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Wirtschaft

14.11.2012

Ein „Repräsentant des Erfolgs“

Kopfhörer, Taschen und PC-Mäuse – Christoph Thomas mit einigen wenigen der insgesamt 16800 Produkte, die Hama vertreibt.
Bild: Wolfgang Widemann

Christoph Thomas ist seit 25 Jahren geschäftsführender Gesellschafter der Firma Hama in Monheim. Stetiger Wandel und rasantes Wachstum prägten diese Zeit

Monheim Es gibt Menschen, die drängeln sich morgens mit Gleichgesinnten vor einem Elektronikgeschäft, um als einer der Ersten ein bestimmtes Smartphone-Model kaufen zu können. Andere Menschen fallen in Glückseligkeit, wenn sie den größten Flachbildschirm im Wohnzimmer ihr Eigen nennen oder eine sündteure, chromblitzende, vollautomatische Kaffeemaschine den Mittelpunkt der Küche bildet. Christoph Thomas gehört nicht dazu.

„Ich bin eigentlich ganz anders“, verrät der 53-Jährige. Er besitze ein iPhone4 „mit relativ wenigen Apps“. In seinem Büro hat er keinen Computer. Eigentlich habe er gar keine Zeit, stundenlang vor dem Bildschirm zu sitzen. „Ich lasse mir die Dinge von meinen Mitarbeitern aufbereiten“, berichtet Thomas. Auf dieser Grundlage treffe er Entscheidungen.

Das sind ziemlich viele – und sie haben sehr viel mit Elektronik und Technologie zu tun. Christoph Thomas steht seit 25 Jahren als geschäftsführender Gesellschafter an der Spitze der Firma Hama in Monheim. In dieser Zeit hat das Unternehmen, das sich selbst als „Zubehörspezialist“ bezeichnet, einen stetigen Wandel, verbunden mit einem rasanten Wachstum erlebt.

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Das Sortiment hat sich gewandelt

Der Jahresumsatz stieg seit 1987 von knapp 32 auf rund 511 Millionen Euro, die Zahl der Mitarbeiter in Monheim von gut 300 auf mehr als 1500. Dies sei ebenso wenig vorhersehbar gewesen, wie der Wandel im Sortiment. Mitte der 80er Jahre belieferte Hama noch schwerpunktmäßig den Fotofachhandel. Foto Quelle und Foto Porst waren wichtige Kunden. Der Einstieg von Thomas in die Geschäftsführung fiel in die Zeit, in der die ersten großen Elektromärkte wie Pilze aus dem Boden schossen. Video löste die Super-8-Kameras ab, die Fachmärkte durften Telefone verkaufen, CD-Spieler und PC gehörten bald zur Standardeinrichtung einer Wohnung. „Wir haben stets das Zubehör dazu geliefert“, so der Manager.

Der musste sich 1987 in der Chefetage nicht groß einarbeiten. Nach dem Studium der Betriebswirtschaft in Nürnberg und einem Jahr in den USA sammelte er Erfahrung in der Hama-Niederlassung in Frankreich und verbrachte zwei Jahre in Japan, um dort ein Management-Trainingsprogramm zu absolvieren. „Parallel dazu bin ich langsam mit der Branche verwachsen“, schildert Thomas. Soll heißen: Er war beispielsweise als Verkäufer in Fotogeschäften tätig. Der Vertrieb habe ihm schon immer am meisten Spaß gemacht.

Dennoch: Was er in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten erlebte, habe er nicht im geringsten geahnt. Die Verantwortung sei riesengroß und belaste bisweilen enorm. „Glücklicherweise besitze ich die Gnade eines guten Schlafs“, sagt Thomas, Vater einer Tochter. In dieser Branche müsse man jeden Tag schauen, bessere und schönere Produkte auf den Markt zu bringen – und dabei schneller zu sein als die Konkurrenz.

Darin liege das Erfolgsrezept von Hama: „Wir sind innovativ, haben die Hand am Puls des Marktes und eine extrem hohe Kundenorientierung.“ Die Einzelhändler entscheiden sich für Hama oft nicht, weil sie von dort die Ware am billigsten bekämen, „sondern weil wir die Zuverlässigsten und die Besten sind“.

Rund 100 Millionen einzelne Artikel verkaufte das Monheimer Unternehmen im vorigen Jahr. Das Sortiment umfasst derzeit etwa 16800 verschiedene Produkte – auch Schulranzen, Espressotassen und Staubsaugerbeutel. Die Ware ist im Logistikzentrum auf fast 100000 Paletten gelagert. 50 Prozent des Umsatzes werden mit Artikeln erzielt, die nicht älter als drei Jahre sind.

Weil er nach eigenem Bekunden „in der Seele noch immer ein Vertriebsmann ist“, legt Christoph Thomas großen Wert auf ein enges Verhältnis mit den Kunden. In Monheim ließ er eigens einen alten Bauernhof zu einem außergewöhnlichen Treffpunkt samt Schwimmteich und Beachvolleyballfeld um- und ausbauen. Regelmäßig werden dort Geschäftspartner empfangen und bewirtet. Dann öffnet der Unternehmer auch die Tür zu einem exklusiven Gewölberaum. „Ich habe keinen Porsche, keinen Ferrari und kein Haus auf Mallorca, aber einen Weinkeller“, so der bekennende Liebhaber des Rebensafts.

Zufriedene Mitarbeiter liegen ihm am Herzen

„Ich betrachte unsere Kunden als Freunde“, sagt Christoph Thomas. Er wolle mit ihnen – auch nach harten Verhandlungen – auf lockere Art kommunizieren und nicht steif im Restaurant sitzen: „Das bin ich, das lebe ich.“ So lägen ihm auch zufriedene Mitarbeiter am Herzen: „Wir haben eine geringe Fluktuation und ein gutes Betriebsklima.“ Auf die Belegschaft sei er ohnehin sehr stolz, denn die erledige die Arbeit: „Ich bin der Repräsentant des Erfolgs.“

Christoph Thomas, der zusammen mit seinem Onkel Rudolph Hanke an der Spitze der Firma steht, hofft, dass Hama auch im Jahr 2037 noch in Familienhand sein wird. In naher Zukunft werde die Geschäftsführung verjüngt und erweitert, kündigt Thomas an.

Der legt ein klares Bekenntnis zum Standort Monheim ab. Bekanntlich ist Hama der mit Abstand größte Gewerbesteuerzahler und hat entscheidenden Anteil daran, dass die knapp 5000 Einwohner zählende Kommune bestens dasteht. „Ich bin mit Herz und Seele ein Monheimer“, bekundet der Betriebsjubilar, der in der Faschingsgesellschaft Gailachia unter anderem als Hofmarschall aktiv war.

Ob das Unternehmen weiter derart gedeiht, könne man nicht vorhersagen: „Wir würden es uns wünschen.“ Aktuell sinke der Umsatz im Ausland, „in Deutschland sind wir noch sehr zufrieden“. Allein 120 Mitarbeiter im Produktmanagement halten weltweit Ausschau nach neuen Entwicklungen. Mit welcher Ware Hama in 25 Jahren handelt, das wisse niemand: „Es wird dann garantiert nicht sehr ähnlich wie heute sein. Es wird nicht nur Evolutionen, sondern auch Revolutionen geben.“ Entscheidend sei, rasch die Zeichen der Zeit zu erkennen.

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