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Bürgerentscheide

24.03.2011

„Entscheidung des Jahres“

Hallenbad ja oder nein? Über die Zukunft der Freizeiteinrichtung stimmen am Sonntag die Bürger der Stadt Wemding ab. Im Vorfeld haben Befürworter und Gegner in der Kommune viele Flugblätter verteilt.
Bild: Foto: Widemann

Die Wemdinger sind am Sonntag dazu aufgerufen, über die Zukunft des Hallenbads abzustimmen. Das Thema elektrisiert und entzweit die Stadt

Wemding Hunderte Plakate säumen die Straßenränder, seit Wochen landet ein Flugblatt nach dem anderen im Briefkasten und in der Stadthalle geben sich die Besucher von Info-Veranstaltungen fast die Klinke in die Hand – in Wemding elektrisiert ein Thema die Menschen: das Hallenbad. Am kommenden Sonntag, 27. März, sind die rund 4200 Wahlberechtigten in der Kommune aufgerufen, über das Schicksal der städtischen Einrichtung abzustimmen – und zwar durch zwei Bürgerentscheide samt Stichfrage.

Selbst beim Faschingsumzug gab es heuer kein anderes (lokales) Motiv. Spaßig ist die Diskussion um das Bad freilich schon längst nicht mehr. Nicht nur im Stadtrat, wo die PWG gegen die Aufgabe des Hallenbads kämpft, gab es in der jüngeren Vergangenheit bereits mehrmals ordentlich Zoff. Durch die Bürgerschaft zieht sich – so bestätigten viele Beobachter und Beteiligte – ein tiefer Graben. Die einen wollen das Hallenbad erhalten. Es handle sich um eine „Einrichtung zum Wohle der Gesellschaft, die nicht an schwarzen Zahlen gemessen werden kann“, schreibt die Bürgerinitiative (BI) in einem Faltblatt. Viele der BI-Aktiven kommen aus den Reihen der Wasserwacht. Die rührige Ortsgruppe mit ihren rund 300 Mitgliedern wäre von einem Aus für das Bad am meisten betroffen.

Sechs Millionen Euro

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Auf der anderen Seite hat der Stadtrat mit klarer Mehrheit beschlossen, das in den 1970er Jahren errichtete Bad nicht mehr zu sanieren – und zwar aus Kostengründen. Sollte die im Herbst 2009 von den Behörden aus Gründen der Sicherheit und Hygiene geschlossene marode Freizeiteinrichtung neu hergerichtet werden, würde dies in 20 Jahren gut sechs Millionen Euro verschlingen, rechnen CSU/Amerbacher Liste sowie SPD vor. Beistand bekommen sie von einer Initiative namens „Verantwortungsvolle Wemdinger Bürger“, in der sich eine Reihe von Persönlichkeiten engagiert, die im öffentlichen Leben eine Rolle spielen.

Die Auseinandersetzung um das Hallenbad wird bisweilen mit harten Bandagen geführt. Da wird den Kontrahenten schon mal „gezielte Falschaussage“ vorgeworfen. „Wemding soll nicht baden gehen“, lautet das Motto des Zusammenschlusses, der gegen die Sanierung ist. „Wir können uns nicht alles leisten“, heißt es aus diesen Reihen. In der Stadt stünden mehrere Großprojekte an, die Gewerbesteuer-Einnahmen würden gleichzeitig einbrechen. Der CSU-Ortsverband stilisiert unter diesem Gesichtspunkt den Urnengang zur „Entscheidung des Jahres“ hoch.

Völlig unterschiedliche Ansichten gibt es nicht nur in der zentralen Frage, ob sich Wemding das Bad leisten kann oder nicht. Selbst die Formulierungen auf den Stimmzetteln (siehe „Bürgerentscheide“) lösten Debatten aus. Ein handfestes Argument der Hallenbad-Befürworter lautet, dass statistisch gesehen mit jedem geschlossenen Hallenbad die Zahl der Menschen, die ertrinken, steige. Die Fraktionssprecher im Stadtrat Alexander Im (CSU/Amerbacher Liste) und Johann Roßkopf (SPD) reagierten mit einer gemeinsamen Anzeige im Wemdinger „Amtsboten“. In dieser steht: „Wir garantieren, dass auch in Zukunft jedes Kind schwimmen lernen kann.“

Knapper Ausgang

Wie die Bürgerentscheide am Sonntag ausgehen, scheint völlig offen. Selbst die Hauptbeteiligten wagen kaum eine Prognose. „Am Ende wird es knapp ausgehen“, so BI-Sprecher Hans-Joachim Meinert. Er glaubt, „dass wir tatsächlich eine Chance haben“. Peter Held von den „Verantwortungsvollen Wemdinger Bürgern“ sagt: „Wir sind optimistisch, wenn viele Leute zum Wählen gehen.“ Eigentlich hätten die Wemdinger schon in den vergangenen 20 Jahren über das Schicksal des Hallenbads abgestimmt – „indem sie nicht hingegangen sind“, meint Held.

Beide Seiten wollen die Bürger bis zum Wochenende nochmals mit Flugblättern animieren, auf dem Stimmzettel an den entsprechenden Stellen die Kreuzchen zu machen. Anleitungen, wie dies – je nach Gesinnung – geschehen soll, haben alle Haushalte bereits erhalten. Für Bürgermeister Dr. Martin Drexler ist eines schon jetzt klar, wie er sagt: „Was die Wemdinger am Sonntag entscheiden, wird so auch umgesetzt.“

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