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Serie Vereinsmeier

05.08.2019

Eine bunte Stunde mit „Dietsche“

Lederweste, Goldkette und die Gitarre im Arm – Dieter T. Schütze, genannt Dietsche, rockt gerne mal für eine Stunde im Awo-Seniorenheim in Mertingen.
Bild: Wild

Seit über zehn Jahren singt und liest Dieter T. Schütze für Senioren und Kinder. Das hilft ihm, „fit im Kopf“ zu bleiben. Womit er seine Zuhörer begeistert.

Der Berliner Zungenschlag ist nicht das Auffälligste an „Dietsche“. Wenn er im Seniorenheim in Mertingen mit seiner Gitarre und Hündin Josi vor die kleine Gruppe an Bewohnern tritt, dann trägt er gerne Cowboystiefel und Lederweste mit Fransen über seinem Biker-Shirt. In Gold und Silber blinken Ketten um seinen Hals und die Ringe an seinen Fingern schillern. Ein echter Rocker ist Dieter T. Schütze, genannt Dietsche, eben. Und für die Senioren im Awo-Heim in Mertingen ist der Musiker mit der sonoren Stimme der Höhepunkt der Woche.

Im Kreis sitzen sie an diesem Mittwoch im Garten. Die Füße der älteren Herrschaften wippen im Takt, einige singen oder summen mit, wenn sie es noch können. Schütze, auf den die Augen gerichtet sind, ist ganz in seinem Element. Er liest eine pointenreiche Geschichte und schaut dabei schelmisch über seine Lesebrille in die Runde. In dieser Runde haben alle viel Freude – über diesen Dieter Schütze, der mit viel Vorbereitung und Gefühl eine bunte Stunde voll Abwechslung ins Leben der Senioren bringt.

Seit 40 Jahren in der Region

Seit 1979 lebt der Berliner bereits im Landkreis Donau-Ries – viele Jahre in Mertingen und seit fünf Jahren in Donauwörth. Doch seit mehr als 13 Jahren engagiert er sich für andere, beflügelt deren Fantasie und sorgt für musikalische und literarische Abwechslung. Geschichten aus dem Koffer“ heißt die Initiative, bei der sich auch weitere Vorlesepaten einbringen. Schütze sucht unter diesem Motto verschiedene Kurzgeschichten, schreibt sie um oder schreibt sie weiter. „Acht bis zehn Minuten pro Geschichte sind ideal“, sagt Schütze. Unterhaltsam, kurzweilig und spaßig soll es sein. „Und natürlich greife ich bei jeder Lesestunde dann auch zur Gitarre“, sagt der Senior.

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Denn er weiß, worauf sein Publikum wartet und warum sie gekommen sind. Auch beim VdK in Bäumenheim sorgt er einmal im Monat für musikalische Abwechslung. „Wenn mein Publikum sagt ‘Das war ganz nett‘ dann bin ich nicht so zufrieden“, untermauert er seinen Anspruch.

Es geht in neue Welten

Auch Kinder liegen Schütze am Herzen. Mit seiner sonoren Vorlesestimme entführt er sie mit Geschichten in neue Welten. Das schafft er regelmäßig bei Vorlesestunden für die Dritt- und Viertklässler an der Grundschule in Mertingen und auch in der Stadtbücherei Donauwörth. „Mir macht das auch selbst viel Spaß und es hält mich fit im Kopf“, verrät Schütze seine Motivation.

Im Grunde, sagt der 83-Jährige, habe er seinen Beruf nie ablegt. Als studierter Freizeitpädagoge war das soziale Engagement immer schon im Mittelpunkt seiner Tätigkeiten. Viele Jahre war er unter anderem beim Stadtjugendring in München in der Jugendarbeit aktiv und hat in seinen früheren Berufsjahren in seiner Heimat Berlin einen Jugendclub in Dahlem aufgebaut.

Gitarrist in einer Band

Sein Hobby aber war stets die Musik. Als Gitarrist stand er mit seiner Band auf der Bühne und ließ es ordentlich rocken. Die Liebe zu diesem Musikstil ist ihm bis heute geblieben. Vor allem die Senioren lieben es, wenn Schütze Klänge aus deren Jugend anschlägt.

Neben all den Terminen schafft es der Vater dreier erwachsener Kinder noch, sich um Flüchtlinge zu kümmern. Seit fünf Jahren ist er bei Aktion Anker engagiert und hilft aktuell einer Familie mit zwei Töchtern aus Eritrea, die seit einigen Monaten im Hotel Viktoria in Donauwörth untergekommen ist. Einen weiteren Flüchtling, der anerkannt und in einer eigenen Wohnung lebt, unterstützt er auch. Dabei geht es um Behördengänge, Tipps im Alltag oder Übersetzungen. „Oft sind es nur kleine Hinweise, wie es in Deutschland so läuft – das hilft sehr weiter“, sagt der Witwer.

Warum er sich an sich so für eigentlich ja Unbekannte einsetzt? „Ich mag Menschen und ich möchte mit ihnen in Kontakt sein. Wenn ich mich für andere engagiere, bekomme ich auch sehr viel zurück. Und das tut wiederum mir gut.“

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