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Donauwörth

03.07.2017

Ingrid Riedelsheimer ist „eine Heldin“

Ingrid Riedelsheimer (links) hat nach vielen Jahren ehrenamtlicher Arbeit beim Weißen Ring als Leiterin der Außenstelle Donauwörth aufgehört. Nachfolgerin ist Anja Pförtsch.
Bild: Fabian Kluge

Donauwörtherin engagiert sich seit über 30 Jahren ehrenamtlich beim Weißen Ring. Manche Fälle gehen ihr noch heute nach. Nun gibt sie ihr Amt auf.

Wenn Frauen geschlagen werden, Kinder missbraucht oder getötet werden, dann beginnt die Arbeit des Weißen Ringes. Ingrid Riedelsheimer engagiert sich ehrenamtlich seit über 30 Jahren bei dem gemeinnützigen Verein. Seit 2001 leitete sie die Außenstelle in Donauwörth.

Sie kann auf rund 1300 dokumentierte Fälle zurückblicken, und hat viele bis heute nicht vergessen. „Was mich immer beschäftigt hat, waren Mordfälle an Kindern. Wie unterschiedlich die Angehörigen trauern: Einige wollen ganz viel reden, andere gar nicht“, sagt Riedelsheimer.

Aber auch Fälle aus anderen Bereichen gehen ihr bis heute nach: „Ich erinnere mich an eine Frau, die häusliche Gewalt erlitten hatte. Ihr Körper war so malträtiert, dass die Richterin damals sagte, solche Spuren habe sie nicht einmal an einer Leiche gesehen.“ Diese Frau hat Riedelsheimer bis nach Norddeutschland jahrelang begleitet – und tatsächlich nahm die Leidensgeschichte ein positives Ende. „Sie konnte sich irgendwann von dem Mann und der gesamten Familie lösen.“

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Das seien auch, so Ingrid Riedelsheimer weiter, die größten Glücksmomente ihrer Arbeit gewesen. Wenn ihr Opfer das Gefühl gaben, dass sie ihnen geholfen hatte. „Natürlich kann ich nicht ungeschehen machen, was den Opfern passiert ist, aber Erfolge haben mich immer wieder motiviert.“ Doch nicht immer endeten Fälle positiv.

Auch solche Ereignisse behält sie in ihrem Gedächtnis: „Beispielsweise hat ein Vater seine beiden heranwachsenden Töchter über Jahre hinweg sexuell missbraucht. Während sich die eine Tochter komplett abwandte und einen Schlussstrich zog, schrieb ihm die andere Briefe ins Gefängnis, in denen sie sich entschuldigte.“ Gerade bei solchen Fällen sei es wichtig gewesen, mit Kollegen oder ihrem neuen Partner reden zu können. Die Hilflosigkeit in manchen Fällen sei schwierig gewesen.

Dabei war bei Ingrid Riedelsheimer selbst ein Schicksalsschlag der Auslöser für den engagierten ehrenamtlichen Einsatz. 1986 war sie bereits Mitglied beim Weißen Ring und organisierte mit ihrem Mann ein Standkonzert in Rain zugunsten des Vereins. Bereits damals wollte Franz Pabst, mittlerweile Landesvorsitzender des Weißen Ringes für Bayern-Süd, Riedelsheimer für aktive Mitarbeit gewinnen. Doch diese lehnte ab: „Dafür hatte ich keine Zeit. Ich war Lehrerin an der Realschule in Rain, Dozentin an der Volkshochschule und musste mich um die Familie kümmern“, erklärt sie.

Doch nur 14 Tage nach dem Konzert starb ihr Mann an einem Herzinfarkt. Ihr Sohn bekräftigte sie, sich aktiv im Verein zu engagieren. „Aus einer Notsituation heraus bin ich quasi dazu gekommen, Menschen in Not zu helfen.“ Zudem hat die Stadt einen großen Anteil am Engagement der Donauwörtherin: „Die Entscheidung der Stadt, mir bereits 1998 den Sozialpreis der Stadt zu verleihen, habe ich als meine Verpflichtung angesehen, immer weiterzumachen. Besonders bedanken möchte ich mich an dieser Stelle beim Altoberbürgermeister Alfred Böswald.“

Nun wurde Ingrid Riedelsheimer nach über 30 Jahren Ehrenamt in den Ruhestand verabschiedet. Zum Festakt im Donauwörther Landratsamt kamen zahlreiche Personen unter anderem aus den Bereichen Politik, Polizei und Justiz. Landrat Stefan Rößle bezeichnete ihre Arbeit als „Akt der Nächstenliebe“. Bürgermeister Jörg Fischer attestierte Riedelsheimer „eine menschliche Wärme“.

Erster Polizeihauptkommissar Thomas Scheuerer lobte „die gelebte gute Zusammenarbeit“ und Marie Klebau, Leitende Regierungsdirektorin im Zentrum Bayern Familie und Soziales der Region Schwaben, sagte: „Sie ist eine Heldin. Frauen, wie sie, braucht das Land.“ Die Leistungen der Donauwörtherin würdigte auch bereits unsere Zeitung mit der „Silberdistel“.

Die Leitung der Außenstelle übernimmt jetzt Anja Pförtsch. Die sagte, sie sei geehrt, in solche Fußstapfen treten zu dürfen, denn Riedelsheimer sei eine „Wahnsinnsfrau“. Dabei kann sie auch auf die Hilfe von Ingrid Riedelsheimer zählen: „Meine Nachfolgerin kann immer zu mir kommen und mit mir reden.“

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