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Mertingen

03.01.2020

Mertinger Höll: Rettungsaktion für den Brachvogel

Der Große Brachvogel steht auf der roten Liste der bedrohten Tierarten in der Kategorie 1: Vom Aussterben bedroht. In der Mertinger Höll fühlt er sich eigentlich gut aufgehoben, doch die Bedingungen werden jetzt optimiert.
Bild: Helmut Partsch

Plus Nur noch sechs Brutpaare des vom Aussterben bedrohten Tieres leben in der Mertinger Höll. Das soll sich ändern. Dafür werden jetzt sogar Hecken gerodet.

Es steht nicht gut um den Brachvogel. Im Naturschutzgebiet der Mertinger Höll leben aktuell nur noch sechs Brutpaare. In den 70er Jahren lag die Zahl noch bei über 20. Es ist also höchste Zeit etwas zu unternehmen.

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Deshalb geht der Bund Naturschutz, der sich um die Niedermoorlandschaft kümmert, jetzt einen für den Umweltverband ungewöhnlichen Weg. Er rodet die Hecken.

Maßnahme der Flurbereinigung

Genau genommen, ist es nicht der Bund Naturschutz, der die etwa drei Kilometer der eins gepflanzten Gehölze fast vollständig abholzt, sondern das ganze ist eine Maßnahme der Flurbereinigung. Dieses Verfahren läuft über die Regierung von Schwaben. Da ein solches Verfahren in Lauterbach aktuell ansteht, springt die Regierung jetzt auf und nutzt die Gelegenheit in der Mertinger Höll nun eine etwa 1000 Hektar große und vor allem zusammenliegende Fläche für den Brachvogel zu schaffen.

Mertinger Höll: Rettungsaktion für den Brachvogel

Dafür setzte sich der Bund Naturschutz seit Jahren ein. „Wir brauchen dringend einen Erfolg für die Wiesenbrüter“, sagt BN-Kreisvorsitzender Alexander Helber.

150 Meter Mindestabstand

Wer nun schon den Umweltfrevel vermutet, das hier Lebensraum für anderer Tiere zerstört werden, der muss die Lebensweise des vom Aussterben bedrohten Brachvogels verstehen. Denn das Tier, das zur Gattung der Schnepfen gehört, brütet am Boden. Dabei hält es stets bewusst Abstand zu Hecken, weil es dort Fressfeinde vermutet.

150 bis 200 Meter Entfernung zum nächsten größeren Busch ist also eine Mindestanforderung an eine Brutstätte des Brachvogels, der im übrigen etwa die Größe eines Huhns hat. Eine Distanz, die noch Möglichkeit zur Flucht birgt, wenn der Fuchs aus der Hecke kommt, zu starten.

Durch die Rodung der Hecken und die Zusammenlegung der BN-Flächen zu einer großen, freien Wiese ist das nun deutlich besser möglich. Ein brechvogel beansprucht immerhin einen Lebensraum von zehn bis 25 Hektar.

Ein schwabenweites Phänomen

Die Hoffnung auf Erfolg der nun geplanten Strategie zur Rettung des Brachvogels in der Mertinger Höll, teilt auch Günter Riegel, Diplom-Biologe und Regierungsdirektor bei der Regierung von Schwaben und im Zuge des Flurordnungsverfahrens hier zuständig. „Ohne die Möglichkeit des Abstandes ist die Fläche in der Mertinger Höll wertlos“, macht er klar. Diese gehöre aber zu einem der zehn wichtigsten Brutgebiete in Bayern. „Und wir wollen den Fortbestand des Tieres einfach sicherstellen“, sagt Riegel. Denn dem Brachvogel geht es schwabenweit nicht besonders gut.

Das liegt aber nicht nur an den Hecken, sondern auch an der zunehmenden Trockenheit der Wiesen. Diese waren früher schön feucht und damit voller Nahrung für den Brachvogel, der mit seinem langen, gebogenen Schnabel im nassen Erdreich stochert um Larven und Insekten zu finden. Um wieder mehr Wasser in der Mertinger Höll zu bringen wird das Landratsamt parallel zur Heckenrodung Mulden anlegen, in denen sich die Feuchtigkeit besser sammeln und halten kann. Zudem wird versucht die blühreichen Wiesen durch das Übertragen von Mähgut weiter zu entwickeln. Damit sollen auch für weitere Arten wie den Kiebitz aktiv Lebensräume und bessere Bedingungen geschaffen werden.

Dass dieser Weg funktionieren kann, hat man bereits in anderen Brutgebieten des Brachvogels gesehen. In den Pfäfflinger Wiesen, dem zweiten, wichtigen Lebensraum des Brachvogels im Landkreis, leben nach Auskunft von Günter Riegel aktuell 20 Brutpaare, im gesamten Wörnitztal sind es 41.

In zwei bis fünf Jahren erhoffen sich die Naturschützer und Biologen eine erste Erholung des Bestandes in der Mertinger Höll. Die Heckenrodung wird die Teilnehmergemeinschaft Lauterbach im Januar und Februar durchführen.

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