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Lechgebiet

30.11.2018

Frau liegt tagelang hilflos auf Treppe

Eine Frau stürzte auf einer Treppe in ihrem Haus und blieb hilflos liegen. Bis Notarzt und Rettungsdienst eintrafen, war die Frau bereits in kritischem Zustand.
Bild: Florian Ankner

Rentnerin im Lechgebiet stürzt in ihrem Haus. Durch glückliche Umstände wird das Opfer entdeckt. Was eine Notärztin, das Rote Kreuz und die Polizei raten.

Es müssen schreckliche Stunden und Tage gewesen sein, die eine Frau im Lechgebiet erlebte. Die alleinstehende Seniorin ging in ihrem Haus eine Treppe hinab und stürzte. Dabei verletzte sich die Endsiebzigerin schwer – und blieb hilflos liegen.

Dies bestätigt die Polizeiinspektion Rain auf Anfrage. Vermutlich habe sich die Rentnerin drei Tage in dieser prekären Situation befunden. Niemand hörte die Frau.

Mann bemerkt beim Fensterputzen, dass etwas nicht stimmt

Ein glücklicher Umstand sorgte dafür, dass das Opfer gerettet werden konnte: Ein Mann, der die Fenster an dem Gebäude reinigte, erkannte der Polizei zufolge, dass in der Küche der Wohnung eine Kochplatte eingeschaltet war. Der Arbeiter habe Verdacht geschöpft, „dass etwas nicht stimmt“.

Er verständigte eine Person, die einen Schlüssel zu dem Haus hat. „Sie schauten nach und fanden die Frau auf der Treppe“, berichtet Paul Förg, Pressesprecher der Inspektion.

Nach Informationen unserer Zeitung hatte sich die Seniorin den Oberschenkel gebrochen. Als Notarzt und Rettungsdienst eintrafen, befand sich das Opfer in einem kritischen Zustand – auch, weil es stark unterkühlt war.

Solche Fälle sind keine Seltenheit

Solche Fälle sind in der Region gar nicht so selten. Das ist die Erfahrung von Birgit Bayer, Leitende Notärztin am Standort Donauwörth: „Das haben wir bestimmt einmal pro Monat.“ Die Personen, die in eine solche Lage geraten, befänden sich oft in einem schlechten Zustand. Wer mehrere Tage auf dem Boden ausharren müsse, trockne aus und es drohe Nierenversagen. Ebenso kühle der Körper immer weiter aus: „Wir hatten schon Patienten, deren Temperatur lag bei nur noch 25 Grad.“ Dies bedeute absolute Lebensgefahr.

Mathias Hurrler, Leiter des Rettungsdiensts beim Roten Kreuz im Donau-Ries-Kreis, hat ebenfalls schon einige solche Fälle erlebt. Er erinnert sich an eine Person, die nachts auf die Toilette wollte, im Schlafzimmer stürzte und dort drei Tage ausharren musste. Der Patient sei ansprechbar gewesen, aber die Rettungskräfte hätten behutsam vorgehen müssen. Sei ein Mensch ausgekühlt, dürfe er nicht aktiv erwärmt und nicht groß bewegt werden. Grund: Gelange das kalte Blut aus den Gliedmaßen in den Körperstamm, könne das Herz seinen Dienst versagen. Solche Sturz-Patienten kämen auf die Intensivstation und würden nach und nach erwärmt.

Meist sind die Sturzopfer im Seniorenalter

Was den Rettern und der Polizei immer wieder auffällt: Diese Sturzopfer seien meist im Seniorenalter und lebten in aller Regel allein in einer Wohnung. Um ein Drama, wie es im Lechgebiet oder anderswo passierte, zu vermeiden, rät Notärztin Baier den Alleinstehenden, sich „ein soziales Umfeld aufzubauen“ – auch wenn sie noch einigermaßen fit seien und sich für einen Hausnotruf „zu jung“ fühlten. Es sollten Bezugspersonen da sein, „die sich auch Sorgen machen dürfen“.

Das sieht auch Polizeisprecher Paul Förg so: „Es sollte zumindest ein regelmäßiger Telefonkontakt stattfinden. Das ist ganz wichtig.“ Dann hätten Alleinstehende eine gewisse Sicherheit.

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