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Rain

01.05.2020

In Rain ist eine Ära zu Ende gegangen

Corona fordert Distanz – so auch bei der Verabschiedung im Rainer Stadtrat. Hier Bürgermeister Gerhard Martin (links), der nach 30 Jahren aufhört, und Zweiter Bürgermeister Leo Meier.
Bild: Barbara Würmseher

Plus Mit 30 Dienstjahren war Gerhard Martin der am längsten amtierende Bürgermeister in der Geschichte der Stadt Rain. Für sein erfolgreiches Wirken zollte ihm jetzt der Stadtrat Respekt, Dank und Wertschätzung.

Am Ende dieser denkwürdigen Stadtratssitzung erheben sich alle von den Plätzen und applaudieren: Ratsmitglieder wie Zuhörer, politische Freunde wie auch unbequeme Mitstreiter. Sie zollen mit ihrem lang anhaltenden Klatschen einem unter ihnen Respekt, Wertschätzung, Sympathie und Dank. Es ist Bürgermeister Gerhard Martin, gegenüber dem sie in dieser letzten Sitzung des alten Gremiums die sonst üblicher Zurückhaltung aufgeben. In der Stunde des Abschieds wird für alle spürbar, dass eine Ära endet.

30 Jahre lang hat Gerhard Martin die Geschicke der Stadt Rain an vorderster Front erfolgreich gelenkt. Er ist der bis dato am längsten amtierende Bürgermeister in der Geschichte der Tillystadt. Jetzt nimmt er seinen Hut. Er tut es freiwillig, bewusst gewählt und trotzdem nicht ohne Wehmut. Zusammen mit ihm gehen neun Stadträte. Darunter etwa Zweiter Bürgermeister Leo Meier – ebenfalls 30 Jahre dabei. Dienstältester freilich ist Reinhard Prummer, der es auf stattliche 36 Jahre als Stadtrat bringt. Sie alle nehmen Worte der Anerkennung aus dieser Sitzung mit, auch Geschenke und Urkunden. Es ist der 28. April 2020. Ab Mai wird vieles anders.

Lesen Sie das Portrait zum Abschied: Gerhard Martin sagt Ade – nach 30 Jahren als Rathauschef

Eigentlich war zum Finale ein Festakt geplant, doch Corona hat allem einen Strich durch die Rechnung gemacht. So herrscht zunächst bei größtmöglicher Distanz im Bayertorsaal trockene Sitzungs-Normalität zwischen Bauanträgen und Bebauungsplänen. Erst Tagesordnungspunkt Nummer 17 macht dann den emotionalen Höhepunkt aus. Kein Sekt zwar, kein Händeschütteln, keine Musik, kein anschließendes Büffet. Aber warme Worte mit Tiefgang.

Gerhard Martin blickt zurück – zunächst auf die letzte Amtsperiode 2014 bis 2020 aller Scheidenden an diesem Dienstagabend. In Zahlen ausgedrückt, so bilanziert er, könne sich diese politische Phase sehen lassen. Fast 172 Millionen Euro hat die Stadt bewegt. 58 Millionen Euro haben die Investitionen ausgemacht. Auf den Weg gebracht wurde vieles: vom Flächennutzungsplan, Bebauungsplänen und der Erschließung von Gewerbegebieten über die Schlosssanierung, die Frauenarztpraxis und das Dorfgemeinschaftshaus Mittelstetten, bis hin zu Hallenbad, zahlreichen Abwasserprojekten und vielem mehr.

Das Schloss in Rain wurde unter den Wittelsbachern gebaut.
Bild: Haus der Bayerischen Geschichte

An diesen markanten Punkten in der Erfolgsgeschichte Rains haben viele im Stadtrat mitgewirkt, daran lässt Gerhard Martin keine Zweifel. Neun Kollegen aus dem Gremium scheiden auf eigenen Wunsch aus und Martin dankt ihnen für den ehrenamtlichen Einsatz, für geleistetes Engagement. „Ich denke, Sie dürfen alle mit Freude darauf zurückblicken, wie sich mit Ihrer Mitarbeit unsere Stadt entwickelt hat.“

Ein besonderer Mitstreiter war in 30 Jahren besonders einer: Leo Meier, seit 18 Jahren auch Zweiter Bürgermeister. Ihm widmet Martin ein paar Worte mehr, verweist auf dessen politische Ämter in Fraktion, Partei, Stadtrat und Kreistag und beschreibt ihn vor allem mit Begriffen wie Leidenschaft, Verantwortungsbewusstsein und Augenmaß.

Ein "klarer Blick auf die Realitäten"

Hingabe an die Sache attestiert Martin ihm unter anderem ebenso wie beharrliches Verfolgen von Zielen, Ideen und Mut zu deren Umsetzung und einen „klaren Blick auf die Realitäten“. Der ganz persönliche Dank Martins schließlich gilt Meier für „offene Worte und fruchtbare Diskussionen, für freundschaftliche Ratschläge und für vieles, was ich heute nicht aussprechen brauche“.

Dann ist die Reihe an Leo Meier, einen Blick auf Gerhard Martins Amtszeit zu werfen und er tut das notgedrungen komprimiert, denn die Listen an Leistungen, an Investitionen „würde ein Buch füllen“.

Bei den „nachhaltigen und zukunftsgewinnenden Projekten“ nennt Meier unter anderem Sanierung und Belebung der Innenstadt mit Schloss und Bayertor, die zentrale Abwasserbeseitigung der Stadtteile, Umgehungsstraße, Baugebiete, Bürger- und Feuerwehrhäuser, Firmenansiedelungen, Sparkassenfusion, kulturelle Entwicklungen wie etwa die Einrichtung der Musikschule, Freizeit- und Sportstätten sowie vieles mehr.

„Ein Höhepunkt Ihrer Amtszeit“, so Meier an den scheidenden Bürgermeister gerichtet, „war zweifelsohne die kleine Gartenschau.“ Mit „Natur in Rain“ habe Martin sich nicht nur als „großartiger Botschafter für unsere Blumenstadt“ ausgezeichnet, sondern mit Schloss und Park etwas Bleibendes geschaffen. „Alles in allem hat sich sehr viel in unserer Stadt zum Positiven gewandelt“, so Meier, „Sie haben der Stadt viele unglaublich stabile neue Fundamente gebaut und sie zukunftssicher gestaltet.“ Für dieses „so erfolgreiche Wirken“ sagt er „aufrichtig Danke“.

Ein gerührter Bürgermeister

Das Schlusswort gehört schließlich dem sichtlich gerührten scheidenden Bürgermeister. „Diese Stadt liegt mir am Herzen. Ich habe dieses Amt gerne ausgeübt“, versichert er. Zu gehen, falle ihm schwer, aber er freue sich auch auf den Ruhestand. In seinen kollektiven Dank schließt er alle ein, die ihm Wegbegleiter in den vergangenen 30 Jahren waren – nicht zuletzt auch seinen engsten Mitarbeitern in der Verwaltung. „Ich habe mein Bestes gegeben“, sagt Gerhard Martin und hofft, niemanden dabei verletzt zu haben. Und mit Blick in die Zukunft wünscht er seinem Nachfolger Karl Rehm und dem neuen Stadtrat: „Eine immer glückliche Hand bei den notwendigen Entscheidungen und Gottes Segen für unser Rain und seine Bürger ...“

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