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06.11.2019

Hängt das E-Auto die Region ab?

Die Politik und mittlerweile auch die Automobilindustrie setzen auf Elektroautos. Kann das auch in einem ländlichen Gebiet wie Nordschwaben funktionieren?
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Die Politik und mittlerweile auch die Automobilindustrie setzen auf Elektroautos. Kann das auch in einem ländlichen Gebiet wie Nordschwaben funktionieren?
Foto: dpa

Beim Herbstempfang der IHK Nordschwaben erleben 250 Gäste einen Präsidenten Andreas Kopton, der nicht nur Optimismus ausstrahlt und Elektromobilität kritisch bewertet

Die Stimmung in der nordschwäbischen Wirtschaft ist gut. Noch! Aber werden die Betriebe in den Landkreisen Donau-Ries und Dillingen auch weiterhin so hervorragend dastehen? „Ja, aber nur, wenn die Politik künftig unsere Anliegen mehr berücksichtigt“, sagt Andreas Kopton. Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Schwaben sieht die Wirtschaft in der Region vor großen Herausforderungen. Beim Herbstempfang seiner Vereinigung warnte er vor weiteren Negativtendenzen.

Der traditionelle Herbstempfang der IHK Nordschwaben bot eine gute Gelegenheit, gemeinsam Rückschau zu halten, über aktuelle Themen zu sprechen und in die Zukunft zu blicken. Rund 250 Gäste aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Verbänden, Kammern und Medien pflegten einen intensiven Dialog.

Andreas Dirr, Vorsitzender der IHK-Regionalversammlung Donau-Ries, vermittelte ein kontrastreiches Bild. Den Fokus lenkte er auf zwei Bereiche: Fachkräftemangel und die künftige Mobilität. Die Rahmenbedingungen, so Dirr, würden immer schwieriger. Gerade bei der Ausbildung und Berufsorientierung wolle die IHK insbesondere auf regionaler Ebene verstärkt aktiv sein. „Wir müssen uns fragen, wie es noch besser gelingen kann, junge Menschen für eine duale Ausbildung zu begeistern.“ Die Wirtschaft benötige aber nicht nur gut ausgebildete Facharbeiter, sondern auch gut ausgebildete Akademiker.

Das „Haus der Wirtschaft“ in Dillingen nannte Dirr „elementar“. Dort werde es qualitativ hochwertige Weiterbildungsangebote geben. 1300 Quadratmeter des im Rohbau befindlichen Gebäudes (von Gregor Ludley kurz vorgestellt) seien als Schulungsfläche vorgesehen. „Eine gewerblich-technische Lehrwerkstatt ist ein großes Plus für den Produktionsstandort Nordschwaben“, freute sich Dirr, der gleichzeitig die geplanten Bildungsräume der IHK Akademie ansprach.

„In Nordschwaben hinken wir beim Ausbau von Straße und Schiene teilweise hinterher“, erklärte Dirr. Stark bewege die Wirtschaft der Ausbau der Bundesstraße 16. „30 Jahre Diskussion müssen einfach reichen“, sagte er und kündigte die Neuauflage der „B-16-Konferenz“ an. Neben der B16 als Achse quer durch Nordschwaben sei ein Zugang zu den Autobahnen außerhalb der beiden Landkreise wichtig. Die B25 müsse also demnächst den dreispurigen Abschnitt Möttingen–Nördlingen erhalten. Es sei erfreulich, so Dirr, dass sich beim Ausbau der B492 zwischen Gundelfingen und der A7 „nun auch endlich etwas auf baden-württembergischer Seite“ bewege.

Es sei geglückt, beim notwendigen Durchstich des Fußgängertunnels zu Airbus bei der Sanierung des Bahnhofs in Donauwörth Verbündete zu finden. Dirr forderte ein drittes Gleis für die Bahnstrecke zwischen Augsburg und Donauwörth. Gerade Donauwörth profitiere enorm von der neuen ICE-Schnellstrecke. Dirr: „Da darf es nicht sein, dass der Güterverkehr noch mehr ICE auf die andere Strecke über Ingolstadt verdrängt.“ „Das Umfeld für die Konjunktur wird schwieriger“, ernüchterte IHK-Präsident Andreas Kopton. Die Prognosen zur wirtschaftlichen Entwicklung seien eher pessimistisch, was sich in den Einschätzungen der Unternehmen und ihrer aktuellen Lage zeige. Vor allem die Industrie bremse jetzt in Nordschwachen den Konjunkturmotor. Das sei alarmierend, „denn die Industrie ist über die zahlreichen Wertschöpfungsketten und den Arbeitsmarkt eng mit den anderen Branchen verbunden“. Gerade die exportorientierte schwäbische Industrie belasteten die Hemmnisse der Weltwirtschaft. Kopton nannte dafür den Handelskonflikt zwischen USA und China und die „Brexit-Endlosschleife“ als verantwortlich.

Hart ging Kopton mit der Politik ins Gericht. Die Verantwortlichen hätten noch nicht begriffen, „dass wir gegen die Wand fahren“, erklärte der IHK-Präsident unter dem frischen Eindruck einer Dienstreise nach Vietnam. Die Strompreise und die EEG-Umlage beeinträchtigen nach einer Rechnung Koptons die Betriebe „immer mehr“. Heute schon zahle die Wirtschaft innerhalb der EU die höchsten Stromkosten.

„Wer ist mit dem E-Scooter zum Herbstempfang gekommen?“, fragte Kopton provokativ. Das sei natürlich niemand, denn die Mobilität hinsichtlich von Elektroautos sei auf dem flachen Land anders als in der Großstadt zu sehen. „Nur noch Elektromotoren, das könnte auch Selbstmord sein“, warnte er. Kopton befürchtet, dass der technologische Wandel hin zur Elektromobilität und besonders zu batteriebetriebenen Motoren auch die Zuliefererindustrie in Schwaben verändern wird.

Bei aller Ernüchterung prognostizierte Kopton Chancen für den Standort. Er will einen relativ alten Beruf neu beleben: „Die IHK Schwaben möchte deutschlandweit Leit-IHK für den Leichtfugzeugbauer werden.“ Gemeinsam mit der Berufsschule Donauwörth und in enger Abstimmung mit dem Kultusministerium wolle man dieses Potenzial nutzen.

Schließlich äußerte der IHK-Präsident eine Vision: Er rief dazu auf, das Klima zu schützen, „die Kräfte der Natur zu nutzen“. Er appellierte dazu, Bäume zu pflanzen, um die Verbindung von Ökonomie und Ökologie sichtbar zu machen.

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