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Blindheim/Donauwörth

26.10.2015

Ein Jahr nach der Operation: Der kleine Ben kann schmerzfrei toben

Ein Jahr nach der Operation kann Ben Kirschke  mit Hund Kessy toben.
Bild: Bronnhuber

Im Oktober 2014 nahm ein amerikanischer Spezialist einen schweren Eingriff bei dem Vierjährigen aus Blindheim vor. Wie es dem Bub und seinem „Babybein“ heute geht.

Verschämt lacht Ben und dreht sich weg. Mit seinem Pulloverärmel versucht er die rote Schramme auf seiner rechten Backe zu verstecken. „Da ist nichts“, sagt er und rennt zu Hündin Cassy. Mama Juliane Kirschke lacht. Sie weiß genau, woher ihr Sohn den Kratzer hat. „Im Kindergarten wollte er mit Freunden eine Falle im Gebüsch bauen. Tja, und dann ist es passiert“, erzählt sie. Typisch für Ben. Immer ganz vorne dabei. „Ich kann es mir richtig vorstellen, wie es abgelaufen ist“, sagt Juliane Kirschke, schnappt sich Ben und drückt ihn an sich. Ganz fest, bis der Vierjährige freudig aufspringt. Was sich für viele Eltern wie der ganz normale Alltag mit Kindern in Bens Alter anhört, ist für Familie Kirschke aus Blindheim nach wie vor besonders. Denn noch vor einem Jahr hätte Ben nicht so unbeschwert mit seinen Kumpels im „Kindi“ toben können – auf jeden Fall nicht schmerzfrei. Heute kann er es. Mit knapp fünf Jahren zum ersten Mal.

Ben ist am 20. Oktober 2010 mit der Diagnose „Proximal femoral focal deficiency (PFFD) mit Fibula-aplasie“ auf die Welt gekommen. Aufgrund der Krankheit hatte er schlimme Hüft- und Knieprobleme, einige Fehlstellungen, und sein linkes Bein – er nennt es „Babybein“ – ist stark verkürzt. Aber dank einer Operation vor einem Jahr, am 8. Oktober, mit einem amerikanischen Spezialisten, der extra für den Blindheimer Buben nach Augsburg eingeflogen ist, wurden einige wichtige Korrekturen vorgenommen. Wie berichtet, wurde diese schwierige Operation mit dem weltweit anerkannten Facharzt Dr. Dror Paley nur möglich, weil Menschen aus der Region und darüber hinaus für den kleinen Ben gespendet hatten.

Denn die Operation war sehr teuer – rund 40000 Euro. Als die Heimatzeitung aber über das Schicksal des Buben berichtete, begann eine einzigartige Spendenwelle. Mit Erfolg. Bei dem sechsstündigen Eingriff wurden 50 verschiedene einzelne Schritte auf einmal gemacht. Es kam sogar so viel Geld zusammen, dass es für eine zweite Operation reichen würde – der erste Eingriff, um das kleine Bein zu strecken. Momentan wird das Geld auf dem Spendenkonto der Stiftung verwaltet. Es ist für Ben reserviert. Denn aktuell ist eine zweite Operation nicht in Sicht, wie Mama Juliane erzählt. Zwar seien die Ärzte, auch Dr. Paley, mit dem bisherigen Heilungsverlauf zufrieden. „Aber es ist noch nicht so weit wie gehofft“, erzählt sie. Bei einer Röntgenaufnahme in der vergangenen Woche habe man zwar gesehen, dass eine Verknöcherung stattfinde, es aber noch dauern würde, bis an einen zweiten Eingriff gedacht werden könne. Juliane Kirschke: „Bei gesunden Kindern hätte man nach drei Monaten schon einen Erfolg gehabt, bei Ben dauert es einfach viel länger. Hinzu kommt, dass er einfach eine schlechte Knochensubstanz hat.“

Wichtig sei aber vorrangig, dass die kaputte Hüfte gerade gestellt wurde. „Vor allem aber sind wir einfach glücklich, dass er keine Schmerzen mehr hat. Das ist ein Riesenerfolg. Dafür hat es sich gelohnt. Alles andere braucht Zeit, und dann sehen wir weiter.“ Weil Ben aber ganz normal wächst – eben nur das „Babybein“ nicht schnell genug –, braucht er in diesem Jahr noch eine neue Orthoprothese. Aber daran habe sich der tapfere kleine Mann schon gewöhnt. „Er hat sie den ganzen Tag an, das ist normal für ihn. Nur zum Entspannen und Schlafengehen zieht er sie aus. Den Rollstuhl benutzen wir auch nur, wenn wir länger spazieren gehen“, sagt Juliane Kirschke. Denn Ben kann mittlerweile richtig rennen, klettert die Treppen mit seiner ganz eigenen Technik in Windeseile hoch, saust mit dem Fahrrad durch die Gegend und tobt mit Hündin Cassy. Dank ihr, erzählt die Mama, habe er auch noch mal einen richtigen Schub gemacht. Seit ein paar Monaten lebt die Hündin bei Kirschkes und habe Ben vor allem dabei geholfen, das Erlebte zu verarbeiten. „Momentan will er sich nicht operieren lassen und sagt, dass er sein Babybein so mag. Das braucht Zeit.“ Denn auch wenn er viele Dinge endlich so machen kann wie ein ganz normaler Bub, so ist sein Alltag weiterhin bestimmt von Physiotherapie, Krankengymnastik, Logopädie, Schwimmen und Therapiereiten. „Ben hat viele Termine“, sagt Juliane Kirschke und schmunzelt.

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