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Landkreis Donau-Ries

19.04.2019

Im Wald die letzte Ruhe finden

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An diesem Platz im Donauwörther Stadtwald können sich die Angehörigen von den Gestorbenen verabschieden. Auch Aussegnungen finden hier statt, meist aber im eher kleinen Kreis.
Bild: Millauer

Plus Immer mehr Menschen wollen sich naturnah bestatten lassen. Welche Konzepte es dafür in der Region gibt.

Zwischen den Lärchen, Buchen und Fichten liegt die Asche der Toten. Rund 80 Zentimeter tief in der Erde, eingebettet in eine biologisch abbaubare Urne. Kleine Schilder aus Metall an den Bäumen erinnern an die Gestorbenen. Angelina Hafner ist Leiterin der Waldruh Naturbestattung. An zwei Standorten bietet das Unternehmen bisher Bestattungen im Wald an – auf der Ostalb und in Harburg.

Die Nachfrage ist so groß, dass schon ein dritter Standort in Fremdingen geplant ist. Die Menschen wollten zurück zur Natur, zurück zum Ursprung, erklärt Hafner: „In den letzten zehn Jahren hat sich das komplett gedreht.“ Bei fast zwei Drittel der in Deutschland gestorbenen Personen fällt oder fiel die Entscheidung mittlerweile auf eine Einäscherung. Als letztes Bundesland genehmigte Bayern im August 2005 mit einer Gesetzesänderung die Naturbestattung.

190 Bäume in Harburg

Vergangenes Jahr eröffnete Waldruh Naturbestattung seinen Standort in Harburg. 190 Bäume stehen hier auf 2,5 Hektar aktuell für Bestattungen zur Verfügung. Sollte das nicht mehr ausreichen, kann das Gebiet auf 10,5 Hektar ausgeweitet werden. Der Fürst zu Oettingen-Wallerstein, dem der Wald gehört, verpachtete ihn für 99 Jahre an die Stadt. Nur ihr ist es per Gesetz erlaubt, einen Friedhof zu betreiben. Durchgeführt werden die Bestattungen aber von dem Unternehmen, das dazu den Auftrag von der Stadt bekommen hat. Damit gerechnet, dass so viele Menschen so schnell Interesse haben, hätte sie aber auch nicht, betont Hafner.

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Zwei Mal im Monat veranstaltet das Unternehmen Führungen durch den Wald. Fast immer würden um die 20 Personen daran teilnehmen, erklärt Hafner. Eine Frage, die häufig auftaucht: Was kostet so ein Grab überhaupt? Für einen einzelnen Urnenplatz an einem Baum, an dem ringsum noch elf weitere Urnen begraben sind, zahlt man je nach Kategorie zwischen 500 und 1900 Euro – je nachdem, um welchen Baum es sich handelt. Wer einen ganzen Baum erwerben will, um dort eine Ruhestätte für die Familie zu errichten, zahlt zwischen 3200 und 9000 Euro.

460 Euro in Donauwörth

Einige Kilometer weiter entfernt, im Stadtwald in Donauwörth ist es etwas günstiger. Seit November betreibt die Friedhofsverwaltung der Stadt Donauwörth hier einen Naturfriedhof. 460 Euro zahlt man hier für einen Platz. Der gehört dem Käufer schließlich für 15 Jahre. Danach können die Angehörigen entscheiden, ob sie den Platz weiterhin behalten wollen. Nach drei Jahren sei im Boden aber ohnehin nichts mehr von der Person, die aus dem Leben geschieden ist, zu finden, erklärt Markus Seißler.

Seit über 30 Jahren ist er Bestatter, seit zwölf Jahren bei der Friedhofsverwaltung in Donauwörth, übt den Beruf in der vierten Generation aus. Er vermutet, dass die Tendenz zu Naturbestattungen sich fortsetzen wird. „Die Kinder wohnen oft nicht mehr vor Ort und viele können die Gräber nicht mehr pflegen“, erklärt Seißler. Als der Naturfriedhof eröffnete, hätten sie noch das Wort christlich mit im Namen stehen gehabt. Doch da habe sich die Kirche beschwert.

Grundsätzlich befürworte die evangelische Kirche Bestattungen an örtlichen Friedhöfen, erklärt Dekan Johannes Heidecker. „Nachdem die Vorstellung, sich an Naturfriedhöfen bestatten zu lassen, weiter um sich greift, sollten wir die Menschen auch dabei begleiten“, sagt der Dekan. Evangelische Pfarrer dürfen also auch Aussegnungen an Naturfriedhöfen vornehmen. Dafür sei immer der Pfarrer zuständig, aus dessen Gemeinde der Verstorbene stammt.

Einigung mit der Kirche

Angelina Hafner von Waldruh Naturbestattung erklärt, dass auch aus Sicht der katholischen Diakonie Augsburg nichts gegen Naturbestattungen spräche. Das habe man ihnen schriftlich bestätigt. Ob die Pfarrer die Aussegnung begleiten oder sich weigern, liegt also an ihnen. In Donauwörth hätte man sich mit der Kirche geeinigt, dass man den Naturfriedhof schlicht betreibt.

An einem kleinen Andachtsplatz mit sechs Bänken und einem Holzkreuz in Donauwörth können sich die Angehörigen von dem Gestorbenen verabschieden. Auch hier können an jedem Baum zwölf Urnen beigesetzt werden. Die Stellen an den 300 Bäumen im Stadtwald wurden bereits ausgehoben. Statt einer Urne steckt in den meisten Plätzen noch eine Röhre.

Eher weniger Trauergäste

Wird ein Platz belegt, wird diese entfernt und die Urne beigesetzt. Aktuell seien hier zwischen 18 und 20 Plätzen belegt, erklärt Seißler. Einen weiteren Unterschied, den Seißler zu traditionellen Beerdigungen ausgemacht hat: Die Trauerfeier finde eher im kleineren Kreis statt. Es sei auch nicht gewollt, dass Hunderte zur Trauerfeier im Wald kommen. Schließlich gehöre der Stadtwald auch zum Naturschutzgebiet Altmühltal.

Auch in Harburg verabschiede man sich meist im kleinen Kreis von etwa 20 Personen von dem Toten. „Wir hatten aber auch schon Trauerfeiern mit 200 Personen im Wald“, erklärt Hafner. Wenn die Urne beigesetzt ist, würden die Menschen aber sogar öfter zur Trauerstelle kommen als bei traditionellen Gräbern. Kümmern müssen sich die Angehörigen aber um nichts.

Für die Pflege des Grabs ist das Team von Waldruh Naturbestattung zuständig. Damit die metallenen Namensschilder nicht in den Baum einwachsen, müssen die Schrauben regelmäßig gelockert werden. Sie sind nach drei Jahren, wenn die biologisch abbaubare Urne sich im feuchten Erdboden zersetzt hat, das einzige, was an den Verstorbenen erinnert.

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