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Konzert

25.07.2020

Ein flüchtiger Augenblick des Glücks

Anna Fusek und Gianluca Geremia bei ihrem begeisternden Kirchenkonzert mit venezianischer Musik.
Bild: Ulrike Hampp-Weigand

Mit Anna Fusek und Gianluca Geremia gastieren zwei hochkarätige Virtuosen in Mertingen. Sie bringen betörende venezianische Musik mit

Drei Jahrhunderte venezianische Musik, von der Renaissance bis in den Hochbarock – das Programm des Konzertes mit den Musikern Anna Fusek und Gianluca Geremia versprach unter dem Titel „Scharlachrotes Venedig“ viel unbekanntes, wunderschönes Musizieren. Musik der Serenissima – der geschichtliche Hintergrund dieser Sehnsuchtsstadt machte neugierig!

Anna Fusek, international höchst begehrte Interpretin für Barockmusik, spielte auf mehreren Flöten und ihrer Barockgeige; sie wurde begleitet von Barocklaute und Theorbe, beide gespielt von Gianluca Geremia, einem international begehrten Lautenisten, wie sie regelmäßig mit den besten Interpreten alter Musik konzertiert. Il Pomo d’oro, Les Musiciens du Louvre, Orchestra of the National Academy of Santa Cecilia, Orchestra of the La Fenice Theater, Mare Nostrum, Venice Baroque Orchestra seien nur beispielhaft genannt. Kurzum: Zwei hochkarätige Virtuosen brillierten in diesem Konzert.

Mit einem Programm, für ein Festival in Venedig konzipiert, mit dem sie im Dezember 2019 dort gefeiert wurden. Weitere Konzerte fielen Corona zum Opfer. Mertingen war, zur riesengroßen Freude der Interpreten – und auch der Besucher –, für beide das erste Konzert nach dem Lockdown.

Bis auf die „Sonata in Re“ aus den „Concerti ecclesiastici“ von Giovanni Paolo Cima kamen ausschließlich Kompositionen venezianischer Musiker zu Gehör. Musik, die im Markusdom oder einer der zahlreichen Kirchen ebenso gespielt wurde (Claudio Monteverdi war ja Kapellmeister von San Marco, Biagio Marini und Dario Castello seine Schüler) wie in den Palästen der Adligen.

Werke von Komponisten aus der Spätrenaissance standen am Beginn – einleitend das „Tastar de corde“ vom Komponisten Joan Ambrosio Dalza, wohl 1508 entstanden – ein polyfones, sehr verinnerlichtes, nachdenkliches und extrem schwer zu spielendes Werk. Anna Fusek spielte ihre eigene Melodie auf einer warmtönenden, verhalten klingenden Tenorflöte, einem Nachbau eines historischen Instrumentes. Es war ihr Blick auf die Pandemie. Gianluca Geremia spielte im ersten Teil seinen Part auf seiner fein klingenden Renaissancelaute.

Im zweiten Teil erklang Musik aus dem Frühbarock – das Zeitalter des Generalbasses war angebrochen. Die Laute wurde von der grandios gespielten Theorbe abgelöst, Flöten und die schön klingende Geige lösten sich ab, die Musik klang vertrauter. Geremia vereinte meisterhaft sowohl den Basso continuo als auch seine Melodielinie. Darüber oszillierte Fusek mit ihrer funkelnden Sopranflöte.

Von Biago Marini die „Sinfonia Terzo Tuono“, von Dario Castello die „Sonata Prima“ und hinreißend, mit sprühender Leichtigkeit, aus den „Scherzi musicali“ von Claudio Monteverdi – dem Erfinder des Basso continuo – „Dolce miei sospiri“, „I bei legami“ und „Damigella tutta bella“.

Dann gab es Musik aus dem Hochbarock – von Tomaso Albinoni, dem berühmten Komponisten und Hersteller von Spielkarten, der 1722 vom bayerischen Kurfürsten Maximilian II. Emanuel zur Hochzeit von dessen Sohn Karl Albrecht (dem späteren Kaiser Karl VII.) den Auftrag erhielt, eine Oper zu komponieren und sie in München zu dirigieren. Aus den „Trattimenti Armonici op. 6“ gab es die Sonata VII in D-Dur mit einer anrührend kan-tablen Solostimme der Violine. Benedetto Marcello beschloss mit der Sonata no. 12, op. 2, mit der von Anna Fusek, mit reichem Atem, virtuos gespielten Altflöte das Konzert.

Lang anhaltender, begeisterter Beifall dankte den Interpreten für diese faszinierende Musikfolge, die, von zwei außergewöhnlichen Musikern exquisit und einfühlsam präsentiert, reiches Glück zu erzeugen in der Lage war.

Zwei Zugaben – die erste vom berühmtesten der Komponisten Venedigs, Antonio Vivaldi. Zauberhaft gespielt auf einer Sopranino-Flöte. Die zweite Zugabe war ein modernes Stück auf der Geige, wunderbar atmend dargeboten. Sie legte noch einmal begeisternd Zeugnis ab von dem überragenden Können der beiden Interpreten – und von dem musikalischen Reichtum, der in der großen Zeit der Serenissima in ihren Mauern anzutreffen war.

Das Konzert geriet zu einem leider nur flüchtigen Moment reinen Glückes. Auch dieses Konzert war schon in kürzester Zeit ausverkauft gewesen.

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