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Landwirtschaft

31.05.2016

Die Nummer 1 in der Fleckviehzucht

Familie Böhm aus Oppertshofen holte den ersten Platz unter 16000 Fleckviehzuchtbetrieben und ist damit „Fleckviehzüchter des Jahres 2016“. Im Bild vereinen sich Familienmitglieder aus vier Generationen (von hinten links): Andreas, Friedrich, Elisabeth, Eva, Johanna und Theresa Böhm.
Bild: Ariane Haubner

Der Jungzüchter Andreas Böhm aus Oppertshofen ist Fleckviehzüchter des Jahres in Deutschland. Schon im Kindesalter war für ihn sein Traumberuf klar

Sie heißen Rockstar, Irgendwann oder Evergo. Landwirt Andreas Böhm läuft durch seinen Stall in Oppertshofen und nennt sie alle beim Namen. Er kennt die Eltern, Großeltern und Urgroßeltern der teils preisgekrönten Tiere. „Bis zu zehn Generationen habe ich im Kopf, wenn ich mir meine Kühe so ansehe“, erzählt er. Dass Böhm schon als Kind wusste, dass er es seinem Urgroßvater einmal gleichtun und Fleckviehzüchter werden würde, verwundert nicht.

Nun ist der Juniorchef – zusammen mit seiner Familie – zum deutschen Fleckviehzüchter des Jahres ausgezeichnet worden. Der von der Zeitschrift Rinderzucht Fleckvieh und der Arbeitsgemeinschaft Süddeutscher Rinderzüchter ausgelobte Preis, wird jährlich an den bundesweit besten Zuchtbetrieb verliehen. In der Auswertung werden verschiedene Kriterien, wie Erfolge bei Tierschauen, die Langlebigkeit der Herde des Betriebs oder die Vererbungsleistung der Zuchtbullen berücksichtigt.

Besonders die Tierschauen sind eine große Leidenschaft des Jungbauern. In aufwendiger Detailarbeit werden die Kühe dann schick gemacht und den Preisrichtern vorgeführt. „Es gibt sogar professionelle Kuhfitter“ erzählt Böhm. Wie bei einer Modeschau die Models, richten die sogenannten Fitter dann mit Kamm, Schere und Schminke ausgestattet die Kühe her. Vor allem auf einen geraden Rücken und pralles Euter kommt es den meisten Preisrichtern an.

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„Das perfekte Fleckvieh gibt es aber nicht“, meint Böhm. Denn jedes Tier sei individuell zu betrachten. Ein gutes Geschäft jedoch, erzählt der Züchter, mache er mit Bullen, die hornlos sind und deren Töchter viel Milch geben. Bullen, die nicht zur Zucht geeignet sind, verkauft der Landwirt an die Mast. Welche Eigenschaften ein Bulle mitbringt, das wird heute im Labor bestimmt. „Gleich nach der Geburt schicke ich eine Gewebeprobe des Tiers ein“, sagt Böhm. Untersucht wird dort das gesamte Genom der Stiere. Anhand dieser Untersuchungen kann man erkennen, welche Eigenschaften der Stier einmal an seine Töchter weitergeben wird und muss nicht mehr – wie früher – jahrelang warten, bis die Töchter eines Stiers geboren wurden, um zu wissen, welche Merkmale vom Vater vererbt wurden.

Auf seinem Hof hat der Landwirt aus Oppertshofen etwa 30 Zuchtbullen und 140 Milchkühe. Bereits nach anderthalb Jahren werden die Kühe das erste Mal trächtig, um permanent Milch geben zu können. Die Aufgabe des Züchters ist es dann, einen möglichst geeigneten Vater für die nachfolgende Generation zu finden. Dazu werden in speziellen Fachmagazinen potenzielle Bullen vorgestellt, deren Sperma dann etwa bei der Besamungsstation in Höchstädt bestellt werden kann. Bulle Watzmann, dessen Mutter Latina heißt und in einem Stall in Reichelsheim lebt, steht beispielsweise in einem dieser Magazine, hat eine schmale Hüftbreite, kleine Kreuzhöhe, seichte Rumpftiefe und einen tiefen Euterboden.

Es geht nicht nur um eine besonders schöne Kuh

„Die Geschmäcker sind da verschieden“, erzählt Andreas Böhm. Das Genmaterial eines Bullen lasse sich ohnehin nicht beeinflussen. Ihm aber seien Tiere „mit großem Kaliber“, also eher schwer und massig, am liebsten. Denn anders als etwa die amerikanischen Holsteinkühe, eignet sich das Fleckvieh des Oppertshofers sowohl zur Milch- als auch zur Fleischproduktion. Momentan aber rentiere sich der Milchverkauf überhaupt nicht mehr, klagt der Bauer. Schon seit Langem fordern Landwirte den Mindestpreis von 40 Cent pro Liter Milch. Heute aber, seien sie von diesem Verkaufswert weit entfernt. „Es kann doch einfach nicht sein, dass eine Tüte Milch im Supermarkt günstiger ist als eine Plastiktüte“, meint Böhm.

Abgesehen vom sinkenden Milchpreis jedoch, ist der Beruf des Landwirts der Traumberuf des Jungbauern. Sichtlich stolz ist Andreas Böhm auf die Auszeichnung zum Fleckviehzüchter des Jahres. „Weil man viele Kriterien erfüllen muss für diese Auszeichnung. Da geht es nicht nur um eine besonders schöne Kuh“, erklärt der Landwirt. Bei der bundesweiten Auswertung schafften es unter den rund 16 000 in Frage kommenden Fleckvieh-Zuchtbetrieben lediglich 56 in die Endauswertung. Für Familie Böhm war es die erste Teilnahme am Wettbewerb.

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