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Frauenhaus

13.07.2017

Gewalt meist in eigenen vier Wänden

Drei von vier Frauen, die im vergangenen Jahr ins Frauenhaus Nordschwaben gekommen waren, flüchteten vor ihrem Partner.
Bild: Maurizio Gambarini, dpa

Verein in Nordschwaben zieht Bilanz für 2016 und sucht Helferinnen

Im Jahr 2016 fanden 22 Frauen und 19 Kinder im Frauenhaus Nordschwaben Zuflucht und bekamen umfassende professionelle Unterstützung. Die durchschnittliche Auslastung lag bei 89,75 Prozent. Das teilt der Verein Projekt Frauenhaus mit. Die Statistik zeige, dass im Jahr 2016 weniger Frauen als 2015 in der Einrichtung lebten.

Die geringere Fluktuation lasse sich darauf zurückführen, dass einige Familien aufgrund der schwierigen Situation auf dem Wohnungsmarkt über einen längeren Zeitraum in dem Haus wohnten. Fast alle Frauen waren zwischen 20 und 50 Jahre alt.

Der Anteil der Frauen, die durch eigene Informationen ins Frauenhaus fanden, lag bei gut 40 Prozent. Knapp 14 Prozent der Frauen kamen durch professionelle Dienste in das Frauenhaus. Etwas mehr als 40 Prozent der Frauen wurden durch einen Hinweis aus ihrem sozialen Netz wie Freundinnen, Nachbarn oder Verwandte vermittelt, knapp fünf Prozent von der Polizei.

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In etwa 75 Prozent der Fälle flüchteten die Frauen vor ihrem Ehemann oder Lebenspartner. „Dies zeigt, dass Frauen, die von Gewalt betroffen sind, diese überwiegend durch ihre Beziehungspartner erfahren und die Gewalt fast immer in den eigenen vier Wänden geschieht“, erklärt der Verein. Die aufgenommenen Frauen seien geprägt von einer permanenten Gewaltsituation und Isolation: „Sie haben zu diesem Zeitpunkt meist keine Kraft für die nötigen weitreichenden Veränderungen.“

In der ersten Zeit des Aufenthalts im Frauenhaus sei Krisenintervention vorrangig. Ziel der weitergehenden Beratung sei es, das Selbstwertgefühl der Frauen zu stärken, sie in ihrer zukünftigen Planung zu unterstützen: „Das heißt: Hilfe zur Selbsthilfe.“ Wichtig sei dabei, dass die Frauen für sich und ihre Kinder eigenverantwortlich handeln können. Während des Aufenthaltes im Frauenhaus setzen sich dem Verein zufolge nicht nur die Frauen, sondern auch die Kinder intensiv mit ihrer Situation auseinander: „Sie verlassen das Frauenhaus in der Regel gestärkt und mit erweiterten Möglichkeiten zur Gestaltung ihrer Lebensplanung.“

Im Vergleich zu den Vorjahren zeige sich, dass mit fünf Prozent wieder deutlich weniger Frauen zurück in die gewaltgeprägte Lebenssituation gingen. In 17 Fällen wurde eine nachgehende Beratung geleistet. Das kann sowohl ein einmaliges Nachsorgegespräch oder aber auch eine mehrere Monate andauernde Begleitung sein: „Es zeigte sich immer mehr, dass der Bedarf an Nachbetreuung steigt, vor allem für Mütter und Migrantinnen.“ Das externe Beratungsangebot nahmen insgesamt 239 Personen wahr: Betroffene, Bekannte oder Verwandte. Persönliche Beratung erfolgte in 28 Fällen. Der Verein Projekt Frauenhaus wurde vor 27 Jahren gegründet. Einige Frauen der ersten Stunde wollen jetzt kürzertreten. Deshalb freuen sich die Vorstandsmitglieder über Frauen, die die Arbeit im Verein aktiv unterstützen wollen. Interessentinnen können sich unter Telefon 0152/23531211 melden und informieren. Der Verein ist nach wie vor auf Spenden und Bußgelder angewiesen. (dz)

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