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Genderkingen

13.12.2020

Flugtaxis aus Genderkingen ab 2023?

Fraundorfer Aeronautics aus Genderkingen will mit der Tensor 600X (im Bild) und der Tensor 800X die Luftfahrt der Zukunft verändern.
Bild: Fraundorfer Aeronautics

Plus Tragschrauber der Firma Fraundorfer Aeronautics: Maschine soll bald auf Markt kommen und es soll eine Weiterentwicklung geben.

„Flugtaxis“ – das hört sich nach Science-Fiction-Film und ferner Zukunftsvision an, doch in einigen Jahren könnte diese Art der Mobilität Realität sein. An dieser Entwicklung sind auch Unternehmen aus dem Landkreis Donau-Ries maßgeblich beteiligt. Neben Airbus Helicopters, das seinen City Airbus im Juli erstmals zu Vorführzwecken abheben ließ, tüftelt auch die Firma Fraundorfer Aeronautics in Genderkingen schon lange in diesem Bereich. Nun gab das Unternehmen bekannt, dass bereits bis 2023 eine Maschine auf den Markt kommen werde, die auch als Flugtaxi dienen könnte.

Der Tensor 800X könnte für verschiedene Zwecke genutzt werden

Die Innovation aus Genderkingen trägt den Namen Tensor 800X. Das 800 Kilogramm schwere Luftfahrzeug könne gewerblich genutzt werden, genauso wie als Verkehrsmittel oder für wissenschaftliche Forschungen. Die Maschine basiert auf der Tensor 600X – das ist sozusagen die kleine Schwester, die wiederum auf dem Prinzip eines Tragschraubers aufbaut. Bei diesem sitzt der Motor an einem kleinen Propeller hinten. Dadurch wird ein Vorschub erzeugt und der Rotor auf dem Dach der Maschine durch Fahrtwind angetrieben – in der Fachsprache wird von der „Autorotation“ gesprochen. Bisher wurden Tragschrauber nur im Hobbybereich verwendet.

Christoph Fraundorfer sagt: „Fraundorfer Aeronautics entwickelt mit der Tensor 600X eine neue Generation von Tragschraubern, welche nicht nur für höhere Lasten skalierbar, sondern auch gewerblich nutzbar sein wird.“ In dieser Innovation steckten mehr als zehn Jahre Arbeit des Unternehmens, erklärt der Chef.

Von Beginn an hatte Fraundorfer vor allem Flüge mit niedriger Höhe und geringer Geschwindigkeit im Auge. Ein Flugzeug könne nicht zu langsam und zu tief fliegen, bei einem Helikopter herrsche in diesem Bereich bei einem Triebwerksausfall große Gefahr, erklärt Fraundorfer im Jahr 2019 bei der öffentlichen Vorstellung der Tensor. Sie sei also für Einsätze entwickelt worden, „bei denen Flugzeuge und Helikopter Probleme haben“.

Prototyp der Tensor 600X ist schon über 50-mal gestartet

Heuer war es dann so weit: Fraundorfer, der selbst auch Pilot ist, absolvierte mit dem Prototyp der Tensor 600X den Jungfernflug. Seitdem arbeite das Unternehmen stetig weiter an der Maschine. Mehr als 50-mal sei der Prototyp bislang gestartet. „Durch die jahrelange Forschung und modernen Simulationen gab es nur noch Kleinigkeiten, die wir ändern mussten“, so Fraundorfer, der früher als Flugversuchsingenieur bei Airbus Helicopters gearbeitet hat.

Nach der Testphase plant das Unternehmen nun, den offiziellen Verkauf der Tensor 600X im Sommer 2021 zu starten. Bis dahin werde es neben dem Prototypen noch zwei weitere Test-Modelle geben. Diese dienten dazu, weitere Erfahrungswerte neben dem Prototyp zu sammeln. Eines dieser Modelle will laut Fraundorfer später ein Unternehmer aus dem deutschsprachigen Raum kaufen. Sein Profil: Geschäftsmann und 70-Stunden-Woche. Der Kunde sehe seine Familie nur wenig und sei begeistert vom Fliegen.

„Dieser Mann kann durch unsere Maschine seine Flugleidenschaft damit verbinden, als Geschäftsführer schneller zu Terminen zu kommen, und hat so mehr Zeit für seine Familie“, beschreibt Fraundorfer seinen Kunden und fügt hinzu: „So kann er neben Zeit auch Kosten sparen.“

Von Genderkingen nach Stuttgart in einer Dreiviertelstunde

Also ist ein Flug mit dem Tragschrauber billiger als eine Fahrt mit dem Auto oder öffentlichen Verkehrsmitteln? „Der Unternehmer kann durch seine Flüge eben Arbeitszeit sparen“, sagt Fraundorfer auf diese Frage und nennt ein Beispiel: Die Strecke von Genderkingen nach Stuttgart fliege der Tragflügler in einer Dreiviertelstunde. Die Kosten: 180 Euro pro Stunde. Mit dem Auto benötige man für die 175 Kilometer lange Strecke etwa zwei Stunden.

Vorbestellen können Flugbegeisterte die Tensor 600 X bereits. Die bisherigen Verkaufszahlen möchte Fraundorfer nicht nennen. Etwas verhalten reagiert der Geschäftsführer auch auf die Nachfrage nach dem Preis für die Maschine und sagt dann: „Der Tragschrauber kostet so viel ein Auto – also eher im Bereich eines Sportwagens.“

In das Jahr 2021 blickt Fraundorfer zuversichtlich: Neben dem Verkauf der Tensor 600X stehe die Entwicklung der 800X für sein Unternehmen auf dem Plan. Für diese müssen Fraundorfer zufolge vor allem unterschiedlichste Auflagen erfüllt werden, damit die Maschine nach den Europäischen Luftfahrtregularien zugelassen und damit gewerblich einsetzbar ist.

Weiterentwicklung und Serienproduktion sind die Ziele von Fraundorfer

Um diese Weiterentwicklung und die Serienproduktion zu verwirklichen, arbeite Fraundorfer Aeronautics mit dem Design- und Entwicklungsunternehmen Uedelhoven Studios zusammen. Der Betrieb aus Gaimersheim bei Ingolstadt sei spezialisiert auf Konstruktion, Design und Prototypbau.

Ein Flugtaxiverkehr von Genderkingen aus sei dabei aber eher unwahrscheinlich. Die Maschine sei für den Verkauf an Privatpersonen und Unternehmen gedacht, erklärt. Christoph Fraundorfer. Der Firmenchef ergänzt: „Bisher haben wir Interessenten aus dem deutschsprachigen Raum, aber auch aus der ganzen Welt.“

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