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DZ Lesesommer (Folge 1)

04.08.2020

Günther Schäfer: Eine ganz heiße Nummer

Was Autor Günter Schäfer im Nachbarsgarten beobachtet, weckt seine Neugier.
Bild: rsc lre hjb bsc

Plus Da das Literaturfestival abgesagt ist, schreibt der Autorenclub Geschichten für uns. In Folge 1 schildert Günter Schäfer eine intime Beobachtung.

Corona bedeutet: sich einschränken, Abstand halten, verzichten. Da bleibt oftmals nur wenig, oder auch gar keine, Zeit für Zweisamkeit. Außer, man befindet sich zu zweit in vertrauter Umgebung zuhause. Das bedeutet für so manchen in dieser Zeit: Nähe, dabei sehnsuchtsvolle Blicke, verlockende Aussichten. Die Folgen sind dabei, oft gewünschterweise, unausweichlich. So geschehen, auch in unmittelbarer Umgebung unseres Hauses.

Ich saß an diesem Tag auf der Terrasse, als ich mit einem Mal sehr eindeutige Geräusche vernahm. Vorsichtig, jedoch auch neugierig, versuchte ich, den Ort des Geschehens auszumachen. Schließlich, aus sicherer Entfernung, versteckt hinter einer niedrigen Bretterwand, erblickte ich die eingegrenzte, mediterran gestaltete Gartenfläche. Sonnige Bereiche, durchbrochen von bepflanzten Wildkräuterinseln, dazu ein Schatten spendender Unterstand. Ein leichter Hauch von Salbei und Lavendel lag in der Luft. Alles in allem eine traumhafte Landschaft, die ein Liebespaar geradezu dazu einlud, das ewige Spiel der Liebe zu spielen.

Ein Pärchen im Garten

Hinter einer niedrigen Staude erkannte ich schließlich das Pärchen, winkte meine Frau heran und legte dabei kurz den Zeigefinger auf meine Lippen. Ich deutete ihr an, leise zu sein, um das Pärchen in seiner Zweisamkeit nicht zu stören. Mit einem vielsagenden Lächeln zwinkerte ich ihr zu, wobei ich in Richtung des abgegrenzten Bereichs deutete.

Nach jedoch nur wenigen Augenblicken der Beobachtung meinte sie zu mir, dass es sich nicht gehöre, die intimsten Momente zweier sich Liebender so schamlos zu beobachten. Dennoch war auch sie nach kurzer Zeit erstaunt über das äußerst intensive und ausdauernde Vorspiel, das sich unseren Augen bot.

Annäherungsversuche

Es schien gerade so, als würde er von seiner Angebeteten stets aufs Neue abgewiesen werden, nachdem er sein Ziel beinahe erreicht hatte. Als wäre sie von einem Schutzpanzer umgeben, so prallten seine Annäherungsversuche immer wieder von ihr ab. Beinahe flehentlich versuchte er, ihr seine glühende Leidenschaft zu vermitteln, wollte ihr zeigen, wie sehr er sich nach ihr verzehrte. Diese, auch verbalen, Bemühungen trieben uns heimlichen Zuschauern die Röte ins Gesicht. Trotz der moralischen Bedenken meiner Frau zückte ich mein Smartphone, um das vor unseren Augen stattfindende erotische Spiel digital festzuhalten.

Das Aufeinandertreffen unserer Blicke war dabei genauso heftig wie der unmittelbar darauffolgende Ellenbogenstoß, der schmerzhaft auf meine Rippen traf. Doch ließ ich mich wegen dieser körperlichen Ermahnung nicht davon abhalten, weiterhin gebannt auf das Pärchen vor uns zu schauen, bei dem sie immer wieder verzweifelt versuchte, seinen körperlichen Attacken zu entfliehen.

„Die Arme“, flüsterte meine Frau mitleidsvoll, als wir sahen, dass diese Bemühungen nur kurzzeitig Erfolg hatten. – „Wieso die Arme?“, gab ich leise fragend zurück, wobei ich das Wörtchen die besonders betonte. „Sie stachelt ihn durch ihr zaghaftes Davonlaufen doch regelrecht an, indem sie immer wieder stehenbleibt, bis er sie eingeholt hat! Kein Wunder, dass die Männer dadurch verrückt werden!“

Ausdauer des Liebhabers wird belohnt

Kurz darauf allerdings war mehrfach zu vernehmen, dass die Ausdauer des Liebhabers belohnt wurde. – „Typisch Mann“, kam es von meiner Frau. „Trieb befriedigt, aber nicht an Verhütung gedacht. Wenn’s danebengeht, darf sie das Ergebnis allein austragen.“

Nun, es gab zwar letzten Endes das vorherzusehende Ergebnis, ausgetragen werden musste es von ihr jedoch nicht. Die sieben Schildkröteneier, die meine Frau einige Wochen später im Gehege fand, waren von der werdenden Mutter fein säuberlich und liebevoll abgelegt worden. Schildkröteneier, je nachdem, wie lange sie schon im warmen Boden gelegen haben, dürfen nicht mehr gedreht werden. Deshalb wurde der mögliche Nachwuchs nun in archäologischer Kleinarbeit mit einem Pinsel freigelegt und umgebettet.

In einem geeigneten, mit Sand gefüllten Behälter wartet das werdende Leben nun unter einer Wärmelampe darauf, seiner Behausung irgendwann im September entschlüpfen zu dürfen.

Zum Autor Günter Schäfer:

Günter Schäfer


  • Günter Schäfer wurde in Rain am Lech geboren, ist seit 1989 wohnhaft in Reimlingen und schreibt in erster Linie Kriminalgeschichten aus dem Donau-Ries-Kreis, sofern ihm neben seinem Hauptberuf als Fachinformatiker die Zeit dazu bleibt.
  • Zuletzt erschien Ende vergangenen Jahres der Titel „Die Tote vom Mangoldfelsen“, ein Donauwörther Lokalkrimi.

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