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Oberndorf

01.07.2020

Eva Lettenbauer: Ökologischer Waldumbau ist das Ziel

Thomas Miehler aus Stadtbergen (links) beklagte die mangelnde Unterstützung der Augsburger Jagdbehörde, daneben Eva Lettenbauer, Grünen-Landesvorsitzende und Gastgeber Stefan Kolonko (rechts), auch Leiter der Bezirksgruppe Schwaben des ÖJV.
Bild: Adalbert Riehl

Plus Grüne-Landesvorsitzende aus Reichertswies informiert sich vor Ort über gelungene und weniger erfolgreiche Beispiele. Sie strebt einen Parteitagsbeschluss an.

Umgeben von Revierförstern, Waldbesitzern und Naturschützen hat sich die Landesvorsitzende der Grünen, Eva Lettenbauer, „vor Ort“ Beispiele der Waldbewirtschaftung zeigen lassen. Die meisten der Gäste, die sich auf Einladung von Revierförster Stefan Kolonko trafen, sind mehrfach mit dem Thema „Wald und Wild“ verflochten – als Jäger, Mandatsträger der Grünen, Funktionäre im Bund Naturschutz (BUND) oder im Ökologischen Jagdverein (ÖJV).

Lettenbauer, die für die Grünen auch die Landkreise Donau-Ries und Dillingen betreut, wird beim Landesparteitag am 11. Juli die Forderungen der Partei zum Thema „Wald“ zur Abstimmung bringen. Als Quintessenz forderten die Teilnehmer die „Unterstützung der Willigen“ – willig im Sinne des ökologischen Waldumbaues, der Naturverjüngung und der Forderung „Wald vor Wild“. Die Kritik gipfelte dabei im Vorwurf, die Staatsbehörden würden im Vollzug der Gesetze versagen, ihr Ermessen zugunsten der ökologischen Jagd nicht ausüben und der traditionellen Jagd mit zu hohen Wildbeständen den Rücken stärken.

Es gibt bis zu 30 verschiedene Baumarten im Auenwald

Wie es anders funktionieren kann, erläuterten Robert Wiechmann und Gerd Waas. Beide sind Revierleiter und sitzen außerdem für die Grünen im Kreistag Miesbach. Das dortige Landratsamt gewähre die Spielräume, um den Rehwildbestand dem Ziel der Naturverjüngung anzupassen und die Schwarzwildbejagung im Hinblick auf die drohende Einschleppung der afrikanischen Schweinepest zu intensivieren. Stadtrat Thomas Miehler ( Stadtbergen), zugleich stellvertretender Ortsvorsitzender des BUND, bedauerte, dass die Augsburger Jagdbehörde hier sehr restriktiv sei.

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Beim ersten Exkursionspunkt im Wald des Zweckverbandes Wasserversorgung Fränkischer Wirtschaftsraum (WFW) demonstrierte Kolonko, wie sich Jungpflanzen mit und ohne Schutzvorrichtung unterschiedlich entwickeln und wie Vielfalt aussehen soll. Bis zu 30 verschiedene Baumarten seien im Auwald anzutreffen, die Fichte werde hier in 30 Jahren nicht mehr zu finden sein. Das Augenmerk müsse ferner der Nachzucht der Esche gelten, allerdings mit weit weniger Anteil als bisher.

„Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt“

516 Hektar hat der zertifizierte WFW-Wald, der gleichermaßen Wasser- und Klimaschutz, als Biotop und Bannwald sowie zur Erholung dient. Mit Stolz erläuterte Kolonko den zweiten Exkursionspunkt: eine Waldabteilung, mit deren Umbau er bei Übernahme des Reviers 1991 begann und die einen natürlich verjüngten Laubholzbestand aufweise. Verjüngung fand vorher durch den hohen Wildbestand nicht statt, eine Verdreifachung des Abschusses veränderte die Situation. Der Nadelholzanteil von 49 Prozent (1982) wurde bis 2013 halbiert.

Den Slogan des ÖJV hatte Kolonko als Banner aufgestellt: „Der Wald zeigt, ob die Jagd stimmt“. Die Waldabteilung sei Positivbeispiel der „natürlichen und sehr kostengünstigen Waldverjüngung“, so Kolonko. Die Förster bestätigen der Abgeordneten, dass der BUND den Weg des 1988 gegründeten ÖJV stets unterstützt habe. „Dringend notwendig“, antwortete Kolonko auf die Frage von Lettenbauer nach Verstärkung der Beratung von Privatwaldbesitzern.

Negatives Beispiel: Fichten-/Kiefernmischbestand mit Laubholz in Rischgau

Als Negativbeispiel und dritter Exkursionspunkt wurde der 80-jährige Fichten-/Kiefernmischbestand mit Laubholz von Norbert Pröll in Rischgau angesteuert. Der Kampf der Waldbesitzer um eine stärkere Bejagung ist bisher erfolglos, die Laubholzverjüngung wird letal verbissen und von Fichtenverjüngung überwachsen. „Aufgrund der Klimaerwärmung wird die Fichte hier ausfallen, noch ehe sie verwertbare Dimensionen erreicht“, machten die Förster wenig Hoffnung.

Frustrierend das Wildschadengutachten von 2019, das zwar 67 Prozent Schaden bei der Buche feststellt, dies aber als nicht entschädigungsfähig einstuft, weil sie mit 4,5 Prozent Anteil nicht „Hauptbaumart“ ist. Bergahorn, Hainbuche und Eiche sind noch stärker betroffen. „Dabei wäre die Buche die Baumart der potenziell natürlichen Vegetation, die das Problem der Familie Pröll bei erheblich geringerem Verbiss beheben würde“, so Kolonko.

Erfolg durch Eigenwirtschaft statt Verpachtung der Jagd

Aber, so verdeutlichte man Eva Lettenbauer, das amtliche Vegetationsgutachten komme zu dem fatalen Schluss, dass aufgrund des geringen Fichtenverbisses die Belastung tragbar sei und der Abschuss beibehalten werden kann.

Der Waldbesitzer klagte, dass weder das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Wertingen noch die Gemeinde oder die Jagdbehörde in Dillingen ihre Forderungen nach erhöhtem Abschuss unterstützten, sondern vielmehr wie die Gutachter den teureren Zaunbauten das Wort redeten.

Alois Kaiser, Jagdvorstand von Steinekirch (Markt Zusmarshausen), bezeichnete den Weg seiner Genossenschaft als Erfolg: Statt Verpachtung setze man seit vier Jahren auf die Eigenbewirtschaftung der Jagd.

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