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03.06.2020

Landkreis Donau-Ries: Über 30.000 Menschen in Kurzarbeit

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich auch im Mai spürbar an den aktuellen Arbeitsmarktzahlen.
Bild: Bernhard Weizenegger (Symbolbild)

Plus Die aktuellen Zahlen der Arbeitsagentur sind alarmierend, auch wenn die tatsächliche Auswertung erst noch erfolgt. Die Arbeitslosenquote steigt auf 2,3 Prozent.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie zeigen sich auch im Mai spürbar an den aktuellen Arbeitsmarktzahlen. „Wie erwartet ist die Arbeitslosigkeit im Landkreis Donau-Ries noch einmal deutlich gestiegen“ berichtet Richard Paul, Leiter der Donauwörther Arbeitsagentur. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 2,3 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte über dem Wert des Vormonats und 0,9 Prozent über dem Vorjahreswert. In einem Mai war die Quote zuletzt im Jahr 2010 höher.

Aktuell sind 1807 Menschen ohne Arbeit, das sind 130 mehr (plus 7,8 Prozent) als vor einem Monat und 667 mehr (plus 58,5 Prozent) als vor einem Jahr. „In den vergangenen Jahren ließ die Frühjahrsbelebung die Arbeitslosenzahlen immer deutlich sinken – davon ist heuer nichts zu spüren. Im Hinblick auf den Arbeitsmarkt macht der Wonnemonat Mai seinem Namen diesmal leider keine Ehre“, so Paul.

Nachfrage nach Arbeitskräften sinkt

Im Monat Mai haben sich 523 Menschen neu arbeitslos gemeldet, 300 davon kamen aus einer Erwerbstätigkeit. Im Gegenzug beendeten nur 393 Personen die Arbeitslosigkeit, davon nahmen 194 eine Beschäftigung auf. Die schlechtere Entwicklung wird insbesondere beim Vergleich mit dem Vorjahr sichtbar. „Wir verzeichnen 67 mehr Zugänge aus der Erwerbstätigkeit.“

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Von den 1807 arbeitslos gemeldeten Menschen waren 1224 (plus 115 im Vergleich zum Vormonat) bei der Arbeitsagentur und 583 (plus 15 im Vergleich zum Vormonat) im Jobcenter Donau-Ries gemeldet. Im Zuge der Corona-Krise sei neben den steigenden Arbeitslosenzahlen gleichzeitig die Nachfrage nach Arbeitskräften weiterhin rückläufig. Im Mai wurden nur 194 neue Arbeitsstellen gemeldet. Das sind 207 oder 51,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Stellenbestand liege mit aktuell 1277 weit unter dem Vorjahreswert (minus 584 oder 31,4 Prozent).

„Stelleneinbruch über alle Branchen hinweg“

„Anders als in der Wirtschaftskrise 2009 verzeichnen wir einen Stelleneinbruch über alle Branchen hinweg“, berichtet Paul. Handel, verarbeitendes Gewerbe und Zeitarbeit melden dem Agenturchef zufolge deutlich weniger Stellen. Gleichzeitig sei zu erkennen, dass die Betriebe ihre Mitarbeiter halten möchten und zunächst auf das Kurzarbeitergeld zurückgreifen.

Paul hierzu: „Die Entwicklung der Anzeigen für Kurzarbeit lässt deutlich die Auswirkungen der Corona-Krise auf den Arbeitsmarkt erkennen. Seit März 2020 bis Mitte vergangener Woche sind im Landkreis 1198 Anzeigen auf Kurzarbeitergeld eingegangen. Eine Anzeige wird oft auch vorsorglich und für mehr Mitarbeitende gestellt. Insgesamt beziehen sich die Anzeigen auf 30.503 Personen.“ Daraus lasse sich aber noch nicht schließen, wie viele Beschäftigte am Ende tatsächlich in Kurzarbeit waren und in welchem Stundenumfang Arbeitszeit ausgefallen ist. Diese Angaben liegen erst mit Zeitverzögerung vor.

Kurzarbeit: Anträge schnellstmöglich einreichen

Die Anzeige von Kurzarbeit löst noch keine Zahlung aus. Danach ist für die Auszahlung ein Antrag auf Kurzarbeitergeld zu stellen. Dieser Antrag ist zusammen mit der monatlichen Abrechnungsliste bei der zuständigen Agentur für Arbeit einzureichen. Paul: „Ich empfehle Betrieben, ihren Antrag auf Kurzarbeitergeld umgehend und vollständig bei der Agentur für Arbeit einzureichen. Nur so kann das Geld schnellstmöglich ausgezahlt werden.“

Besonderen Augenmerk möchte Richard Paul auf die Berufsausbildung richten. Vor dem Hintergrund der aktuellen Situation sei es durchaus verständlich, dass dieses Thema in den vergangenen Wochen und Monaten nicht an erster Stelle stand. „Aber nach wie vor ist die Berufsausbildung ein wichtiger Faktor zur Sicherung des Fachkräftebedarfs und damit eine nachhaltige Investition in die Zukunft.“ Denn das Problem der fehlenden Fachkräfte in vielen Branchen werde sich auch nach Corona-Zeiten fortsetzen und bleibt ein Risiko für eine langfristige Standortsicherung. „Die Betriebe in unserer Region sind sich dessen bewusst. Deshalb kann ich mich darüber freuen, dass die Ausbildungsbereitschaft der Firmen in unserem Agenturbezirk ungebrochen ist“, betont der Agenturleiter.

Deutlich weniger Ausbildungsstellen

Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober des vergangenen Jahres meldeten sich im Landkreis Donau-Ries 973 Bewerber für Berufsausbildungsstellen, das waren 4,3 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Zugleich gab es 1380 Meldungen für Berufsausbildungsstellen, das entspricht einem Minus von 10,5 Prozent. Ende Mai waren 216 Bewerber noch ohne einen Ausbildungsplatz und 650 Ausbildungsstellen noch unbesetzt. Hier bestehen laut Arbeitsagentur durchaus noch sehr gute Chancen, sowohl für die Schulabsolventen eine passende Ausbildungsstelle zu finden, als auch für die Betriebe einen geeigneten Azubi im Herbst einzustellen.

„An die Schüler und Schülerinnen der Abschlussklassen, die aktuell noch keine Zusage für eine Ausbildungsstelle oder eine andere Alternative gefunden haben, appelliere ich, sich schnellstmöglich für ein ausführliches telefonisches Beratungsgespräch anzumelden. Unsere Berufsberater stehen den Jugendlichen und Eltern auch in der aktuellen Situation sehr gerne mit Beratung und Ausbildungsstellenvermittlung zur Seite“ so Paul weiter.

2,8 Prozent im gesamten Agenturbezirk

Im gesamten Bezirk der Agentur für Arbeit Donauwörth – hierzu gehören neben dem Donau-Ries-Kreis auch die Landkreise Dillingen, Günzburg und Neu-Ulm – liegt die Arbeitslosenquote aktuell bei 2,8 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte über dem Wert des Vormonats und sogar 1,0 Prozent über dem Vorjahreswert. Aktuell sind in diesem Bereich 8825 Menschen ohne Arbeit, das sind 621 mehr (plus 7,6 Prozent) als vor einem Monat und 3.335 mehr (plus 60,7 Prozent) als vor einem Jahr. (pm)

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