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Landkreis Donau-Ries

13.08.2020

Gesundheitsamt Donau-Ries ist an der Belastungsgrenze

Das Gesundheitsamt in Donauwörth arbeitet unter Hochdruck, die Vorgaben des Ministerpräsidenten umzusetzen.
Bild: Fabian Kapfer

Plus Unter Hochdruck wird im Landratsamt daran gearbeitet, die geforderten Tests umzusetzen. Doch auch auf lokaler Ebene zeigt sich, dass sehr viel nicht funktioniert und völlig ungeklärt ist. Ein Appell des Landrats.

Die jüngsten Vorgaben von Ministerpräsident Markus Söder ( CSU) in Sachen Corona stellen das Gesundheitsamt Donau-Ries vor massive Herausforderungen. Um eine zweite Welle einzudämmen, sollen die Tests massiv ausgebaut werden: Reiserückkehrer, Erntehelfer, Lehrer, sonstiges Schulpersonal und überhaupt jeder, der den Wunsch dazu hat, soll getestet werden. Soweit die Theorie. Doch es zeigt sich immer mehr, dass eine Umsetzung der Vorgaben alles andere als einfach ist.

Landrat Rößle: Das ist eine "enorme Aufgabe"

Landrat Stefan Rößle wird bewusster, wie viel tatsächlich am Gesundheitsamt Donau-Ries hängen bleibt. „Wir haben 135.000 Bürger in diesem Landkreis und theoretisch müssen wir für alle einen Test realisieren können. Das ist eine enorme Aufgabe“, so Rößle. Problem ist nämlich auch, dass offenbar viele Hausärzte einen Tests aus medizinischen Gründen ablehnen. Sie sehen ihn als nicht sinnvoll an und verweisen die Patienten an das Gesundheitsamt. Dort stauen sich die Wünsche nach Test und Testergebnissen. Vor wenigen Wochen waren die Ergebnisse innerhalb von 24 Stunden da, jetzt sind die Labore ausgelastet und es dauert mehrere Tage. Das sorgt für Unmut bei den Betroffenen. „In den vergangenen Tagen haben Bürger unsere Mitarbeiter im Gesundheitsamt massiv beleidigt und sich im Ton vergriffen“, berichtet Landrat Rößle. Er habe Verständnis, dass die Menschen auf Antworten warten. Doch er appelliert an die Betroffenen: „Wir arbeiten mit Hochdruck daran, alles zu organisieren. Wir bitten um Verständnis, dass auch wir Zeit brauchen, diese Aufgaben zu stemmen.“ Claudia Marb, die als Stellvertreterin des Landrats ab nächster Woche den Urlaubsdienst im Landratsamt übernimmt, werde zeitnah informieren, wie und wo sich die Bürger testen lassen können.

Für große Unsicherheit sorgt in erster Linie, dass viele Detailfragen noch gar nicht geklärt sind. Beispiel Testzentrum: Der Bayerische Ministerrat hat am Montag beschlossen, in jedem Landkreis „umgehend ein bayerisches Testzentrum einzurichten“, in dem sich jeder kostenlos testen lassen kann. Diese Information hat auch das Gesundheitsamt aus der Presse erfahren. „Es gab weder vorher noch zeitnah nach diesen Pressekonferenzen klare Vorgaben aus den Ministerien oder der Regierung von Schwaben“, sagt Rößle. Doch bei den Bürgern komme es so an, als wären die Strukturen bereits geschaffen. Rößle: „Bei allem Verständnis, dass wir in Bayern umsichtig agieren wollen: Diese schnellen Entscheidungen direkt umzusetzen, können wir nicht leisten.“

Kommt das Test-Zentrum nach Harburg?

Naheliegend wäre es, das bereits während der ersten Welle aktive Zentrum in Monheim zu reaktivieren. Doch die Lage am Bauhof ist nicht ideal, denn es soll auch am Wochenende getestet werden können. Der Standort soll außerdem mehr in die Mitte des Landkreises rücken.

Dann stellt sich die Frage, wer vor Ort tätig ist, denn das Personal des Gesundheitsamtes ist nicht ausreichend. Aktuell arbeiten dort die Amtsärztin und Leiterin Dr. Raffaella Hesse und zwei weitere Ärzte. Angekündigt sind sechs Helfer für ein Ermittlerteam. „Wir haben die Mittel, bis zu 13 weitere Personen im Gesundheitsamt einzustellen, doch die müssen wir erst einmal finden, auswählen und dann einarbeiten“, sagt Rößle.

Die Strukturen wie zu Zeiten des Katastrophenfalls von April bis Juni sind nicht mehr vorhanden. Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten muss über die KVB neu geregelt werden. Und dann gibt es noch weitere ungeklärte Fragen: Wer soll oder kann sich überhaupt dort testen lassen? Offen ist auch, wie das dokumentiert und abgerechnet wird. Denn die Tests für Lehrer werden aus einem anderen Topf bezahlt als die für die Reiserückkehrer.

Erste Schritte immerhin sind getan. Es wurden neue Strukturen geschaffen, unter anderem die von München geforderte „Koordinierungsgruppe Corona-Pandemie“, in der unter Führung des Landrats Vertreter aus dem Gesundheitsamt, der Polizei und der Ärzteschaft zusammenkommen. Sie soll die Reihentestungen managen. Geplant ist, dass es wieder einen Arzt geben soll, der die Schnittstelle zu den niedergelassenen Medizinern bildet. Im April war das Dr. Sebastian Völkl aus Nördlingen.

Landwirtschaft wird häufiger kontrolliert

Neu geschaffen wurde auch eine übergreifende Kontrollgruppe für landwirtschaftliche Betriebe. Vertreter aus Gesundheitsamt, Landwirtschaftsamt und Gewerbeaufsicht werden regelmäßig zu Gemüsebauern geschickt, um dort die Einhaltung der Hygienekonzepte zu kontrollieren. „Aktuell sind es drei Betriebe, die wir besuchen“, sagt Rößle. Wo kontrolliert werden muss, weist das Landwirtschaftsministerium an. Doch es warten weitere Aufgaben. Arbeitskräfte, die bei Landwirten mit mehr als zehn Mitarbeitern anfangen, müssen einen negativen Corona-Test vorlegen. Auch das muss kontrolliert werden, notfalls ein Test nachgeholt werden.

Gesamtes Schulpersonal soll getestet werden, bevor die Schule beginnt

Eine Mammutaufgabe jedoch sorgt beim Landrat schon jetzt für Kopfzerbrechen: Lehrer, Schulpersonal und Verwaltungsmitarbeiter sollen alle auf Covid-19 getestet werden – bevor die Schule überhaupt beginnt. Das sind mehrere Hundert Personen, die in kurzem Zeitraum erreicht, getestet, informiert und – falls nötig – unter Quarantäne gestellt werden müssen. Zwar sind die Träger dafür zuständig, doch die werden sich ans Landratsamt wenden, wie das umzusetzen ist.

Und ganz nebenbei macht das Gesundheitsamt ja auch noch den Job der Nachverfolgung. Sollte also irgendwo eine Infektion mit Corona entdeckt werden, müssen die Kontaktpersonen ja ebenfalls erreicht, getestet und wieder informiert werden.

Dr. Johann Keller vom Bayerischen Landkreistag hat es am Mittwoch in einem Schreiben an die 71 Landräte in Bayern so formuliert: „Es bleibt abzuwarten, welcher Arbeitsaufwand daraus tatsächlich entsteht.“

Lesen Sie dazu den Kommentar von Barbara Wild: Die Last auf das Gesundheitsamt ist zu hoch

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