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Landkreis Donau-Ries

01.07.2020

Kaisheim: Eine neue Klasse für auffällige Kinder

Das Abt-Ulrich-Förderzentrum in Kaisheim wird ab dem Schuljahr 2021/22 eine Stütz- und Förderklasse bekommen. Damit ist der Donau-Ries-Kreis der letzte in ganz Schwaben mit einer solchen Einrichtung.
Bild: Schule

Plus Der Landkreis bekommt nun als letzter in ganz Schwaben auch eine Stütz- und Förderklasse. Der Bedarf dafür ist da, denn es gibt immer mehr Kinder mit Defiziten.

Immer mehr Mädchen und Buben zeigen bereits im Kindergarten grobe Verhaltensauffälligkeiten. Sie benehmen sich in einer Weise, bei der herkömmliche Erziehung nicht mehr greift. Gespräche, Ermahnungen, Appelle, Verbote laufen ins Leere. Schon mit den einfachsten Regeln des Sozialverhaltens kommen sie nicht zurecht und gelten – kaum dass sie die erste Klasse besuchen – vom ersten Tag an als „nicht beschulbar“. Diese erschreckende Bilanz zog Jugendamtsleiter Adelbert Singer am Dienstag in der Sitzung des Kreis-Jugendhilfeausschusses.

Individualbegleitung nötig

Solche Kinder benötigen dann Individualbegleitung durch integrative Fachkräfte, damit sie nicht zum Dauerstörfaktor in einem sozialen System wie etwa einer Kindergartengruppe oder einer Schulklasse werden, sondern in ihrer emotionalen Entwicklung gefördert werden. Wenn diese Unterstützung nicht greift, bleibt häufig nur die Unterbringung von Amts wegen in einem Heim.

Um diesen Weg zu verhindern, kennt unser Schulsystem die sogenannte Stütz- und Förderklasse. Es gibt sie seit geraumer Zeit schon in allen anderen schwäbischen Landkreisen – und ab dem Schuljahr 2021/22 nun auch im Donau-Ries. Diesen Beschluss fasste der Jugendhilfeausschuss.

Kaisheim: Eine neue Klasse für auffällige Kinder

80000 Euro zusätzliche Personalkosten

Nun geht es darum, ein Konzept zu erarbeiten, einen Träger auszuwählen und die finanziellen Mittel in den Kreishaushalt 2021 einzustellen. Rund 80000 Euro Personalkosten werden auf den Kreis zukommen, wie Jugendamtsmitarbeiterin Marissa Hey bezifferte. Vonseiten der Schule wird eine sonderpädagogische Lehrkraft gestellt und nach Möglichkeit eine heilpädagogische Förderlehrkraft.

Die Jugendhilfeseite stellt ihrerseits eine sozialpädagogische und eine erzieherische Fachkraft mit jeweils 30 Wochenstunden zur Verfügung sowie bei Bedarf weitere Fachdienste. Die Gesamtkosten seien noch „etwas hypothetisch“, wie Hey sagte, denn die Detailkonzeption fehle noch.

Der Standort ist geklärt: Kaisheim

Was indes bereits geklärt ist, ist der Standort dieser Stütz- und Förderklasse. Nachdem bisher vergeblich in Nördlingen nach geeigneten Räumen gesucht worden war, steht nun fest, dass diese Klasse im Abt-Ulrich-Förderzentrum in Kaisheim installiert wird. Im Idealfall wünscht sich Schulleiter Walter Knopp, dass die Räume dafür im Zuge der Schulhaussanierung geschaffen werden. Denn es sei nicht damit getan, einfach ein Klassenzimmer dafür herzunehmen. Die bis zu acht verhaltensauffälligen Kinder werden von 8 bis 16 Uhr dort betreut und benötigen sowohl Lernbereiche als auch Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung. Vorübergehend aber kann – für die nächsten ein bis drei Jahre – ein zusätzlicher Raum der Grund– und Mittelschule angemietet werden.

Beginnen will die Abt-Ulrich-Schule mit den Klassen eins und zwei, später ist nicht ausgeschlossen, dass es auch die Jahrgangsstufen drei und vier in dieser Stützklasse geben soll. Auf soziale und kognitive Kompetenzen wird der Blick ebenso gerichtet wie auf Wertevermittlung und Orientierung.

Schule und Jugendhilfe arbeiten unter einem Dach zusammen

Wesentliches Merkmal bei dieser Stütz- und Förderklasse ist es, dass Schule und Jugendhilfe unter einem Dach zusammenarbeiten. Außerdem sollen die Eltern mit ins Boot geholt werden.

Sie werden verpflichtet, an den Erziehungsthemen mitzuarbeiten. Auf diese Weise können die Kinder in ihren Familien bleiben. Ziel ist es, die betroffenen Kinder letztlich in ihre herkömmliche Förderklasse zurückzuführen oder sogar an eine Regelschule.

Für viele Kinder aus dem Landkreis ist Kaisheim gut anzufahren, zumal es ein Abhol- und Bringsystem zwischen Förderzentrum und Zuhause gibt. Eher nicht praktikabel ist der Schulweg dorthin für Kinder aus dem Ries. Deshalb gelten die Bemühungen des Landkreises auch nach wie vor der Absicht, in Nördlingen eine solche Klasse einzurichten, wie Landratstellvertreterin Claudia Marb sagte, die die Sitzung hielt. Der Sozialhilfeausschuss stimmte der Installation dieser Stütz- und Förderklasse einstimmig zu.

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