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Konzert

21.02.2017

Eine Sternstunde am Klavier

Ingo Dannhorn – ein Künstler, der weltweit konzertiert – gastierte einmal mehr beim Kulturkreis Mertingen.

Ein überragender Ingo Dannhorn gibt Mertingen einmal mehr die Ehre seines Besuchs.

Mertingen Sie durften sich in einem großen Konzertsaal wähnen, die Besucher des Klavierrezitals in der Mertinger Schulaula – und es waren ihrer viele gekommen, dem Pianisten Ingo Dannhorn zu lauschen. Die Wertschätzung seines Lehrers Gerhard Opitz, dass da jemand „Sternstunden pianistischer Gestaltung“ zaubere, war greif- und hörbar. Der Kulturkreis Mertingen hat Ingo Dannhorn, der in Korea lehrt und mehr in China, Korea und Australien als in Deutschland konzertiert, in den vergangenen 15 Jahren viel zu verdanken. Dem Ausnahmepianisten und vielfach internationalen Preisträger ist ein berührendes Konzerterlebnis zu verdanken.

Dannhorn führte in sein „moderiertes Rezital“ mit der berühmten „Chaconne d-Moll (BWV 1004)“ für Solovioline, von Ferrucio Busoni 1893 für Klavier transkribiert, ein. Von dieser Komposition existiert eine Vielzahl von Transkriptionen, Busonis Werk übertrifft alle – es ist fantastisches „Pianistenfutter“. „Bachs Ursprungswerk (die Chaconne von 256 Takten – für den Einzelsatz eines Solowerks eine alle Dimensionen sprengende Länge) klingt durch die Transkription viel voluminöser. Die idiomatische Klangwelt der Violine vereint sich mit der vollen, choralen Wirkung des Klaviers“, mit rasenden Läufen und dramatischer Wucht eine vielschichtige Annäherung an Bach/Busoni. Ein interpretatorisch wie technisch höchst anspruchsvoller Eingang – und ein glänzend eingelöstes Versprechen des Pianisten auf Kommendes.

Beethovens letzte Klaviersonate, „No. 32 in c-Moll, op. 111“, gilt als sein Testament. Zweisätzig nur, ein meisterlich-monumentaler Dualismus, unendlich vielen Deutungen offen. Ans Jenseits rührende Sphärenmusik, ein tiefsinniges Dokument des Abschieds (der Pianist Jürgen Uhde), abschließendes Bekenntnis … ein Präludium des Verstummens (der Pianist Alfred Brendel), Widerstand und Ergebung (der Dirigent Hans von Bülow). Vom ersten Tastendruck an nimmt Dannhorns gedankenvoll-intensives Spiel gefangen, er verliert sich atemlos lauschend im Klang. Maestoso – Allegro con brio ed appassionato – der erste Satz; Arietta. Adagio molto semplice e cantabile der zweite. Ein c-Moll-Allegro mit instrumental-kontrapunktischen Zügen steht einem C-Dur-Adagio im singenden Stil gegenüber. Der Gegensatz zwischen der Schicksalstonart c-Moll und ihrem strahlenden Gegenstück C-Dur, „per aspera ad astra“. Linear-zielgerichteter Verlauf im ersten Satz und fantastisch-freie, die Grenzen auflösende, perlend in die Unendlichkeit verrieselnde transzendente fünf Variationen im zweiten. Atemlose Stille nach dem letzten Ton – nur schwer, nur langsam löst sich die Spannung.

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Zur Erde holt der Künstler sein Publikum nach der Pause zurück. Dannhorn spielt die von ihm vor einigen Jahren entdeckten Preziosen des blinden Königs Georg V. von Hannover, eines sensiblen, vielseitig künstlerisch veranlagten Menschen. Zwei seiner „Lieder ohne Worte“ – einschmeichelnde, galante und doch innige, liedhafte Kompositionen –überreichte er als kleine Bukette seinem Publikum zum Geschenk.

„Chopins magische Zaubernacht“ beschreibt Ingo Dannhorn das romantische „Andante spianato e grande polonaise brillante op. 22“. Eines jener so zauberhaft klingenden, perlenden Lieblingsstücke aller Meisterpianisten. Zugleich höchst kompliziert, wie so vieles Leichte. Dannhorns betörendes Spiel zwingt in seinen Bann, Tonkaskaden funkeln und oszillieren, tänzerisch und mit Grandezza folgt die Polonaise – den über die Tasten huschenden Händen vermögen die Augen kaum zu folgen … Und mit dem letzten Ton bricht sich die Begeisterung Bahn. Drei Zugaben folgen – nochmals erweist er dem König eine bezaubernde Reverenz, tobt sich im Hexentanz von McDowell und im Schlangenkuss von W. Bolkom aus – mit Standing Ovations dankt das Publikum für einen großartigen Konzertabend!

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