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Kirchenmusik

29.03.2019

Ein ganz besonderes Instrument kehrt zurück

Von der Niederschönenfelder Orgel steht derzeit nur die äußere Hülle, der sogenannte Prospekt. Das eigentliche Instrument wird bekanntlich saniert und wird ab Mai wieder an Ort und Stelle montiert.
Bild: Heinrich Riegler

Die Sanierung der kostbaren Prescher-Orgel in Niederschönenfeld geht in ihren Endspurt. Ab Mai wird sie wieder aufgebaut. Doch damit verbunden ist auch eine Überraschung, denn es wird dann sogar eine zweite Orgel geben

Es ist so weit: Nach Jahren des Überlegens, Planens und Spendensammelns kann voraussichtlich am letzten Oktoberwochenende 2019 die restaurierte Barockorgel der Wallfahrtskirche Niederschönenfeld eingeweiht werden. Die Gemeinde erhält dadurch ein Kulturgut von nationalem, ja europäischem Rang, das der Kirchengemeinde die Chance gibt, Kirchenmusik von hoher Qualität einem auch überregionalen Publikum zu präsentieren und dadurch die historische Bedeutung des Zisterzienserinnenklosters Niederschönenfeld – nach der 750-Jahr-Feier im Jahr 1992 – wieder mehr ins Bewusstsein zu rücken.

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Was ist das Besondere an der Orgel des berühmten Baumeisters Paul Prescher aus Nördlingen? Durch musikwissenschaftliche und -historische Untersuchungen hat sich gezeigt, dass die Pfeifen nahezu in Gänze im Original des Einweihungsjahres 1683 erhalten sind. Dies ist für Orgeln aus dieser Zeit im europäischen Raum nahezu einzigartig. Die Pfeifen der meisten Orgeln fielen etwa den Folgen vor allem des Ersten Weltkriegs zum Opfer: Das Blei wurde anderweitig benötigt, die Pfeifen wurden eingeschmolzen.

Nicht so in Niederschönenfeld. Dort besteht die einmalige Chance, den originalen Orgelklang wiederherzustellen; so, wie er von Paul Prescher ursprünglich angelegt war und wie es dem damaligen Verständnis guter, echter Kirchenmusik entsprach.

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Dieser Originalklang mit der entsprechenden Stimmung kann nur durch eine umfassende Restaurierung der Orgel erreicht werden. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die ursprüngliche Orgel mit den besten Absichten der jeweiligen Beteiligten und auch mit großem finanziellen Aufwand umgebaut und somit dem jeweiligen „Zeitgeist“ angepasst. So sind zuletzt in den 1960er-Jahren umfangreiche Erweiterungen, Umbauten und auch Änderungen an Klang und Stimmung erfolgt, die aus heutiger Sicht nicht nur den originalen Klang weiter zerstört, sondern auch zu technischen Schwierigkeiten geführt haben, die sich etwa durch hängenbleibende Töne (Heuler) bemerkbar machten.

Der historische Befund hat das Amt für Kirchenmusik der Diözese Augsburg, aber auch das Landesamt für Denkmalpflege dazu veranlasst, zu dieser grundlegenden Restaurierung dringend zu raten. Diesem Rat sind Orgelverein und die Kirchengemeinde gefolgt: Mit der Firma Klais aus Bonn konnte eine der renommiertesten Orgelbaufirmen Europas gewonnen werden.

Mitglieder des Orgelvereins und der Kirchengemeinde, begleitet von Herrn Pfarrer Jörg Biercher, konnten sich im vergangenen Jahr in Bonn persönlich ein Bild von der hohen Qualität der Arbeit des Orgelbaumeisters Klais machen. Der historische Befund und die Entscheidung zur historischen Restaurierung haben entscheidend dazu geführt, dass die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, Ministerin Monika Grütters, die Maßnahme mit insgesamt 187500 Euro gefördert hat. Dies war unter anderem mit tatkräftiger Unterstützung des Abgeordneten Ulrich Lange möglich. Auch weitere Fördermittel waren bewilligt worden.

Hätte man auf die historische Restaurierung verzichtet, wären nach Schätzungen rund 250000 Euro erforderlich gewesen, um die insgesamt marode Orgel wieder in spielbaren Zustand zu versetzen. Fördermittel hierfür wären kaum zu erwarten gewesen. Derzeit beläuft sich der noch offene Finanzierungsbetrag der gesamten Maßnahme auf etwa 140000 Euro.

Seit Mitte Februar läuft nun der Aufbau der Orgeln. Begonnen wurde mit der zweiten Orgel, die ihren Platz auf dem nördlichen Seitengang unmittelbar bei der Orgelempore finden wird. Warum diese zweite Orgel? Die Restaurierung der Hauptorgel führt dazu, dass etliche Pfeifen und Register, die im Lauf der Jahrhunderte eingebaut wurden, sich künftig in der Hauptorgel nicht mehr finden werden, da diese den wertvollen historischen Klang beeinträchtigen würden. Um diese Pfeifen und Register weiter nutzen zu können und nicht entsorgen zu müssen, aber auch um die Möglichkeiten für die Musik mit Chor und Orchester zu erweitern, hat man sich – wiederum auf Anraten des Amts für Kirchenmusik – für die Verwendung dieser Pfeifen sowie der dazugehörigen Technik in einer neuen, zweiten Orgel entschieden. Verantwortlich für diese Orgel ist Orgelbaumeister Franz Schreier aus Thierhaupten.

Die historische Orgel wird ab Mai aufgebaut und gestimmt werden. Dann sind die für die Anwendung historischer Handwerkstechniken erforderlichen Mindesttemperaturen im Kirchenraum wieder erreicht.

Der Freundeskreis der historischen Kirchenorgel Niederschönenfeld bedankt sich bei allen Unterstützern und Förderern und freut sich, dass die Restaurierung nun in den Endspurt geht. Gesucht werden nun noch Unterstützer, die Patenschaften für die wertvollen Pfeifen übernehmen wollen. (Heinrich Riegler)

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