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Donauwörth/Rain

16.01.2021

Internet-Betrüger haben im Donau-Ries-Kreis Hochkonjunktur

Ein dicker Papierstapel. Das sind die Akten der Fälle von Internetbetrug, die Stephan Lang von der Polizeiinspektion Donauwörth allein in dieser Woche bearbeitet hat.
Bild: Wolfgang Widemann

Plus Die Corona-Pandemie lässt das Internet-Geschäft blühen. Seit dem Beginn des Lockdowns steigt auch die Zahl der Betrugsfälle im Donau-Ries-Kreis.

Seit einem Monat müssen viele Geschäfte wegen der Corona-Pandemie geschlossen bleiben. Dadurch bestellen noch mehr Menschen als sonst bestimmte Waren über das Internet. Damit geraten aber offenbar auch immer mehr Bürger aus der Region an Betrüger. Dafür haben die Polizeiinspektionen Donauwörth und Rain konkrete Anhaltspunkte. Die ohnehin schon stattliche Zahl an Strafanzeigen auf diesem Feld sei seit dem Start des erneuter Lockdown vor genau einem Monat weiter gestiegen.

Polizeihauptmeister Stephan Lang hat einen regelrechten Papierstapel auf dem Schreibtisch in der Inspektion in Donauwörth liegen: „Das sind die Strafanzeigen aus dieser Woche, die ich bearbeitet habe.“ Lang sowie seine Kollegen Jochen Berktold und Rainer Wolfinger bilden in der Dienststelle ein Team, das sich hauptsächlich um Internetbetrug kümmert – und mehr denn je ausgelastet ist. „In der Vorweihnachtszeit ging es richtig los“, schildert Lang. Da hätten viele Bürger über das Netz auch Weihnachtsgeschenke bestellt – und diese in einer ganzen Reihe von Fällen nicht bekommen.

Betrüger haben ein Gespür: Erst Swimmingpools, jetzt Playstation 5

Was den Gesetzeshütern auffällt: Viele Betrüger gingen nicht nur geschickt vor, sondern hätten auch durchaus ein Gespür für das „Geschäft“. Soll heißen: Sie ködern die Opfer mit Waren, die aktuell begehrt sind. Im vorigen Sommer seien es – wegen des vielfach ausgefallenen Urlaubs – aufblasbare Swimmingpools gewesen, die angeboten, aber nicht geliefert wurden.

In den vergangenen Wochen sei die Playstation 5 begehrt gewesen. Die Spielkonsole von Sony war in kürzester Zeit ausverkauft. Im Internet gab und gibt es dennoch Verkaufsangebote, die sogar unter dem Originalpreis von knapp 500 Euro liegen. Spätestens da sollten bei Interessierten die Alarmglocken klingeln, so Jochen Berktold. Aber nach dem Motto „Geiz ist geil“ ließen sich die Käufer blenden – und schöpften auch keinen Verdacht, dass sie das Geld ins Ausland überweisen sollten, beispielsweise nach Litauen oder Estland. So kam es, wie es kommen musste: Das Geld war weg, die Konsole wurde nie geliefert.

Viele Fälle ließen sich verhindern - wenn die Käufer gewisse Dinge beachten würden

Die Methoden der Betrüger seien vielfältig, berichten die Beamten. Dabei würden sich nach ihrer Ansicht zahlreiche Fälle allein schon dadurch vermeiden lassen, wenn die Kaufinteressenten etwas vorsichtiger wären, sich Gedanken zur Plausibilität der Angebote machen oder nicht im Voraus bezahlen würden. Ein Beispiel: Ein Opfer aus dem Raum Donauwörth bestellte bei einem vermeintlichen Internetladen, der vorgab, seine Geschäfte mit Artikeln rund um den Kaffee zu machen, ausgerechnet eine günstige Nintendo-Spielkonsole. „Das passt doch gar nicht zusammen“, sagt Berktold. Tatsächlich handelte es sich um einen sogenannten Fake Shop, also ein „Geschäft“, das es so gar nicht gibt. Hätte sich der geprellte Käufer vorher die Beurteilungen im Internet angeschaut, hätte er mit ziemlicher Sicherheit seine Finger davon gelassen, ist sich Rainer Wolfinger sicher.

Betrüger versenden statt eines Laptops ein Stück einer Betonplatte in den Donau-Ries-Kreis

Was immer wieder passiere: Ganoven eröffnen für wenige Tage oder Wochen ein Konto bei einer Internetbank. Dafür reiche bei bestimmten – auch deutschen – Instituten ein Foto, auf dem eine Person samt ihrem Personalausweis zu sehen sei. Das Bild stamme freilich von anderen Menschen, die davor vom Täter unter einem Vorwand dazu animiert worden seien, dieses ihm zu schicken. Gehe dann auf dem Konto Geld ein, werde es abgeräumt – und der Betrüger sei nicht auffindbar. Selten seien es richtig hohe Beträge. Ein Mann aus dem Donau-Ries-Kreis bestellte sich kürzlich in Berlin einen gebrauchten Laptop und überwies vorab die Summe von 600 Euro. Es kam zwar ein Paket, das enthielt aber ein Stück einer Waschbetonplatte.

Ein Bürger aus Monheim orderte ebenfalls in Berlin einen Mini-Goldbarren (zehn Gramm) für 480 Euro – und erhielt einen leeren Karton, den der Täter an eine Monheimer Firma sendete. Warum die Betrüger solche Pakete verschicken? Damit bekomme die Sendung eine Trekkingnummer, der Käufer werde also über den Transportweg durch den Paketdienst benachrichtigt – und auf diese Weise den einen oder anderen Tag hingehalten, was dem Täter zusätzlichen zeitlichen Spielraum verschaffe, erklärt Wolfinger.

Angebliche Mitarbeiter der Firma Microsoft zocken Leichtgläubige ab

Eine weitere Masche aus der jüngeren Vergangenheit sind Anrufe von Betrügern, die sich bei Personen melden und von diesen unter dem Vorwand, Mitarbeiter der Firma Microsoft zu sein, die Zugangsdaten für den Computer erbitten. Geht jemand darauf ein, spielen die international organisierten Banden ein fremdes Programm auf, bekommen nicht selten auch noch Zugriff auf das Online-Banking der Opfer und heben quasi vor deren Augen Geld vom Konto ab.

Neulich ist Stephan Lang zufolge eine Frau auf diese Weise um 5000 Euro gebracht worden. Über ihre Hausbank habe sie wenigstens die Hälfte der Überweisung rückgängig machen können.

Ralf Schurius, Leiter der Polizeiinspektion Rain, bestätigt für seine Dienststelle die Zunahme der Internetbetrügereien. Praktisch täglich gingen Anzeigen ein. Schurius rät wie seine Kollegen dringend davon ab, Geschäfte über den Online-Bezahldienst PayPal und speziell über das Angebot „Friends & Family“ abzuwickeln. Dieses biete keinerlei Schutz für den Käufer.

Die Polizei in Donauwörth hat seit Mitte Dezember rund 100 Fälle registriert

Die Opfer in der Region kämen aus allen Altersschichten und handelten zum Teil leichtsinnig (vor allem die Jüngeren), zum Teil naiv. „Die Leute müssten sensibler sein, was sie mit ihren Daten machen“, meint Jochen Berktold. Seit Mitte Dezember liefen allein in der Donauwörther Inspektion rund 100 Fälle von Internetbetrug auf. Die Beamten gehen davon aus, dass die Dunkelziffer noch viel höher ist. An die Profis unter den Betrügern komme man nur äußerst schwer heran. Oft verhindere der Datenschutz eine weiterführende Recherche. Ab und zu könne aber doch einer der Fälle aus dem dicken Aktenstapel für erledigt erklärt werden, so Stephan Lang. Dies verschaffe den Polizisten doch eine gewisse Genugtuung: „Das tut gut.“

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