1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Die Rückkehr des Waldrapp

Marxheim-Graisbach

15.03.2019

Die Rückkehr des Waldrapp

Thomas Rotzer hat auf einer Wiese bei Graisbach diesen Waldrapp gesichtet.
Bild: Thomas Rotzer

Faktisch ist der Vogel in Europa ausgestorben. Ein Projekt versucht ihn wieder anzusiedeln. Einer ist von Österreich nach Graisbach geflogen.

Faktisch ist der Waldrapp in Europa ausgestorben. Vielleicht ist Koko der erste seiner Art, der es seit dem 17. Jahrhundert in den Landkreis Donau-Ries geschafft hat. Bis dahin war der Vogel auch in der Region heimisch, durch ständige Jagd wurde er ausgerottet. Auf einer Wiese am Ortsrand des Marxheimer Ortsteils Graisbach hat Thomas Rotzer nun den Waldrapp entdeckt. „Nachdem mir die Vogelart nicht geläufig war, machte ich ein Foto von ihm“, schreibt Rotzer an unsere Redaktion. Er informierte auch an den Bund Naturschutz Bayern. Der bestätigte ihm, dass es sich um den Waldrapp handelt. Koko heißt er und stammt von der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle im Grünalmtal in Oberösterreich – anhand seiner Beringung lässt sich das erkennen. Die scheckige Glatze, der markante, lange, rote Schnabel machen den skurrilen Vogel aus. Sein Gefieder ist pechschwarz, er wiegt bis zu 1,5 Kilogramm und ist ausgewachsen zwischen 60 und 75 Zentimetern lang.

Leichte Beute für einen Greifvogel

Anfang der 2000er-Jahre entschied sich die Europäische Union dazu, die Wiederansiedlung des Waldrapp zu fördern. Ziel des Projekts ist es, den Zugvogel bis 2019 wieder heimisch zu machen. Eine Institution, die das Verhalten der Waldrappe untersucht, ist die Forschungsstelle in Österreich. Rund 35 Waldrappe leben dort, wobei diese Zahl schwankt, teilt Verena Pühringer-Sturmayr von der Forschungsstelle mit. „Wenn der Boden komplett mit Schnee bedeckt ist, ist der Waldrapp eine einfache Beute für Greifvögel“, erklärt Pühringer-Sturmayr. Um Koko zu orten, ist sie auf Sichtmeldungen angewiesen. Denn an dem Waldrapp, der momentan in Graisbach gastiert, ist kein Sender angebracht. Viele Jungtiere mit einem Sender seien gefressen worden oder abgestürzt. „Ich denke, dass er sich einen Ort gesucht hat, an dem weniger Schnee liegt“, vermutet die Expertin. Es komme häufig vor, dass männliche Jungtiere, wie auch Koko eines ist, sich von der Gruppe abwenden und losfliegen. Normalerweise lernen die Zugvögel ihre Route und das Wintergebiet von erfahrenen Artgenossen – also beispielsweise den Eltern. Nur ist das in dem Fall ja nicht möglich, da der Waldrapp seit rund vier Jahrhunderten quasi ausgestorben ist.

Viele der Waldrappe werden in Italien abgeschossen

Eine enge Kooperation betreibt die Forschungsstelle mit dem Waldrappteam. Das wird von der EU unterstützt und betreibt Brutkolonien in Kuchl im Land Salzburg, im baden-württembergischen Überlingen und im bayerischen Burghausen. Küken bekommt das Waldrappteam unter anderem von der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle. Seit 2014 versucht das Team, dem Waldrapp den Flug ins Wintergebiet in der südlichen Toskana zu zeigen. Ein Problem mit dem die Wiederansiedler aber immer wieder zu kämpfen hätten, sei der illegale Abschuss der Vögel, vor allem in Italien, erklärt Pühringer-Sturmayr. Rund 60 Prozent der Todesfälle gingen auf den Abschuss zurück-

Ob Koko wieder zu seiner Gruppe zurückkehrt, könne sie nicht sagen. „Manchmal kommen sie wieder“, sagt Pühringer-Sturmayr. Wie lange sich der junge Waldrapp in Nordschwaben aufhält, wird sich also zeigen.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren