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Politik

11.02.2019

Es geht voran in der Kurzzeitpflege

Kreisräte diskutieren einen Vorschlag, den die SPD und die Grün-Soziale-Fraktion anstoßen

Ein einziger Anruf reicht nicht mehr aus. Angehörige sind oft tagelang auf der Suche nach einem Platz in der Kurzzeitpflege. Sie telefonieren sämtliche Einrichtungen ab und bekommen fast immer dieselbe Antwort: Wir haben leider keinen Platz mehr frei. Im Bürgerheim in Nördlingen ist die Situation seit Monaten unverändert. Bis zu acht Anfragen erhält die Heimleiterin Elisabeth Oestringer täglich. Derzeit muss sie alle abblocken. Denn in der Pflegeeinrichtung gilt wegen eines personellen Engpasses Aufnahmestopp. Oestringer falle es schwer, den Menschen am Hörer absagen zu müssen, da sie oftmals verzweifelt seien. Doch es geht derzeit nicht anders.

Deshalb sieht die Kreispolitik Handlungsbedarf in der Kurzzeitpflege. Im Kreisausschuss des Kreistag soll nun eine Prüfung des Bedarfs an Pflegeplätzen beschlossen werden. Dabei soll nicht nur das gemeinsame Kommunalunternehmen (gKU) berücksichtigt werden, sondern alle Träger, die Kurzzeitpflege anbieten.

Für die Prüfung soll es ein Infogespräch mit den Beteiligten geben. Danach will der Landkreis überprüfen, wie die Einrichtungen gefördert werden können und welche Angebote es benötigt, um den Bedarf zu decken.

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Dem Vorschlag geht ein gemeinsamer Antrag der SPD- und der Grün-Sozialen Fraktion an den Kreistag voraus. Der wurde bereits Ende November gestellt. In dem Antrag forderten die Fraktionen das gKU auf, zu überprüfen, wie viele Plätze im Landkreis geschaffen werden können und wie der Landkreis das Kommunalunternehmen unterstützen kann (wir berichteten). Nun soll ein Beschluss im Kreisausschuss folgen.

Die Fraktionsvorsitzende der SPD, Ursula Straka, sagt in der Sitzung, dass ihr die Kurzzeitpflege wichtig sei. Mit dem Antrag wollte sie das Thema nochmals anstoßen und der Öffentlichkeit zeigen, dass die Pflege eine zentrale Stellung in der Kreispolitik einnimmt.

Die Situation in der Pflege sieht Ulrich Lange, Fraktionsvorsitzender der CSU/AL-JB, als eine Daueraufgabe in Deutschland, da die Anzahl der Betroffenen immer größer werde. Deshalb stimme er dem Vorschlag des Kreisausschusses zu. Er sagt aber, dass die Pflege nicht allein als Aufgabe des gKU gesehen werden dürfe.

Geht es nach Martin Kollmann von der Fachstelle Pflege- und Behinderteneinrichtungen am Landratsamt, liegt die Bedarfsprognose zum Ende des Jahres vor. Er warnt die Fraktionen aber davor, die Kurzzeitpflege als alleiniges Thema zu sehen: „Wir müssen das ganzheitlich betrachten.“ Denn es gebe nicht nur Bedarf an Plätzen. Die Einrichtungen selbst würden vergeblich nach Fachkräften suchen. Und ohne Personal könne kein Hilfsbedürftiger versorgt werden.

In Bezug auf den Fachkräftemangel sagt Dominik Ach, Vorsitzender der Grün-Sozialen-Fraktion, dass die Marke Donauries doch auch auf soziale Berufe ausgeweitet werden könne.

Die Kernfrage stellt Andreas Mack von der CSU in den Raum. „Was sollen wir den Leuten heute sagen, die unmittelbar betroffen sind?“ Bis eine Evaluation ansteht, vergehen zwei Jahre. Landrat Stefan Rößle verweist auf die verschiedenen Beratungsangebote im Landkreis und das Seniorenheim in Rain, in dem 14 neue Plätze für die zeitlich begrenzte Pflege eingerichtet werden könnten: „Es ist nicht so, dass es nichts gibt.“ Ursula Straka sieht das ähnlich wie Mack. „Das dauert alles unglaublich lang.“ Die derzeitige Situation in der Kurzzeitpflege sei für jeden Betroffenen problematisch. Deshalb begrüße sie es, wenn die Einrichtungen akut tätig werden.

Gar eine „Einsatzgruppe“, die sich um die Pflege kümmere, will Regina Thum-Ziegler, Vorsitzende der Frauen/ÖDP/FW-Fraktion gründen.

Ulrich Lange bekräftigt, dass für die betroffenen Menschen lediglich zähle, was unterm Strich rauskomme. Und das könne nicht mit einer weiteren Arbeitsgruppe gelöst werden. Dennoch beschließen die Fraktionen im Kreisausschuss den in der Sitzung diskutierten Vorschlag einstimmig, um die derzeitige Situation in der Kurzzeitpflege im Landkreis verbessern zu können.

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