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Donau-Ries

17.12.2020

Grafitti-Serie: Monheim setzt Belohnung aus

Einer der Schmierereien-Schwerpunkte in Harburg: Die Bahnunterführung für Fußgänger an der Brünseer Straße ist über und über mit Zahlen- und Buchstabenkombinationen sowie Begriffen besprüht.

Plus In einigen Orten werden seit Monaten reihenweise Objekte verunstaltet. Das nervt Kommunen, Firmen und Privatleute. Die Stadt Monheim setzt eine Belohnung aus.

Für den Harburger Bürgermeister Christoph Schmidt ist es eine „ärgerliche“ und „nervige“ Angelegenheit. Mancher Hausbesitzer in der Burgstadt, in Donauwörth, Monheim oder anderswo ist schlicht entsetzt. Seit Wochen sind offenbar vorwiegend in den Abend- und Nachtstunden Unbekannte unterwegs und beschmieren mit Sprühfarbe oder dicken Filzstiften die Wände von Gebäuden, von Unterführungen, von Verteilerkästen sowie Parkbänke, Schilder und sonstige Gegenstände. Teilweise sind es beleidigende Parolen, meist handelt es sich aber nur um Zahlenkombinationen oder irgendwelche Buchstaben-Kürzel.

„Fast wöchentlich kommt etwas hinzu“, klagt Schmidt. Erst kürzlich passierte es wieder in Harburg in der inzwischen völlig besudelten Bahnunterführung für Fußgänger an der Brünseer Straße, an der Wörnitzhalle, der Schule, der Diakonie, am Märkerpark und an einem Wohnhaus.

Polizei registriert die meisten Fälle in Donauwörth und Monheim

Am meisten Tatkomplexe registrierte die Polizeiinspektion Donauwörth im vergangenen halben Jahr in Donauwörth (42) und in Monheim (38). In der Jurastadt beschäftigte die Problematik nun sogar den Stadtrat. 1000 Euro Belohnung für Hinweise auf die Verursacher der Schmierereien auszusetzen – diesen ungewöhnlichen Weg hat nun das Gremium eingeschlagen. Den Vorschlag hatte die CSU-Fraktion eingebracht, bei einer Gegenstimme wurde das Vorhaben beschlossen.

Ein Objekt, das in Monheim ins Visier der „Künstler“ geraten ist: die alte Lokomotive am ehemaligen Bahnhof.
Bild: Münsinger

Bürgermeister Günther Pfefferer fasste in der Sitzung zusammen: „Diese Graffiti-Schmierereien beschäftigen uns nun schon über Monate. Bislang gibt es keine Spur.“ Die Belohnung könne ein gewisser Anreiz sein, den Übeltätern auf die Schliche zu kommen. Für den Bürgermeister ist klar: Wenn man die 1000 Euro auszahlt und dafür etwas erreicht habe, würde es sich lohnen, „wenn es nichts bringt, muss man auch nichts bezahlen“.

Graffiti: Angewiesen auf Hinweise aus der Bevölkerung

CSU-Fraktionssprecher Konrad Müller informierte, dass der traurige Höhepunkt am 11. September gewesen sei mit allein 17 Anzeigen an einem Tag. Der Schaden in Monheim betrage nach Schätzungen bislang mindestens 20.000 Euro. Laut Müller unterstützt auch die Polizei die Aktion mit der Belohnung. Diese könnte bei den Ermittlungen weiterhelfen. Bislang konnten die Ermittler nur einen Bruchteil der Fälle in der Region aufklären. Am Kaufland in Donauwörth ertappte eine Streife ein paar Burschen auf frischer Tat.

Die Beamten gehen laut Pressesprecher Stephan Roßmanith davon aus, dass es sich dabei lediglich um „Nachahmer“ gehandelt habe. Soll heißen: Die Täter, die in Donauwörth, Monheim und Harburg in Serie die aufgezählten Objekte verunstalten, sind weiter unbekannt. Freilich hinterlassen sie ihre Erkennungszeichen, in der Szene auch „Tags“ genannt. „Wir haben noch nicht alle entschlüsselt“, berichtet der Hauptkommissar.

Hier sei man auch auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen: „Vielleicht weiß jemand, was bestimmte Kürzel bedeuten.“ Was überall auffalle: Die Hinterlassenschaften hätten keinerlei „künstlerischen Wert“. Was zudem schwer wiege: Die Täter machten auch nicht vor historischen Bauwerken halt, so in Donauwörth beispielsweise am Färbertörle oder am Rieder Tor.

Der Schaden beträgt schon rund 60.000 Euro

Der Schaden in der Region summiere sich mittlerweile auf – ganz grob geschätzt – wohl über 60.000 Euro. Oft sei die Farbe nur schwer zu entfernen. Kürzlich beschmierten Unbekannte kreuz und quer das Parkdeck am Kaufland in Donauwörth. Allein dort könnten die Kosten bei rund 10.000 Euro liegen. Der Gesamtschaden lasse sich erst genau beziffern, wenn alle Rechnungen vorlägen, erklärt Roßmanith. Der berichtet, dass in den vergangenen Monaten auch Anzeigen aus Wemding, Kaisheim und Asbach-Bäumenheim eingegangen seien.

Eine von vielen Schmierereien in Donauwörth: Ein gewisser „Rohdiamant“ hat das Färbertörle verunstaltet.
Bild: Widemann

Die Polizeiinspektion Rain weiß nach Auskunft von Leiter Ralf Schurius in den vergangenen drei Monaten von Fällen in der Lechstadt und in Mertingen – und in Oberndorf, wo eine Gruppe auf einen Schlag gleich an 26 Stellen zuschlug. Weil die Taten dort politisch motiviert gewesen sein könnten, ermittelt die Kripo Dillingen. Die Fahnder der Polizei rätseln derweil über den Grund, warum in einigen Orten die Schmierereien derart häufig stattfinden. Täter seien wohl jüngere Personen, so Roßmanith.

Bremst die Ausgangssperre die „Künstler“ ein?

Man könne den Eindruck gewinnen, dass diese sich in ihrem Treiben gegenseitig übertreffen wollen. Dies gelte auch für die Zeitgenossen, die vornehmlich in Donauwörth und Umgebung massenhaft Schilder mit Aufklebern „verzieren“ – und ebenfalls beträchtlichen Schaden anrichten. Grund: Viele der „Sticker“ haften so fest auf dem Untergrund, dass sich beim Entfernen die reflektierende Schicht von Verkehrszeichen mit ablöst.

Die Ermittler hätten angesichts der seit Mittwoch geltenden nächtlichen Ausgangssperre jetzt die Hoffnung, dass die Sprüher und sonstigen „Künstler“ in ihren Aktivitäten gebremst werden, teilt Roßmanith mit. Jedenfalls steige die Wahrscheinlichkeit, in der Dunkelheit kontrolliert zu werden, enorm.

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