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09.01.2019

Donauwörther Schüler zwischen Skispaß und Lawinengefahr

Der Zwölferkogel bei Saalbach-Hinterglemm (Österreich) auf einer Höhe von 1500 Metern gestern Nachmittag. In diesem Skigebiet sind auch Donauwörther Schüler unterwegs. Dichtes Schneetreiben herrscht derzeit im Alpenraum und die Wetterprognosen sagen weiteren Schnee vorher.
Bild: Saalbach-Webcam

Plus 80 Gymnasiasten aus Donauwörth verbringen trotz extremer Schneefälle ihre Skiwochen in Österreich. Ob ihre Heimreise nach Plan läuft, ist unsicher.

Am Sonntag starteten planmäßig 80 Schüler aus drei achten Klassen zusammen mit sieben Lehrkräften des Donauwörther Gymnasiums in ihre Wintersportwoche. Ihr Ziel: das 300 Kilometer entfernte Saalbach-Hinterglemm, südwestlich von Salzburg gelegen. Der Urlaubsort in den österreichischen Alpen ist vor allem für seine Skigebiete – als „Skicircus“ – bekannt. Die Wintersportwochen dort gehören seit Jahren fest zum Unterrichtsprogramm am Donauwörther Gymnasium. Doch diesmal verläuft nicht alles nach Plan.

Schon allein die Anfahrt gestaltete sich wetterbedingt deutlich länger als gewohnt. Vier Stunden Fahrtzeit sind bei normalen Straßenverhältnissen machbar – die heftigen Schneefälle sorgten dafür, dass es diesmal elf Stunden dauerte, bis Lehrer und Schüler am Ziel waren. Der Vater einer Schülerin erzählte gegenüber unserer Zeitung: „Um 18.30 Uhr hab ich eine Nachricht meiner Tochter erhalten, dass sie nun endlich an Ort und Stelle angekommen sind.“

In Saalbach-Hinterglemm liegen 120 Zentimeter Schnee

In Saalbach-Hinterglemm herrscht derzeit die zweithöchste Lawinenwarnstufe. Und bis zum Wochenende soll es weiter stark schneien. Bei manchen Eltern der 80 Schülern lösen solche Wetterverhältnisse Beunruhigung aus. Wie gefährlich ist es im Skigebiet? Und kommen die Kinder auf schneeglatten Straßen wieder sicher nach Donauwörth zurück?

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Oberstudiendirektor Karl Auinger, Leiter des Donauwörther Gymnasiums, betont, dass die begleitenden Lehrer ausnahmslos erfahrene Kollegen sind. „Ich weiß die Klassen in guten Händen“, versichert der Schulleiter. Die Sorgfaltspflicht sei aufgrund der aktuellen Wetterlage noch höher gesetzt als üblicherweise. Wie Auinger betont, können sich die Schüler nicht ohne Aufsicht außerhalb des Quartiers bewegen.

Was tun, wenn die Donauwörther Gruppe festsitzt?

Eigentlich sollen die Jugendlichen der Klassen 8a, 8b und 8c am morgigen Freitagvormittag wieder ihre Heimreise antreten. Doch angesichts von Schnee und Glätte könnte es auch eine Planänderung geben. Zunächst stand eine vorzeitige Rückfahrt für den heutigen Donnerstag im Raum. „Doch das haben wir wieder verworfen“, teilt der Schulleiter mit.

Der Wetterbericht kündigt für die kommenden Tage erneut Schnee in der österreichischen Alpen an. Aufgrund dessen besteht weiterhin auch das Risiko, dass die Donauwörther Gruppe in Saalbach-Hinterglemm eingeschneit wird. Eine Heimreise wäre dann nicht möglich. „Das wäre natürlich für uns der absolute Super-Gau“, sagt Auinger. Aus seiner Sicht sei es aber sicherer, wenn die Kinder in diesem Fall noch einen Tag länger in der Herberge bleiben, statt mit dem Schulbus unter schwierigen Straßenverhältnissen die Fahrt zurück anzutreten.

Karl Auinger: „Die Schneemengen begeistern die Schüler“

Vorläufig aber tummeln sich die Achtklässler – vom Anfänger bis zum guten Skifahrer ist alles dabei – mit ihren Skilehrern munter auf den Pisten. Karl Auinger weiß aus den täglichen Telefonaten mit seinen Kollegen, die in Saalbach-Hinterglemm dabei sind, dass das sportliche Programm weitgehend planmäßig durchgezogen werden kann. „Die Schneemengen begeistern die Schüler“, weiß Auinger aus den Berichten der Lehrer. Die Pisten im unteren Bereich seien alle befahrbar. Nur eine Piste in höherer Lage war aufgrund stürmischen Winds gesperrt. „Wie ich mitbekomme geht es den Kindern sehr gut“, sagt der Oberstudiendirektor. Von schlechter Stimmung bei den Schülern keine Spur – trotz des Schneechaos.

Unterdessen bedeutet der viele Schnee für Skifreunde in der Region eher Verzicht auf den Spaß. Großen Respekt vor den heftigen Schneefällen in den Alpenregionen hatten bereits die Wintersportfreunde Tapfheim am Wochenende. Der wohl größte Skiverein im Landkreis mit 45 Übungsleitern hätte am 5. Januar gerne seine Saison der Skikurse begonnen. Rund 160 Kursteilnehmer hatten sich darauf gefreut, 120 von ihnen sind im Alter zwischen sechs und 16 Jahren. Doch Vorsitzender Jürgen Schlund und sein Team haben kurzfristig reagiert und beschlossen, auf Nummer Sicher zu gehen und daheim zu bleiben.

Wenn mehr Zeit auf der Strecke als auf der Piste vergeht

Der Verein steuert üblicherweise das Skigebiet Ehrwalder Alm in der Zugspitz Arena an. „Um dorthin zu kommen brauchen wir im Normalfall zweieinhalb bis drei Stunden“!, sagt Schlund. „Für uns gilt die Faustregel: Wenn zu erwarten ist, dass wir mehr Zeit auf der Straße verbringen, als auf der Piste, dann lassen wir es sein. Am Samstag haben wir mit vier Stunden Hin- und fünf bis sechs Stunden Rückfahrt gerechnet.“

Für die kommenden Wochenenden legt sich der Vorsitzende noch nicht fest. „Wir haben momentan zwei unserer Skilehrer mit ihren Familien vor Ort, die uns verlässliche Informationen zur aktuelle Lage geben können“, sagt Schlund. „Am Donnerstagabend oder Freitag entscheiden wir dann, ob die Kurse am Samstag stattfinden.“

DAV Donauwörth: „Da geht man halt langlaufen“

Beim der Donauwörther Sektion des Deutschen Alpenvereins gibt es eine klare Regel: „Wenn der Hauptverein vor Lawinen warnt, dann fahren wir nicht in die Berge“, sagt die Vorsitzende Claudia Reichensberger. Beim DAV geht man gemeinsam auf Skitouren – also erklimmt die Gipfel mit speziellen Skiern zu Fuß und fährt dann ab. Ein Ausbildungskurz wäre am 12. Januar geplant und eine Woche später eine Tour im Tannheimer Tal. „Im Zweifelsfall wird das nichts werden“, sagt Reichensberger.

Sie rät einfach zu anderem Spaß im Schnee: „Da geht man halt langlaufen“, rät sie. „Nur weil Abfahrt oder Skitouren nicht möglich sind, kann man sich ja trotzdem im Schnee sportlich betätigen.“

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