1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Europa ist nah im Landkreis Donau-Ries

Europa ist nah im Landkreis Donau-Ries

Hilgendorf_Thomas.jpg
Kommentar Von Thomas Hilgendorf
26.05.2019

Die Region ist europäisch. Kritik an der EU sollte ernster genommen werden.

Irgendwie ist in diesem Europawahlkampf viel durcheinander gewirbelt worden. Vieles an Begriffen, auch vieles an Fakten. Vieles ist hochstilisiert worden zu schier apokalyptischen Szenerien – man ist für oder gegen die EU, Europa, die Völkerfreundschaft, man ist Freund oder Feind ... Manch einem war das der Gereiztheit und Absolutheit zu viel. Verständlich. Trotzdem waren weder die Wahl noch der Wahlkampf irrelevant. Erst recht nicht in unserer Region.

Der Wahlkampf setzte erst recht spät ein, wartete dann aber parteiübergreifend mit durchaus interessanten Veranstaltungen auf. Dennoch: Es war weniger „Politik auf der Straße“ spürbar in diesen Frühlingstagen als es bei der vergangenen Bundestags- und Landtagswahl noch der Fall gewesen war.

Dabei ist das Thema „Europa“ (und auch „EU“) in diesem Landkreis ein politischer und wirtschaftlicher Schwerpunktbereich – ganz egal, ob man „Brüssel“ nun als eher lästig oder fortschrittlich empfindet. In Donauwörth etwa braucht man nicht lange zu suchen um die Bedeutung innereuropäischer Zusammenarbeit „live“ zu entdecken. Airbus Helicopters ist ein europäischer Konzern, die Mitarbeiter kommen vornehmlich aus Deutschland und Frankreich, aber auch aus zahlreichen weiteren europäischen Ländern. Dem Klima in der Stadt schadet das nicht, ganz im Gegenteil. Hier funktioniert Europa dem Vernehmen nach recht passabel. Doch freilich gibt es Lücken und Mängel: Landwirte beklagen, wohl nicht zu Unrecht, ein Mehr an Bürokratie.

Doch zu einem ganzen Bild gehört auch: Die Europäische Union fördert den Agrarsektor massiv. Das, was auf Wahlkampfveranstaltungen immer wieder an Kritik anklang, sollte ernster genommen werden: Viele Bürger befürchten einen sich in alles einmischenden europäischen „Superstaat“, einen Souveränitätsverlust des Nationalstaates, ein bürokratisches Monster. Diese und auch andere Kritikpunkte müssen ausgesprochen werden dürfen, ohne dass derjenige, der sie äußert, als „Europafeind“ dargestellt wird. Denn Protest und politischer Populismus sind dann stark, wenn sich viele Menschen nicht mehr respektiert fühlen – ganz gleich, auf welcher Ebene. Wenn sie den Eindruck haben, dass abstrakt über sie hinweg regiert wird. Europa wird wichtig bleiben für den Landkreis. Die EU sollte sich derweil nicht allzuständig im „Kleinklein“ verrennen, wie es Theo Waigel jüngst in Rain so passend ausgedrückt hat.

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Lesen Sie dazu auch
Wahlplakate_24Mai19_4_2.jpg
Reaktionen zur Europawahl

Plus Jubel und Trauer: Gemischte Gefühle in den Parteien

WhatsappPromo.jpg

Alle News per WhatsApp

Die wichtigsten Nachrichten aus Augsburg, Schwaben
und Bayern ganz unkompliziert auf Ihr Smartphone.

Hier kostenlos anmelden