommerfest der örtlichen SPD. Die Frau an seiner Seite, Doris Schröder-Köpf, hatte den prominenten Politiker in ihr Heimatdorf gelotst und war zwischenzeitlich auch prominentes Mitglied des Ortsvereins.

Wenige Wochen später erklomm Schröder den Kanzlerthron und die SPD heimste in Tagmersheim ein historisches Ergebnis ein: Sie überflügelte bei den Zweitstimmen mit 49,6 Prozent die CSU (42,2) und auch SPD-Direktkandidatin Gabriele Fograscher übertrumpfte den CSU-Mann Hans Raidel.

Der 1989 aus der Taufe gehobene Ortsverein der Genossen zählte in dieser Hochphase bis zu 18 Mitglieder, erinnert sich Werner Nuber, einer der Gründungsväter und zuletzt Vorsitzender: "Das war für Tagmersheim gigantisch."

Bei der Bundestagswahl 2002 relativierte sich das Resultat der SPD zwar etwas, jedoch gelang es ihr im selben Jahr bei den Kommunalwahlen, in Tagmersheim erstmals drei statt bis dahin zwei Gemeinderäte zu stellen. "Es lief recht gut", blickt Nuber zurück.

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Knapp sechs Jahre später ist Gerhard Schröder nicht mehr Bundeskanzler - und die SPD vor Ort besteht eigentlich nur noch auf dem Papier, wie Werner Nuber schildert: "Der Ortsverein hat vor zwei bis drei Jahren die Aktivitäten eingestellt." Er selbst habe noch das Parteibuch, so der Ex-Funktionär, wobei er die Betonung auf "noch" legt. Zweiter Bürgermeister Robert Bartsch trat bereits vor einiger Zeit aus der Partei aus. Eine SPD-Liste wird es bei der Gemeinderatswahl im März 2008 nicht mehr geben.

Die Gründe für den Niedergang der Genossen in Tagmersheim sieht Nuber vor allem in der Bundespolitik. Dass die Verantwortlichen der SPD im Donau-Ries-Kreis der "Agenda 2010" des damaligen Kanzlers Schröder zugestimmt hätten, "ohne den Unterbezirk zu fragen", habe "einen Bruch eingeleitet". Dass die SPD einmal eine Arbeiterpartei gewesen sei, hätten die Bundespolitiker vergessen - und zwar aus Gründen des Machterhalts, so Nuber. Was bei den Themen Leiharbeit und Mindestlöhne passiert sei, "hat mit der SPD nichts mehr zu tun".

Momentan mögen es in Tagmersheim noch sieben oder acht Personen sein, die Mitglied in der Partei sind, schätzt der einstige Ortsvorsitzende. Für einen Neuanfang der SPD in der Kommune sieht er kaum Chancen: "Da schaut es schlecht aus." Wie Bartsch, so hat sich auch Nuber der neu formierten Wählergruppe Tagmersheimer Liste angeschlossen, um auf kommunaler Ebene Politik zu machen - ohne Parteiinteressen.

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