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Rögling

07.06.2019

Gemeinderat mit einer einzigen Stimme

Bei der Wahl zum Gemeinderat 2014 erhielt Josef Stahl junior, der nicht auf der Liste kandidierte, eine Stimme.
Bild: Wolfgang  Widemann

Josef Stahl junior rückt in das Gremium nach, obwohl er bei der letzten Wahl gar nicht kandidiert hat. Wie es zu dieser kuriosen Konstellation gekommen ist.

Der Gemeinderat in Rögling ist wieder komplett. Während in anderen Kommunen das Nachrücken eines Ratsmitglieds ein Routinevorgang ist, entwickelte sich dieses Thema in Rögling zu einer etwas längeren und im weiten Umkreis wohl einmaligen Geschichte. In dieser Woche vereidigte Bürgermeisterin Maria Mittl nun Josef Stahl junior. Er erhielt bei der Wahl 2014 eine einzige Stimme.

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Stahl kandidierte vor gut fünf Jahren nicht einmal. Weil in Rögling aber insgesamt nur zehn Bewerber auf einer gemeinsamen Liste antraten, durften die Wähler auf freien Zeilen noch zusätzliche Namen notieren. Ein Röglinger nutzte dies, um Stahl in den Kreis der Gewählten zu bringen.

Drei Rücktritte

In den vergangenen Monaten traten drei Ratsmitglieder zurück. Jeweils einen Nachfolger zu finden, war für Bürgermeisterin Mittl nicht gerade leicht. Die beiden nicht gewählten Kandidaten – Nummer 9 und 10 auf der damaligen Liste – winkten ab. So trat der Fall ein, dass die zusätzlich auf die Wahlzettel geschriebenen Personen als potenzielle Nachrücker in Betracht kamen. Zunächst zog Martin Templer, der vier Stimmen erhalten hatte, in den Gemeinderat ein, dann Sabine Böswald (zwei Stimmen).

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Andere Röglinger verzichteten, sodass die Bürgermeisterin zuletzt nur noch Personen fragen konnte, die jeweils lediglich einmal auf einem Wahlzettel auftauchten. So kam der Tag, an dem Maria Mittl bei Josef Stahl anfragte. Der wusste von einem Freund seit Längerem, dass er mit auf der Liste mit 36 Namen stand, die 2014 handschriftlich ergänzt worden waren, „ich habe aber nichts darauf gegeben“. Bis die Bürgermeisterin vor der Tür stand.

Der Installateur erbat sich Bedenkzeit, auch um seine Frau zu fragen, mit der er zwei Kinder hat. Sie hatte nichts dagegen und so sagte der 36-Jährige zu. Von wem er die Stimme bekommen hat? „Keine Ahnung“, erklärt Stahl.

Unverhoffte Gelegenheit

Er habe schon einmal mit dem Gedanken gespielt, für das Amt des Gemeinderats zu kandidieren. Nun bekomme er unverhofft die Gelegenheit dazu, in dem Gremium mitzuwirken: „Jetzt schaue ich mir mal an, wie es so läuft.“ Stahl, der als Zweiter Kommandant und als Gerätewart auch in der Freiwilligen Feuerwehr engagiert ist. Aktuell könne er sich vorstellen, über 2020 hinaus im Rat weiterzumachen.

Gleich nach der Vereidigung galt es, den Beschluss für einen Vertrag mit der Telekom bezüglich des heiß umstrittenen Mobilfunkmasts zu fassen. Stahl stimmte für den Feuerwehrschlauchturm als Standort. „Ich hoffe, dass jetzt mal Ruhe ist“, merkt er dazu an. Auch wenn mal nicht alle einer Meinung seien, müsse es „weitergehen“.

Bürgermeisterin Mittl hofft unterdessen, dass die drei Nachrücker Geschmack daran finden, 2020 offiziell für den Gemeinderat zu kandidieren.

Lesen Sie dazu auch: Nicht kandidiert und trotzdem Gemeinderätin Zwei Räte legen Mandat nieder Mit vier Stimmen in den Gemeinderat

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