Newsticker

Rekord bei Corona-Zahlen: 14.714 Neuinfektionen in Deutschland
  1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Energiedialog: Klare Aussage fraglich

Stromtrasse

27.01.2015

Energiedialog: Klare Aussage fraglich

Ob dieser oder jener Korridor für die neue Stromtrasse: Die Bürgerinitiativen, für deren Interessen Martin Stegmair in München kämpft, lehnen alle neun Leitungen ab.

Martin Stegmair nimmt am Dialog der Regierung in München teil. Der BI-Sprecher kritisiert die Gewichtung der Gruppen dort. Es gebe aber auch Positives zu berichten.

Donauwörth/ Niederschönenfeld Ein wenig gehetzt wirkt Martin Stegmair dieser Tage. Kein Wunder, gilt er doch mittlerweile als eines der bekanntesten Gesichter des Protests gegen die geplante Stromtrasse im Landkreis. Das ZDF wollte ihn sprechen, sogar eine dänische Zeitung. Doch weitaus wichtiger ist: Der Niederschönenfelder nahm am hart umkämpften bayerischen Energiedialog der Staatsregierung in München teil, der jetzt endete und dessen Ergebnis am kommenden Montag in der Landeshauptstadt präsentiert wird. Die spannendste Frage hierbei: Wird die Trasse kommen? Wenn ja: Wo und wie? Mit der DZ sprach der Vorsitzende der Bürgerinitiative Megatrasse-Lech über seine Prognose zum Dialogergebnis nach den zähen Verhandlungen.

Mittlerweile kennt Martin Stegmair sämtliche Daten und Fakten zur anvisierten Stromautobahn und vor allem zu möglichen Alternativen aus dem Effeff. Stegmairs Fazit bleibt: „Es gibt genug Möglichkeiten, sodass die Leitung nicht kommen muss.“ Das, was Stegmair immer wieder gebetsmühlenartig benennt, das sind die sogenannten dezentralen Energien, die es gelte, auszubauen. Aber das Gegenteil sei zuletzt der Fall gewesen.

Stichwort Photovoltaik – die Förderung sei so stark zurückgefahren worden, dass sich sowohl private Nutzer als auch Produzenten zunehmend zurückzögen. Windkraft – hierbei, so Stegmair, sei Seehofers weitreichende Abstandsregelung zur Wohnbebauung (10-H-Regelung) für einen Ausbau mehr als hinderlich. Biogas – diese Energieerzeugung sei begrenzt, im Landkreis Donau-Ries habe man wohl alle Möglichkeiten dazu weitgehend ausgeschöpft.

Dennoch, der Trassengegener der ersten Stunde, er bleibt dabei: „Das Stromnetz kann nur von unten entlastet werden“, will heißen: vor Ort. Es werde bislang noch „zu wenig durchdacht“, was die sinnvolle regionale und lokale Energiegewinnung angeht. Dezentrale Speichermöglichkeiten seien insgesamt bei Weitem noch nicht ausgereizt. Eine echte Wende gebe es nur, wenn die Alternativen intensiv gefördert und erforscht würden. Das geschehe mithin zu wenig.

Bei dem Energiedialog mit Politikern, Industrie, Gewerkschaften und Naturschützern in München hätten die sechs Sprecher der Bürgerinitiativen zwar Mitspracherecht, Stegmair berichtet dennoch von teils deutlichen Fronten unter den Gesprächsparteien. Seiner Meinung nach fänden beispielsweise die Abgesandten der Planer und Netzbetreiber mehr Gehör: „Während wir pro Thema fünf Minuten Redezeit haben, sind es bei den Netzbetreibern meist 15.“

Und trotzdem, so berichtet Stegmair weiter über die ganztägigen Sitzungen, von denen es bis dato acht gab, die Gespräche seien durchaus „fachlich“. Man habe sich auch unter Gegnern kennen- und schätzen gelernt. Man habe Kontakte knüpfen können und in vielen Fragen voneinander gelernt.

Dieser Tage muss aus den vier Arbeitsgruppen (Energiesparen, Erneuerbare Energien, Speichertechniken, Versorgungssicherheit) des Energiedialogs ein gemeinsames Fazit erarbeitet werden. Es scheint unrealistisch, dass es hierbei einen einzigen gemeinsamen Nenner geben wird. Zu stark gehen die Meinungen in wesentlichen Punkten auseinander, gerade bei der Frage der Versorgungssicherheit.

Während man in München zuletzt seitens des Wirtschaftsministeriums mit einer der beiden Großtrassen in den Süden als Kompromisslösung liebäugelte, sprechen die Bürgerinitiativen nach wie vor von einem generellen Nein.

Indes scheine man dazugelernt zu haben in der Landeshauptstadt, gesteht Trassengegner Stegmair der Staatsregierung zu. Dass man überhaupt für mehr Transparenz sorgen wolle – die Ergebnisse der Dialoge, Vorträge etc. werden im Internet publiziert –, dass man sich an einen Tisch setze und spreche, dass man einander zuhöre. Das war bei Großvorhaben in Deutschland nicht immer so gewesen.

Doch mit welchem Ergebnis aus dem Energiedialog Ministerpräsident Horst Seehofer und Wirtschaftsministerin Ilse Aigner ab Aschermittwoch nach Berlin reisen, das bleibt in dieser Woche noch offen. Stegmair schätzt, das Dialogergebnis am Montag (wohl in Heftform) könnte eine „50-50-Lösung“ sein. Kurzum: Beide Positionen wären in dem Papier gleichberechtigt vertreten. Dann dürfte es umso schwieriger für die bayerische Staatsregierung werden, einen klaren Standpunkt zu finden. Die Entscheidung für oder gegen die Trasse jedoch – so oder so – sie wird bei der Politik liegen, maßgeblich in Berlin.

Stegmair weiß unterdessen: Der Protest wird auf jeden Fall weitergehen. Zumindest das scheint bereits heute eindeutig.

Der Energiedialog im Internet unter

www.energie-innovativ.de

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren